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Regional "TülliKnülliFülli" heißt die jüngste Premiere des Dresdner Theaters Junge Generation im Sonnenhäusel
Nachrichten Kultur Regional "TülliKnülliFülli" heißt die jüngste Premiere des Dresdner Theaters Junge Generation im Sonnenhäusel
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17:57 09.09.2015
Noch ohne Haus, aber das ändert sich bald: das Schwenichen-Trio Tülli, Knülli und Fülli. Quelle: Klaus Gigga

Das wohl berühmteste Märchen seiner Sammlungen - Walt Disney sei Dank - war zweifellos "Drei kleine Schweinchen".

Diesem Klassiker ist auch das Theater, vor allem natürlich das Puppentheater, über die Jahre und Jahrzehnte immer wieder neu gefolgt. Kein Wunder bei dieser Vorlage: drei befreundete, aber kreuzverschiedene Schweinchen, die ein Dach über dem Kopf haben wollen und dabei verschiedene Wege gehen, sprich Häuser bauen - aus Stroh, Holz und Stein. Dazu ein Wolf, der sich natürlich nichts so gut vorstellen kann, wie die Schweinchen auf seiner ganz persönlichen Speisekarte zu haben.

Auf diese nur allzu gut bekannte Figurenverteilung greift logischerweise auch das Theater Junge Generation (tjg) zurück. Die Konstellation ist in dem knappen Einstünder "TülliKnülliFülli" so wie schon beschrieben - und doch etwas anders. Denn die Fassung, die das tjg in der Regie von Ania Michaelis im Sonnenhäusel im Großen Garten spielt, stammt noch von Horst Hawemann. Der Theaterregisseur hatte sich in der DDR vor allem über das Kindertheater einen Namen gemacht und hätte auch nach der Wende noch mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, als er bekam. Vor zwei Jahren starb Hawemann. Michaelis' Arbeit ist gleichfalls eine Hommage an ihn.

Der Titel des Stücks, eine ganz enge Verknüpfung der Namen der drei Schweinchen, deutet schon an, wie gut sie sich verstehen, wie dick ihre Freundschaft ist. Tülli ist das Mädchen, Knülli und Fülli Jungs von verschiedenem Kaliber. Aber damit nicht genug. Eine Schnecke und ein Vogel (beide zauberhaft dargestellt von Ivana Sajevic) entpuppen sich als wichtige Ratgeber und Helfer - vor allem dann, wenn es gegen den Rolf, den Wolf (zähnebleckend: Uwe Steinbach) geht. Der ist zwar äußerst hungrig, aber bei weitem nicht das hellste Licht. Eher das Modell Kerzenständer mit wenig Kerze und noch weniger Docht.

Doch für plumpe Gewalt reicht es allemal. Natürlich auch hier in erster Linie pustend und erst am steinernen Haus, in das sich das Borstentrio geflüchtet hat, scheiternd. Doch das Finale läuft ebenfalls etwas anders ab als in der Vorlage. Rolf schnappt sich Tülli, die ihn vom Fenster aus beschimpft. Da wachsen Knülli und Fülli plötzlich im wahrsten Wortsinn über sich hinaus...

Bis zu diesem Moment ist die Stunde kurzweilig. Schon den Auftakt geben die vier Schauspieler (noch: Dorothee Carls und Christian Pfütze) musikalisch zwischen Rock und Surf in einer eigenwilligen Mischung aus Akkordeon, Gitarre, Tuba und Drums. Später sorgt vor allem Sajevic an der Gitarre für Akzente, spielt unter anderem Rio Reiser. Die Puppen der drei kleinen Schweinchen vereinen sich dafür mit dem Vogel zu einer bemerkenswerten Version des Madness-Songs "Our house in the middle of our street", das zu "Unser Haus, das steht mitten auf dem Weg" mutiert.

Dazu kommen viele gute Einfälle, so wenn Sajevics Vögelchen den fragenden Drei mit Tipps zur Baustoffbeschaffung zur Seite steht: "Baumarkt oder Wald?", "OBI oder Steinbruch?" lauten die Fragen, die sie den Schweinchen stellt, um sie nach deren Antworten zu den imaginären Stellen zu schicken, wo Holz oder Steine zu kriegen sind. Und die Abzählreime wie "Eins-zwei-drei-vier-Eckstein" dürften auch bei den Großen im Publikum den einen oder anderen Gedanken an Versteckspielen in Kindertagen geweckt haben. Aber die Erwachsenen sind im Sonnenhäusel nur die Begleiter der eigentlichen Zielgruppe, die sich ihrerseits ganz selbstverständlich dem Spielgeschehen nähert, durch Zwischenrufe eingreifen will.

Doch wer meint, Kinder würden alle ähnlich auf so eine Geschichte anspringen, dem gaben ein paar von den ganz kleinen Zuschauern im Nachgang noch etwas zum Grübeln mit. "Das war ja gar nicht lustig", zeigte sich ein Knirps seinen Freunden gegenüber ganz offen überrascht. Ein Junge neben ihm konterte: "Ich fand's schon ziemlich lustig." Kinder sind und bleiben das härteste Theaterpublikum der Welt. An diesem Vormittag waren sie sich aber zumindest bei einer Sache einig: Rolf der Wolf ist echt böse.

nächste Aufführungen: heute, 13. & 17.6.; 5., 8., 9., 10., 11. & 12.7. jeweils 10 Uhr, 15. & 16.6.; 6., 7., 13. & 14.7. jeweils 16 Uhr

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2013

Torsten Klaus

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