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Ungewöhnliches Projekt der Kreativen Werkstatt Dresden

Wir sind alle von einer Art Ungewöhnliches Projekt der Kreativen Werkstatt Dresden

Es sind die Ergebnisse des Keramik-Projektes im Kunstraum des Neuen Sächsischen Kunstvereins zu sehen. 36 unterschiedliche Objekte und Plastiken, Teller, Schalen und Figuren, aufgesockelt und zum Teil akribisch bemalt und glasiert, schmücken den Raum.

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Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. Die Dresdner Kunstfreunde werden sie fast alle kennen: 27 Künstlerinnen der Stadt haben sich wieder in einem Kunstprojekt der Kreativen Werkstatt Dresden e.V. zusammengefunden. Wie schon einmal im Teller-Projekt (2006/2007) hatte auch diesmal (2016) Karin Heyne die Idee für eine originelle Möglichkeit, die unterschiedlichen Handschriften der Malerinnen, Grafikerinnen, Bildhauerinnen, Formgestalterinnen und Textilkünstlerinnen unter einem gemeinsamen Nenner zur Geltung zu bringen. Ausgangspunkt waren einige der Kreativen Werkstatt Dresden überlassene Formstücke. Im Jahr 2009 schenkte eine Dresdner Künstlerin eine große Anzahl Gussformen für keramische Figuren der Werkstatt. Das war der Anlass, Künstlerinnen einzuladen, die sich mit den Formstücken kreativ auseinandersetzen sollten. 2015, als die Werkstatt ihr Lager räumen musste, brachten sich die Gussformen in Erinnerung. Zunächst waren es zehn Teilnehmerinnen aus denen 27 wurden, die sich wagten, aus den von der Bildhauerin Christa Donner gegossenen Rohformen etwas Eigenes und Neues zu schaffen.

Nun sind die Ergebnisse des Keramik-Projektes im Kunstraum des Neuen Sächsischen Kunstvereins zu sehen. 36 unterschiedliche Objekte und Plastiken, Teller, Schalen und Figuren, aufgesockelt und zum Teil akribisch bemalt und glasiert, schmücken den Raum. Auf den ersten Blick verblüfft der Humor vieler Arbeiten, ein skurriler Witz, mit dem die Künstlerinnen die traditionellen Gussformen von Kunstkitsch wie Gartenzwergen, Pferden, Vögeln und allerlei anderem Getier, florale Stücke, kleine Klobecken, Kerzenständer, Schnecken, Körbe und Früchte zu originellen Mischgestalten neu zusammensetzten. Das Prinzip der Metamorphose ist nicht jedermanns Sache. Zu oft wird man an Schimären und Fratzen der Kunstgeschichte erinnert, aber auch an das Klonen von Organismen in der modernen Biologie.

Tatsächlich steht am Anfang der Ausstellung eine organoide Plastik von Sandra Rosenstiel aus einem Körperorgan und falsch angesetztem Pferdefuß. Die ominöse Gestalt „Transformation“ gab der Ausstellung ihren Titel. Bizarr wird es, wenn Abformungen kombiniert und miteinander gemischt werden wie in der Keramik „Geburt aus dem Kern“ der Malerin Maria Pilz. Dagegen wirkt die Plastik „Pferd und Vase“ von Christiane Latendorf wohltuend einfach, anmutig und gekonnt, nicht nur durch die delikate Bemalung, sondern auch durch die Idee, einen Rappen auf einem Gefäß anzubringen. Petra Kasten bemüht den biblischen Teufel als Maske in all seinen fünfteiligen ominösen Verwandlungen, während Angela Hampel eine „Schneckenkanne“ präsentiert und ihren beiden Froschkönigen eine lange Zunge verpasste.

Die Keramik „Friedensstifter“ der Bildhauerin Katrin Jähne vereint zwei Kitschfiguren (Clowns) zu einer kleinen Idylle aus Umarmung mit Taube. „Wir sind alle von einer Art und doch so verschieden. Das Fremde und das Bekannte. Können wir neugierig aufeinander zugehen oder beäugen wir uns argwöhnisch. Wir entscheiden“, schrieb die Holzbildhauerin Yvonne Elger unter ihren mit einer Schar von Vögeln und einem Vogelalbino besetzten Teller ironisch.

In die Welt des Spielzeugs taucht die Malerin Viktoria Graf. Sie zauberte einen „catman + ghosts“ (eine Abwandlung von Batman) aus glasierter Keramik im Katzenkostüm mit einem Ausrüstungsgürtel. Aus ihm und den Ärmeln und Hosenbeinen lugt allerlei Spielzeug hervor, das die Geister der von der Katze gefangenen Opfer verkörpern soll. Die Objektkünstlerin und Bildhauerin Marion Kahnemann setzte sich spielerisch mit der Gussform einer exotischen Frucht auseinander: Auf einem Drahtgestell balanciert der Fruchtkörper, den an seiner Basis eine Spielzeuglok umkreist, während eine getrocknete Zitrusfrucht die Spitze der Frucht verziert. Auf den Schuppen der Fruchtoberfläche sind Buchstaben zu einem Gedicht von Rose Ausländer graviert, mit der sich die Künstlerin zur Zeit intensiv beschäftigt.

Die aus Guss-Fragmenten dekonstruierte und neu zusammengesetzte, kunstvolle Pferdekomposition „Flucht“ aus weißer, glasierter Keramik der Bildhauerin Cornelia Thümmel entbehrt nicht einer gewissen Dramatik und einem bildhauerischen Anflug, der, wie ein Zitat, an bekannte Tierplastiker erinnert. Fazit der Ausstellung: Alle Künstlerinnen haben in den kleinen Kunstwerken ihre – ihnen auf den Nägeln brennenden – Probleme, Wünsche und Träume verarbeitet. Man erkennt in den konkreten Umsetzungen ähnlich wie schon beim Teller-Projekt das jeweils Individuelle und Unverwechselbare der Handschriften wieder. Fotografien von Karin Heyne dokumentieren die gestalterische Arbeit der Künstlerinnen an ihrem Arbeitsplatz in der Kreativen Werkstatt Dresden.

bis 7. Oktober. Kunstraum Dresden, Schützenplatz 1, geöffnet Di-Fr 14-18, Sa 10-14 Uhr

Von Heinz Weißflog

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