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Troy von Balthazar machen in Dresden unglückliche Lieder glücklich

Troy von Balthazar machen in Dresden unglückliche Lieder glücklich

Er steht schon auf der großen Bühne der Scheune, als ein roter Samtvorhang zwischen ihn und die Instrumente der Vorbands geknüpft wird. Das verkleinert seine Spielfläche, so wie das Mischpult hinterm Publikum auch den Saal bereits halbiert hat.

Auftrag Kammerkonzert. Trotzdem verteilen sich die Besucher auf den Sitzgelegenheiten an den Rändern. Ein paar Mutige stehen mitten im Raum, etwas verloren. Viele sitzen auf dem Boden, ein paar kuscheln. Die schwermütige Musik des Künstlers ermöglicht äußeren Stillstand bei innerer Erregtheit.

Schwer zu sagen, wie alt der glattrasierte, ordentlich frisierte Typ auf der Bühne ist. Um die vierzig wird er schon sein, schließlich stand er 1994 mit seiner damaligen Band Chokebore als Vorband von Nirvana auf der Bühne und konsequenterweise irgendwann auch mal als Vorband von Tocotronic. Er ist viel gereist, hat viel probiert. Seit 2001 singt und schreibt er auch für sich allein. Seine Musik ist traurig. Doch er selbst scheint es nicht zu sein. Er trägt eine Gitarre um den Hals und schwingt an ihr und seinen Liedern wie in Trance hin und her, schwingt mit seinen Dämonen.

Das legt der Titel seines dritten Soloalbums nahe, das "- Is With The Demon" (2012, Vicious Circle/Cargo) heißt. Er schreibt über Vögel, über Tiger und tropische Traumwelten - überhaupt recht häufig über die Natur, die für ganz andere Dinge stehen soll. Für Menschen zum Beispiel. Der Song "Tiger and Pigeon" enthält eine traurige Botschaft in Sachen ungleiche Pärchenkonstellation − Tiger und Taube eben. "There is a picture that I keep hidden/of you and me and all were forbidden/it's our proof that we're still living/you are my freedom, I am your prison." Die Tiger, so klingt es auch in einem früheren Song, sind seine Dämonen, mit denen er nun gut klar zu kommen vorgibt. Was sonst sollte man auch mit ihnen machen, als sie zu Stubenkatern degradieren, wenn sie einem auf der Schulter sitzen und ewig schnurren?

Immerhin ein optimistisches Liebeslied hat der amerikanische Weltenbummler mitgebracht. Doch auch darin bricht nicht die totale Leichtigkeit aus. Es mache ihn glücklich, unglückliche Lieder zu schreiben, und so ähnlich wirken die Zeilen auch auf seine Hörer. Nach zwei verspielteren Alben baut Troy von Balthazar in seinem neuesten Werk auf die Grundfesten seines Songwritings. Harmonische Melodien, etwas Hall, ab und zu spielt er auf einer Melodika oder einem Klavier, immer mal wieder loopt er Gespieltes, um sich selbst begleiten zu können. Doch seine Stimme ist neben der Gitarre das wichtigste Instrument. Die klingt auf Platte viel mehr nach Elliot Smith als dann tatsächlich auf der Bühne. Da ist zwar auch noch Hall drin, aber dadurch dringt etwas, das er selber ist und keine Kopie.

Er braucht nicht mehr so viel Ironie, um den Schmerz durchzuhalten. Hat er beim Konzert im Thalia vergangenes Jahr noch seine eigene Platte aufgelegt, um sie mit dem Publikum gemeinsam zu hören, oder einfach mal den Kassettenrekorder laufen lassen, beschränkt er sich beim Scheune-Konzert auf das Wesentliche. Den Verzicht auf größere Unterhaltung kann man langweiliger, aber auch intimer finden. An ironischen Zeilen mangelt es jedenfalls weiterhin nicht: "The tunnel at the end of the light." Wo ein Licht ist, sieht Troy von Balthazar auch gleich dessen Ende. Er hebt damit nicht unbedingt das Stimmungsbarometer, aber schlecht hört sich dieser Pessimismus nicht an.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2012

Juliane Hanka

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