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Regional „Trümmerpianist“ Aeham Ahmad spielt wieder in Dresden
Nachrichten Kultur Regional „Trümmerpianist“ Aeham Ahmad spielt wieder in Dresden
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18:37 25.04.2018
Aeham Ahmad erlangte durch seine öffentlichen Auftritte 2014 im syrischen Flüchtlingslager Yarmouk Bekanntheit. Quelle: Agentur Palast Promotion
Dresden

 Eine Japan-Tournee, die ihn unter anderem auch nach Hiroshima führte, hat er gerade hinter sich. Nun stehen fünf Dresden-Konzerte an, die „Der Pianist aus den Trümmern“ in der letzten Aprilwoche absolvieren wird.

Seinen Beinamen erhielt Aeham Ahmad, als er sich im vom Krieg zerstörten Damaskus mit seinem Klavier auf die Straße setzte, um den hungernden Menschen wenigstens etwas zu geben: Musik. Schönheit inmitten von Schrecken, ein humanistisches Zeichen der Hoffnung.

Scharfschützen zielten auf sein Publikum, seine Hand wurde von Splittern verletzt; der ausgebildete Pianist und Sohn eines Instrumentenbauers wird nun wohl keine klassische Solokarriere mehr antreten, virtuos in die Tasten greift er freilich nach wie vor. Dazu singt er und reißt sein Publikum mit - egal, ob auf der Straße, in kleinsten Sälen oder vor zahlreichem Publikum.

Die Dresdner Cellistin Katrin Meingast ist während eines längeren Aufenthalts im Wüstenstaat Katar auf den palästinensischen Flüchtling aufmerksam geworden, der 1988 in Syrien geboren wurde und inzwischen in Wiesbaden zu Hause ist. Die glückliche Wendung eines tragischen Schicksals - Ahmad nahm den gefährlichen Weg über das Mittelmeer und dann die „klassische“ Balkanroute nach Deutschland. Seine Frau und die beiden Kinder durfte er erst später nachholen. Heute verfügt er sogar über eine bundesdeutsche Arbeitserlaubnis.

Sein Schicksal ist medial reichlich ausgeschlachtet worden, sogar bis in die ansonsten eher behäbige „Tagesschau“ hat er es geschafft. Wesentlich wichtiger als alle Medienpräsenz dürfte ihm jedoch die Botschaft der Musik sein - über alle Grenzen hinweg ohne jede Sprachhürde verständlich und nachfühlbar. Sollte das nicht die Menschen einander näherbringen?

Katrin Meingast, die während ihrer sechs Jahre in Katar viel für die Vermittlung europäischer Kultur getan hat, dort eine Musikschule sowie ein Barockensemble und sogar einen Bach-Chor ins Leben rufen konnte, ist fasziniert vom Gedanken der Salongespräche. „Solche Begegnungen können neugierig machen, sind lehrreich und unterhaltsam, vor allem überwinden sie im günstigsten Fall bisherige Gräben“, erläutert die Musikerin ihren Ansatz. Gräben, die aus Nichtwissen und Ängsten gespeist sind, wäre dem anzufügen.

Um dies zu ändern, etablierte sie die Reihe „Katrins Salon“ in der Alten Weinpresse Wachwitz, eine eigene Initiative mit dem Anspruch, Menschen zusammenzuführen und mit den Mitteln von Kunst und Kultur - wozu durchaus auch Kulinarik zählt - aufzuklären. Mit Aeham Ahmad und der Dresdner Schauspielerin Babette Kuschel vom Theater Junge Generation will Katrin Meingast nun an verschiedenen Punkten der Stadt präsent sein. Die Veranstaltungsreihe startet am Samstag (28.4.) um 17 Uhr in der Informations- und Begegnungsstätte Altgorbitzer Ring 24 mit einer Konzertlesung, die Ahmads Musik mit seinem ebenso ergreifenden wie poesievollen Buch „Und die Vögel werden singen“ (Fischer Verlag 2017) verbinden wird.

Tags drauf wird dieses Konzert mit Lesung ab 16 in der Kirche „Maria am Wasser“ wiederholt, am Montag folgt um 15.30 Uhr ein interaktives Benefizkonzert mit Aeham Ahmad und Kindern von Musaik - Grenzenlos Musizieren e.V. im Palitzschhof (Gamigstr. 24), der Begegnungsstätte der Initiative „Prohlis ist bunt“.

Am nächsten Montag (30.4.) schließlich soll dieses kleine und ausschließlich privat von Katrin Meingast und Babatte Kuschel organisierte Aeham-Ahmad-Festival gemeinsam mit dem interkulturellen Chorpraojekt „Orotopia“ vom Dresdner Kammerchor im Montagscafé des Staatsschauspiels (Kleines Haus) einen Abschluss finden (Beginn 19 Uhr). Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Denn, so das Credo des „Pianisten aus den Trümmern“, der am Damaszener Konservatorium studiert hat, Chopin und Rachmaninow ebenso beherrscht hat wie heute das Lied und den Jazz: „Musik verbinden Menschen“.

Von Michael Ernst

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