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Überraschende Debüts in "La traviata" von Giuseppe Verdi in der Semperoper Dresden

Überraschende Debüts in "La traviata" von Giuseppe Verdi in der Semperoper Dresden

Elizabeth Zharoff ist die neue Dresdner Violetta Valéry in Verdis Dauerbrenner um die todkranke Edelkurtisane, ihre große Liebe und ihren einsamen Tod. Sèbastien Guèze ist Alfredo Germont dem diese Liebe gilt, der an einer solchen Herausforderung scheitert und am Ende weggeht, wenn Violetta wie in verlorenes Häufchen Unglück tot zurückbleibt auf der gnadenlos leeren schwarzen Bühne des Theaters.

Die amerikanische Sopranistin gehört dem Jungen Ensemble der Semperoper an, der Tenor kommt aus Frankreich und übernimmt die Partie für Giorgio Beruggi. Beide geben mit diesen Partien ihre Debüts in Dresden. Beide überraschen und überzeugen in ihrer unverstellten, natürlichen Art der Darstellung, so berührt das Unglück besonders. Beide haben spielerisches Maß, keinen Hang zu Übertreibungen, und das tut ja so unwahrscheinlich gut auf der Opernbühne.

Aber es ist nicht nur das unaufgesetzte, sensible Spiel der jungen Sopranistin, es ist nicht nur die ungestüme Sportlichkeit des jungen Tenors als authentischer Typ in Jeans, es ist auch ihr Gesang. Auch da kennen beide ihr Maß und setzen ihre stimmlichen Möglichkeiten so dynamisch ein, dass die Reserven ausreichen, um gerade die verzweifelte Dramatik im todtraurigen Finale glaubwürdig zu gestalten. Elizabeth Zharoff verfügt über einen leicht dunkel timbrierten Sopran, dessen Grundierung in der Tiefe noch ausbaufähig sein dürfte. Mit einem leichtem Vibrato geht sie geschickt um, da sie Übertreibungen auch im Gesang vermeidet, findet sie nach den temperamentvolleren Passagen im ersten Teil zu den sehr zarten, aber ganz und gar nicht kraftlosen Tönen ihres berührenden Abschieds.

Auch Sèbastien Guèze überzeugt durch geschickte Steigerung seiner gesanglichen Präsenz und findet immer mehr zu zerbrechlicher Sensibilität. Auftrumpfende Höhenartistik ist seine Sache nicht, wie bei seiner Partnerin gelingt es fast ausnahmslos, in wohltuend dezenter Emotion den Ausdruck der Darstellung und des Gesanges miteinander zu verbinden.

Dritter im Bunde dieser Wiederaufnahme der nach wie vor vordergründigen Inszenierung von Andreas Homoki vor und auf Frank Philipp Schlößmanns rotem Wellblechdekor von 2009 ist Markus Marquardt als Alfredos Vater Giorgio Germont. Der versierte Sänger kann natürlich größere Erfahrungen einbringen und trifft mit kräftiger Tongebung diesen Typen des in seinen Vorurteilen und Eigeninteressen gefangenen Kleinbürgers.

Bei den weiteren kleineren Partien, allein schon durch die Inszenierung zu platten Klischees verdonnert, bleiben die Überraschungen auch gesanglich allerdings aus. Zuverlässig die Damen und Herren des Chores in der Einstudierung von Pablo Assante. Am Pult der Sächsischen Staatskapelle steht, Julian Kovatchev, ebenfalls als Dresdner Debütant mit diesem Werk.

Erstaunlich allerdings, dass bei einem so populären Werk doch etliche Plätze leer bleiben. Das anwesende Publikum, erstaunlich viele junge Opernbesucher darunter, ist bald ergriffen still und schafft sich mit viel Zwischenapplaus Möglichkeiten des Umgangs mit den ungewöhnlichen emotionalen Überraschungen des Genres Oper, insbesondere bei einem solchen Werk, das nicht zuletzt kraft seiner jungen Protagonisten seine Wirkung nicht verfehlt.

Weitere Aufführungen: 9., 11., 16., 23. und 28. Februar; 4. und 9. März, Semperoper

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.02.2013

Boris Michael Gruhl

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