Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
US-Behörden blockieren Mexiko-Projekt

Dresdner Sinfoniker US-Behörden blockieren Mexiko-Projekt

Markus Rindt verbringt derzeit unruhige Tage: Neben den Vorbereitungen zum Mexiko-Projekt „Tear down this wall“ der Dresdner Sinfoniker berühren ihn nicht minder die Probleme unzähliger Menschen, die vor Krieg und Hunger auf der Flucht sind. Verzweifeln lässt ihn die Ignoranz vieler anderer Menschen, auch der Politik. Jetzt hat er ein neues Problem.

Markus Rindt

Quelle: dpa

Dresden. Die Dresdner Sinfoniker sorgen mal wieder für Aufmerksamkeit. Ihr für den 3. Juni an der Grenze zwischen Mexiko und den USA geplantes Konzertprojekt „Tear down this wall!“ wurde nun von den US-Behörden blockiert. Die haben die Genehmigung für den „künstlerischen Aufstand gegen die weltweit wachsende Abgrenzung, den Fanatismus und Nationalismus“ (O-Ton Sinfoniker) versagt. Die im sogenannten Friendship Park der sich an der Grenze berührenden Städte Tijuana und San Diego geplante „musikalische Brücke“ werde auf USA-Seite keine Erlaubnis erhalten, bedauert Markus Rindt. Angeblich mit der Begründung, dieses Konzert würde den Vogelschutz stören, was Rindt aber für fadenscheinig hält, weil just eine Woche zuvor ein anderes Konzert an derselbe Stelle stattfinden dürfe.

Diese Vorgehensweise erinnert an das Projekt „Aghet - agit“, mit dem die Sinfoniker vor Jahresfrist an den türkischen Völkermord erinnern wollten, dem 1915 Tausende Armenier zum Opfer gefallen sind. Ein in Istanbul geplantes Konzert ist von deutschen Außenministerium aufgrund politischer Rücksichtnahme gegenüber dem autokratisch-klerikalen Erdogan-Regime abgesagt werden.

Zu einer erneuten Absage werde es diesmal aber nicht kommen, versicherte Markus Rindt gegenüber DNN: „Wir werden in Mexiko spielen, jetzt erst recht!“ Zudem würden die Dresdner Sinfoniker an ihrem Aufruf festhalten, dass sich entlang der über 3000 Kilometer langen Grenze „mexikanische und US-amerikanische Künstler, Musiker und gleichgesinnte Menschen mit eigenen Aktionen oder Flashmobs“ beteiligen sollten. Das Verbot der Behörden beschränke sich nämlich nur auf das Sinfoniker-Konzert im Friendship Park von San Diego.

Stattfinden solle das Projekt also trotzdem, laut Rindt sogar mit Rückenstärkung von Amnesty International, nur spielen die Sinfoniker nun eben ausschließlich auf mexikanischer Seite. Dort werden am 3. Juni beispielsweise die Ballade „Beyond“ von Wieland Reißmann und die geführte Improvisation „The Big, The Bug, The Cricket & The Quack“ von Harald Thiemann uraufgeführt, wobei die Dresdner Sinfoniker planen, die Mauer mit zahlreichen Perkussionisten aus Mexiko und den USA in ein Instrument zu transformieren. Als weitere Gäste wurden das Jugendorchester Sinfonia Juvenil aus Tijuana, die Band Tijuana No!, die Popsängerin Ceci Bastida, die guatemaltekische Maya-Sängerin Sara Curruchich und die Jazz-Sängerin Coral MacFarland sowie mehrere Kinderchöre auf beiden Seiten des Grenzwalls angekündigt. Zudem sei jeder eingeladen, die Konzerte sowie eigene Aktionen über den Hashtag #teardownthiswall zu teilen. Das bleibende Ziel sei, ein Signal gegen die Mauern in den Köpfen zu setzen.

Denn auch dies unterstreicht Markus Rindt: „Es geht uns nicht um Publicity.“ Die Dresdner Sinfoniker konzentrieren sich auf die Inhalte ihrer Projekte. Dafür allerdings brauchen sie Aufmerksamkeit. Der Intendant ist froh darüber, mit dem jüngsten Vorhaben - einem Konzert an der Grenze zwischen den USA und Mexiko - ein starkes Echo in aller Welt hervorgerufen zu haben.

„Wir haben da wirklich was losgetreten, auch wenn die Resonanz natürlich sehr unterschiedlich ist. Erstaunt hat uns vor allem, dass die Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung des Projektes Reaktionen in Australien, China und Japan, ja sogar an der Elfenbeinküste hervorgerufen hat.“ Mit dieser Kampagne soll das Konzert „Tear down this wall“ gegen den von US-Präsident Donald Trump geplanten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko finanziert werden. Diese schon heute bestehende dürfte womöglich schon bald auf unüberwindliche neun Meter erhöht werden, wenn es nach Trumps Plänen ginge (DNN berichteten). Viele Reaktionen und Zuwendungen für die Protestkampagne seien natürlich aus Mexiko und den USA gekommen, die meisten jedoch aus Deutschland, so Rindt.

„Daran sieht man, dass dieses Thema Menschen in aller Welt interessiert und betrifft,“ so der Intendant im DNN-Gespräch, „denn wir richten uns nicht nur gegen die Trump-Mauer, sondern gegen sämtliche Einmauerungen und Abschottungen von Nationen.“ Die Dresdner Sinfoniker wollen - mal wieder - ein Zeichen setzen.

Um die geplanten Aktionen zu realisieren, waren etwa 15.000 Euro vonnöten. Markus Rindt spricht von mehreren hundert Unterstützern weltweit, die Beträge in unterschiedlichster Höhe aufgebracht haben. „Ab 10 Euro ist man dabei, und jeder Mensch, der da mitmacht, bekommt als Dankeschön ein originelles Geschenk.“ Lauter „schöne Dinge“ seien dabei, preist Rindt die Aktion an, beispielsweise Fotografien von heute schon (oder noch) existierenden Mauern überall auf der Welt. All das könnte und sollte zum Nachdenken anregen …

In den vergangenen Wochen habe Rindt überwältigende Reaktionen aus Mexiko erfahren: „Die Menschen sagen, das ist genial, warum sind wir nicht selbst drauf gekommen, jetzt kommen Leute aus Deutschland und machen das. Eine tolle Idee!“

www.tear-down-this-wall.org

Von Michael Ernst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr