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Regional Über 200 000 Besucher 2017 in Dresdner Museen – gratis Eintritt schwer vorstellbar
Nachrichten Kultur Regional Über 200 000 Besucher 2017 in Dresdner Museen – gratis Eintritt schwer vorstellbar
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12:05 01.03.2018
Ausstellung „Emanuel Goldberg – Architekt des Wissens“ in den technischen Sammlungen Dresden. Quelle: Archiv (Dietrich Flechtner)
Desden

Deutschland besitzt eine reiche und vielfältige Museumslandschaft. Rund 800 Museen sind im Deutschen Museumsbund vereinigt, die tatsächliche Anzahl an Ausstellungshäusern wird gar auf Tausende geschätzt. Mittlerweile wird gespöttelt, Museen seien die neuen Kathedralen, in die die Menschen sonntags strömen, wobei nicht wenige dann mehr Zeit im Museumscafé verbringen würden als in den eigentlichen Ausstellungsräumen.

Zwei Milliarden Euro gibt Deutschland jährlich für Museen und Ausstellungen aus. Sachsen fördert Museen am meisten, mit 35 Euro pro Einwohner. Brandenburg und Schleswig-Holstein blättern gerade mal zehn Euro pro „Landeskind“ hin. Historische Museen sind am beliebtesten, Volks- und Heimatkundemuseen verlieren seit Jahren an Gunst. Neben nicht wenigen musealen Institutionen von landesweiter Bedeutung stehen viele von eher regionaler Relevanz.

Acht Prozent mehr Museumsbesucher in Dresden

Zu ihnen muss man nolens volens auch die Städtischen Museen Dresden rechnen, einen Komplex aus zehn Einrichtungen, die im vergangenen Jahr 216 800 Besucher zählten, was gegenüber dem Vorjahr mit 190 104 Gästen eine Steigerung von acht Prozent bei den Besucherzahlen bedeutet. Richtig gut lief es fürs Stadtmuseum und die Städtische Galerie: 52 186 Besucher 2017 – das ist gegenüber 2016, als es 43 604 waren, eine Steigerung von 20 Prozent. Sogar ein Plus von 28 Prozent ist für die Städtische Galerie zu vermelden, wo im vergangenen Jahr 30 960 Besucher gezählt werden konnten. Annekatrin Klepsch, Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus, sieht die Zahlen als „Ausdruck dessen, wie erfolgreich in dem leistungsstarken Museumsverband gearbeitet wurde“. Vor allem die Schau über den Kulturpalast im Stadtmuseum war ein „durchschlagender Erfolg“, wie Klepsch erfreut zur Kenntnis nehmen konnte. Sie sieht das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, was den Bedarf an Kulturbauten angeht. Ein Depot steht auf der Wunschliste, Gespräche mit dem Baubürgermeister würden geführt.

Die meisten Besucher sind – auch dank vieler Schulklassen – mal wieder für die Technischen Sammlungen in Striesen zu vermelden. Zwar ist laut Statistik eine leichte Einbuße zu „beklagen“ (ein Minus von „sage und schreibe“ einem Prozent), aber unterm Strich lösten noch immer 95 470 Leute ein Ticket für den Leuchtturm im Osten der Landeshauptstadt, dessen Erlebnisland Mathematik sich immer noch als Publikumsmagnet erweist.

Quelle: Archiv (Anja Schneider)

Es sind die Dresdner, die das Gros der Gäste in den nicht zuletzt der Bürgerschaft Identität stiftenden Museen der Stadt stellen, alles in allem 60 Prozent, wie die Auswertung der an der Kasse stets abgefragten Postleitzahlen ergab. 22 Prozent der Besucher kam aus dem Rest Sachsens, 13 Prozent aus anderen Bundesländern und fünf Prozent aus dem Ausland. Im Landhaus allein beträgt der Anteil der auswärtigen Gäste 15 Prozent – die Nähe zum Neumarkt macht’s da wohl.

Freier Eintritt eine nur schwer vorstellbare aber „schöne Idee“

Angeschnitten wurde auch die derzeit vielerorts diskutierte Frage nach – teilweise oder gar völlig – freiem Eintritt, wie er hier und da bereits von diesem oder jenem Museum in der Republik praktiziert wird. Kulturpolitisch hält Museumsdirektor Gisbert Porstmann das für „eine schöne Idee“, wünscht sich aber eine „verlässliche finanzielle Deckung“. Man müsste die entgangenen Einnahmen in Höhe von 120 000 Euro dann ausgleichen, ebenso die geschätzten Mehrausgaben von 200 000 Euro, weil nun mehr Aufsichtspersonal abgestellt werden muss oder mehr Toilettenpapier verbraucht wird. Und ja, der freie Eintritt am Freitagnachmittag wird gut angenommen, wie Porstmann gestern bestätigte, aber zu fragen wäre, ob Dresdner, die als Kind schon zehnmal in diesem oder jenem Haus waren, noch groß Lust haben, dies auch später zu tun, außer bei ganz großen Sonderausstellungen. Der Kulturausschuss Dresden hatte Anfang Februar jedoch mit einem Beschluss den weg für freien Eintritt in Dresdner Museen geebnet. Das letzte Wort darüber hat der Stadtrat.

Alles in allem belaufen sich die Einnahmen der Städtischen Museen mit ihren insgesamt 76 Mitarbeiter-Stellen auf 854 300 Euro, nicht zuletzt sind es Vermietungen, die Geld einbringen. Trotzdem sind die Museen – rein marktwirtschaftlich betrachtet – ein „Zuschussgeschäft“. 6,31 Millionen Euro und „ein paar Zerquetschte“ beträgt der Zuschuss der Stadt, auf etwas über 7,17 Millionen belaufen sich summa summarum die realen Ausgaben der städtischen Musentempel.

Quelle: Archiv (Dietrich Flechtner)

Auch 2018 wieder ein umfangreiches Programm

Was nun das Spektrum an Ausstellungen in diesem Jahr angeht, sollte für jeden was dabei sein. So wird das Stadtmuseum ab Ende April den 1909 in Dresden geborenen Alfred Stein, der nach seiner Flucht 1933 vor der NS-Diktatur den Vornamen Fred annahm und ein wichtiger Vertreter der Straßen- und Porträtfotografie wurde, mit einer großen Retrospektive würdigen. Stein, Sohn des Dresdner Rabbiners Leopold Stein und seiner Frau Eva Wollheim und an sich studierter Jurist, porträtierte Egon Erwin Kisch, Willy Brandt, Marlene Dietrich, Albert Einstein und war, was seine Bilder in Städten wie Paris oder New York angeht, eher verhaltener Beobachter, der nicht den dramatischen, sondern den poetischen Augenblick suchte. Nicht die Modernität der Neuen Welt war sein Ding, so wenig wie er zuvor die Rückstände des alten Paris verklärte. Er nahm einfach Anteil am Leben, getreu seiner Maxime, „die Kamera unterscheidet nicht zwischen Berühmtheiten und einem Niemand“.

In der Städtischen Galerie ist derzeit noch eine Ausstellung mit Werken von Bernhard Kretzschmar zu sehen, ab 9. Juni wird dann Christian Sery, Professor an der Hochschule für Bildende Künste, mit einer Schau bedacht. An sich sind eher dessen raumgreifende Installationen bekannt, aber in dieser Schau wird der Fokus auf dem umfangreichen malerischen und grafischen Werk Serys liegen.

In ihrem Ausstellungsprogramm Fotografie präsentieren die Technischen Sammlungen gern Positionen aktueller Fotokunst mit Bezügen zu historischen, analogen Techniken des Mediums. Der Düsseldorfer Künstler Thomas Neumann, der 1975 in Cottbus geboren wurde, darf mit „The Japanese Series“ drei Werkreihen vorstellen, die auf verschiedene Weise mit Japan verbunden sind. Die Serie MORI (Wald) lehnt sich beispielsweise an die traditionelle Tuschemalerei Nippons an. Durch die Verwendung des analogen Großformats und die Umkehrung Negativ/ Positiv wird ein enormer Detailreichtum bei weitgehender Abstraktheit der Darstellung erreicht.

www.museen-dresden.de

Von Christian Ruf

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