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Ulrike Hessler, die erste Frau an der Spitze der Semperoper, ist mit 57 Jahren gestorben

Ulrike Hessler, die erste Frau an der Spitze der Semperoper, ist mit 57 Jahren gestorben

Mehr waren der Semperoper-Intendantin Ulrike Hessler in Dresden nicht vergönnt. Am gestrigen Morgen ist sie offiziellen Angaben zufolge nach einer schweren Krankheit mit 57 Jahren in München gestorben.

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Oft mit einem Lächeln: Ulrike Hessler.

Quelle: Archiv

Zwei Spielzeiten. "Mit großer Bestürzung" habe sie den Tod Hesslers zur Kenntnis genommen, ließ Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer mitteilen.

Hessler hatte sich Anfang Mai aus Krankheitsgründen vom Tagesgeschäft zurückgezogen. Der Kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Rothe hatte gemeinsam mit dem Leitungsteam ihre Aufgaben übernommen. Damals hieß es, Hessler werde "voraussichtlich bis Ende der laufenden Spielzeit" der Oper fernbleiben. Nach der sofortigen Operation eines bösartigen Tumors im Januar 2011 und bester nachfol- gender medizinischer Betreuung habe die Erkrankung einen wechselhaften Verlauf genommen, wurde damals mitgeteilt.

Noch im März sah alles ganz anders aus, als die Semperoper-Pläne für die Saison 2012/2013 verkündet worden waren. Inhaltlich richteten sich die Vorhaben für die kommende Spielzeit vor allem an Richard Wagner aus, dessen 200. Geburtstag auch in Dresden gebührend begangen werden sollte. Eine große Hommage an den Komponisten Hans Werner Henze war (und ist) ebenfalls geplant. Die Umsetzung dieser Anliegen wird Ulrike Hessler nun nicht mehr erleben.

Sie, die erste Frau, die je an der Spitze der Semperoper stand, hatte schon zu Beginn ihrer ersten Amtszeit im DNN-Interview das "unglaubliche künstlerische Potenzial" des Hauses gewürdigt. Aber auch andere, kritische Anmerkungen folgten. Wie die, dass man sich als Oper wohl stärker um die Dresdner kümmern müsse, zu sehr auf "Gäste von außerhalb" fixiert gewesen sei. Von "sinnlicheren Produktionen" war damals die Rede. Hessler setzte dabei vor allem auf Regisseur Stefan Herheim - wer derzeit einen Blick nach Bayreuth wirft und die Ovationen für Herheims "Parsifal" bemerkt (siehe Randtext), wird dieser Entscheidung immer noch beipflichten. Außerdem initiierte Hessler die "Semperoper Junge Szene".

Ihr größter Coup aber war zweifellos die Verpflichtung Christian Thielemanns als Nachfolger von Fabio Luisi an der Spitze der Sächsischen Staatskapelle. Nach den Querelen um Luisis Abschied und Thielemanns Engagement rückte wieder Inhaltliches in den Vordergrund. Dass Thielemann zur Zeit wohl der Dirigent in deutschen Orchestergräben schlechthin ist, auch dafür kann aktuell ein Blick nach Bayreuth nur Bestätigung bringen.

Hessler, 1955 in Kassel geboren, hatte als Nachfolgerin von Gerd Uecker aber auch noch andere Akzente gesetzt. So ließ sie bereits 2010 deutliche Kritik am Semperopernball verlauten und wünschte sich ausdrücklich programmatische Veränderungen.

2011 sorgte die Literaturwissenschaftlerin schließlich dafür, dass sich die Oper mit einem ihrer dunkelsten Kapitel in einer Ausstellung auseinandersetzte. Der Historiker Hannes Heer brachte die Schau "Verstummte Stimmen" über den Umgang mit jüdischen Künstlern an Semperoper und Schauspielhaus nach Dresden. Als die Ausstellung ihrer Meinung nach nicht genügend Diskussionen zum Thema hervorrief, machte die Intendantin auch das in einem Interview deutlich.

Ulrike Hessler hatte ihre Theaterlaufbahn 1984 nach einem Studium der Germanistik und Romanistik sowie der Promotion an der Bayerischen Staatsoper in München zunächst als Assistentin des Pressesprechers und Leiterin des Pressebüros begonnen. Vier Jahre später wurde sie dort Pressesprecherin und Leiterin des Bereichs Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Ab 2006 war sie Mitglied der Interimsdirektion der Bayerischen Staatsoper, bevor dann ihr Wechsel nach Dresden erfolgte.

"Die Semperoper und all ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind tief betroffen über den Verlust ihrer geschätzten Intendantin und Kollegin", war gestern Abend auf der Internetseite der Oper zu lesen. Dieser Trauer dürften sich auch viele Menschen in und außerhalb der Kultur anschließen.

Torsten Klaus

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.07.2012

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