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Unbekannte Werke Max Schwimmers in der Dresdner Galerie Himmel

„Liebling der Musen“ Unbekannte Werke Max Schwimmers in der Dresdner Galerie Himmel

Vor allem freien Arbeiten widmet sich eine Ausstellung der Dresdner Galerie Himmel. Unter dem Motto „Liebling der Musen“ gestatten etwa 70 unbekannte Blätter aus Privatbesitz einen Blick auf das Schaffen Schwimmers von den Anfängen bis in die letzten Lebensjahre.

Max Schwimmer, Stillleben mit blauer Vase, 1949/50, Gouache.

Quelle: Galerie Himmel

Dresden.  Seine Werke sind kaum noch in der Öffentlichkeit. Auch die unzähligen Buchtitel mit seinen Illustrationen sind mittlerweile wohl, wenn überhaupt, Antiquariaten vorbehalten. Gleichwohl dürfte es viele Bücherfreunde geben, in deren Regalen die einst ungemein gefragten „Kritzelbüchlein“ oder Kurt Arnold Findeisens Dresden-Geschichten „Der Goldene Reiter“ und “Melodie der Freude“ stehen. Natürlich ist das nicht alles, was Max Schwimmer (1895 – 1960) - denn von diesem, Josef Hegenbarth wohl vergleichbaren, wenn auch im Ausdruck ganz verschiedenen Künstler, ist hier die Rede - illustrierte. Erinnert sei an Illustrationen zu Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“, zu Goethes „Faust“ und vielen weiteren Goethe-Texten, zu Beaumarchais oder zu Balzac. Ebenso schuf Schwimmer Bühnenausstattungen – etwa zu Shakespeares „Sommernachtstraum“, einem Stück, das dem für seinen unglaublich leichten und leicht erotisierenden Strich bekannten Künstler wohl sehr gelegen haben dürfte. Und nicht vergessen: freie Arbeiten, darunter rund 200 großformatige Gouachen, die um 1949/1950 entstanden.

Vor allem freien Arbeiten widmet sich eine Ausstellung der Dresdner Galerie Himmel. Unter dem Motto „Liebling der Musen“ gestatten etwa 70 unbekannte Blätter aus Privatbesitz einen Blick auf das Schaffen Schwimmers von den Anfängen bis in die letzten Lebensjahre. Zugleich lässt das Gezeigte ahnen, wie die Zeitumstände dem „Liebling der Musen“ auch Schranken setzten, ihn womöglich hinderten, seine koloristische Seite nicht nur auf Papier, sondern auch auf der Leinwand auszuleben. Zumindest könnte man dies angesichts der späten Gouachen annehmen.

Werke verschiedener Schaffensphasen

Schwimmer, der aus einfachen Verhältnissen stammte – sein Vater war Buchbinder – hatte schon früh sein Talent entdeckt. Darauf weisen Arbeiten wie „Kopfweiden am Wasser“, eine Pastellzeichnung von 1915. Allerdings – und dies war seiner Herkunft geschuldet – wurde er zunächst Lehrer, wirkte als solcher im Erzgebirge, später auch in Leipzig, ohne seine Ambitionen aufzugeben. Ein Atelier in der Messestadt, seiner Heimatstadt, wurde ab 1917 Bindeglied zum Kunstgeschehen, Ausstellungen inbegriffen.

Max Schwimmer, Frau vor Fenster am Meer, um 1930, Aquarell

Max Schwimmer, Frau vor Fenster am Meer, um 1930, Aquarell.

Quelle: Galerie Himmel

Was wahrscheinlich die meisten Besucher der Galerie Himmel überraschen wird: Die Unruhe der Zeit schlug sich (abgesehen von einer kürzeren KPD-Mitgliedschaft, später wurde Schwimmer SPD-Mitglied) auch bei ihm künstlerisch nieder. Wie andere wurde er von der „zweiten Welle“ des Expressionismus, die sich um das Ende des 1. Weltkrieges für einige Jahre ausbreitete, ergriffen. Neben starkfarbigen Landschaften sowie größeren Blättern wie „Cellist“ (1918), sind es vor allem Arbeiten im Postkartenformat, die der Künstler an seinen lebenslangen Freund Fritz Schneider (1890 – 1979) ins Erzgebirge sandte und die neben vielen anderen Werken dort die Jahrzehnte überdauerten. Die 18 schnell „hingeworfenen“, mehrheitlich in Schwarz-Weiß gehaltenen Zeichnungen (meist auch mit Text versehen) und Aquarelle sollen zugleich Anlass sein, auf Schwimmers Wirken als Pressezeichner, unter anderem für die „Leipziger Volkszeitung“ zu verweisen. Das wie sein übriges Schaffen sicherte ihm und seiner Familie allerdings keine ausreichende Lebensgrundlage. Versuche, sich in Berlin zu etablieren, blieben ebenso ohne Erfolg.

Freilich, auch dies zeigt die Ausstellung: die schwierige, oft nur dank der Schwiegereltern zu entschärfende Situation, hinderte den Künstler, der Anfang der1920er Jahre noch Philosophie und Kunstgeschichte an der Leipziger Universität studiert hatte, nicht daran, sich mittels zahlreicher Studienreisen zu vervollkommnen. Besonders die Zeit bei Purrmann 1924 auf Ischia tauchten Schwimmers Arbeiten in der Folge in ein „neues Licht“.

Max Schwimmer, Flucht, 1918, Pinsel in schwarzer Tusche

Max Schwimmer, Flucht, 1918, Pinsel in schwarzer Tusche

Quelle: Galerie Himmel

Die Aufenthalte in Paris und im Midi sowie damit verbundene Kontakte mit Pierre Bonnard und Jules Pasquin taten ein Übriges, wie ein Aquarell mit dem Titel „An der Cote d`Azur“ (1926) aufscheinen lässt. Und die Begegnungen mit Pasquin bestärkten Schwimmer in der leicht erotischen Komponente voller Charme, die viele, dem weiblichen Geschlecht oder Paaren gewidmete Arbeiten ausstrahlen. Die zeigt sich oft in an sich alltäglichen Szenen wie der kleinen aquarellierten Zeichnung „Im Coupé“ (1924), während ein schönes „Kauerndes Mädchen (im Bordell)“ von 1926/27 diese eher (bewusst ?) nicht betont. Ein „Mädchen an der Brüstung“ (1935-40) wiederum, dessen Rock reichlich hoch gerutscht scheint, ist wiederum von unvergleichlicher Leichtigkeit. Und das fast karikative „Osterhasenpaar im Bett“ (1946) hätte man auch gern als Gruß zum Fest erhalten.

Natürlich muss ebenso auf die größeren Aquarelle der 1930er/40er Jahre verwiesen werden – Landschaften, Stillleben, Familienszenen -, die Schwimmer in einer auch für ihn persönlich schwierigen Zeit schuf. Auch er hatte 1933 seine Lehrtätigkeit an der Leipziger Kunstgewerbeschule und seine Tätigkeit für die „Leipziger Volkszeitung“ verloren. Glücklicherweise öffneten sich andere Türen für seine Illustratorentätigkeit bei Buchverlagen. Auch privat gab es Neues: Er lernte 1936 seine zweite Frau Ilske kennen, der bald manche Zeichnung galt. Dass die Wehrmacht im Sommer 1944 endgültig nach dem 49-jährigen griff, sei nicht vergessen.

Schwierige Nachkriegsjahre

Die großen Gouachen aus der Nachkriegszeit – sieben zeigt die Ausstellung - mögen wie ein neues Aufblühen erscheinen, wobei etwa „Der Fisch“ auch daran erinnert, dass der Künstler sich nun mit Beckmann beschäftigte. Versuche, offiziellen Forderungen mit Industrielandschaften oder Historienbildern wie „Barrikade 1848“ zu entsprechen, blieben aber wohl zu Recht die Ausnahme in seinem Werk. In diesem Zusammenhang sollen die Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre nicht unterschlagen werden, Die besonders dogmatische Atmosphäre an der Hochschule für Graphik und Buchkunst ließen das SED-Mitglied Max Schwimmer schließlich seine Lehrämter in Leipzig aufgeben und 1951 mit Freude einem Ruf an die Dresdner Akademie folgen. Walter Arnold, der Bildhauer, Ernst Hassebrauk und Hans Theo Richter, mit dem Schwimmer in Dresden die Abteilung Graphik leitete, hatten zuvor schon ihre Zelte abgebrochen.

Schwimmer fühlte sich fortan Dresden zugehörig, bezeichnete sich als „Dresdner Künstler“ und hinterließ hier und auch an der Berliner Akademie der Künste, deren Mitglied er seit 1952 war, lang wirkende Spuren beim künstlerischen Nachwuchs, darunter Dieter Goltzsche, Gitta und Gerhard Kettner, Max Uhlig, Claus Weidensdorfer. Zum 100. Geburtstag Max Schwimmers hatte es in Leipzig mehrere Ausstellungen gegeben. Eine Schau in einer musealen grafischen Sammlung allerdings ist seit langem offen.

Bis 4. März: Max Schwimmer – Liebling der Musen, Galerie Himmel, Obergraben 8. bis 4. März verlängert. Geöffnet: Mo. – Fr. von 10 bis 19 Uhr, Sa. 10 bis 16 Uhr. Tel.: 484 35 78.
Erschienen ist ein Ausstellungskatalog.

www.galerie-himmel.de

Von Lisa Werner-Art

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