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Toto ließen ihre Fans in der Jungen Garde nicht einfach im Regen stehen

Toto ließen ihre Fans in der Jungen Garde nicht einfach im Regen stehen

Wer Toto nur aus dem Radio kennt, der verbindet eine gewisse eingängige Leichtfüßigkeit mit dem nichtsdestotrotz recht unverkennbaren Sound der Kalifornier samt dessen keyboardlastiger Westküsten-Attitüde.

Ich sag mal: "Rosanna". Oder: "Africa". Nähert man sich der Band darüber hinaus, etwa zur Gelegenheit eines sommerlichen Open-Airs, tun sich vor allem drei Dinge auf: das professionelle Handwerk erstklassiger und äußerst erfahrener Studiomusiker, eine erstaunlich gut beieinander funktionierende stilistische und im Detail durchaus eher unbeliebige Bandbreite mit Faibles zwischen Classic Rock und gereiften Pop-Balladen sowie ein verwirrendes Personalkarussell.

Von letzterem abgesehen, ist Beständigkeit wichtiger Bestandteil im Kosmos der Band und ihrer Fans, die am Sonnabend wenig hysterisch, dennoch bestens aufgelegt in die Junge Garde pilgerten. Denn in dieser Beständigkeit ist das Jahr 2015 durchaus ein bewegtes: Der Tod von Ex-Basser Mike Porcaro im März, dem während der Show immerhin ein gemeinschaftlicher Ruf zum Himmel gewidmet wird, das wenige Tage danach erschienene und doch auch nach den vergleichsweise eher dürren letzten zwanzig Jahren ganz erfolgreiche Album "XIV" sowie eine Welttournee mit beachtlicher Ausdehnung. Zum Ende des Sommers wird man gemeinsam mit den Veteranen von Yes eine große gemeinsame Tour durch die USA stemmen.

Pünktlich 20 Uhr eröffnet die Band samt Background-Gesang achtköpfig das allerdings alles andere als ausverkaufte Spektakel, das zudem gefühlt aller zwanzig Minuten von einem hartnäckig wiederkehrenden gewittrigen Schauer heimgesucht wird. Mit "Running out of time" zeigen sich Toto anno 2015 ausgesprochen gefestigt: Eingängiges Classic-Rock-Timbre, von der Altbackenheit mit einem gekonnten Schuss Retrofrisch befreit und von Gitarrist und Sänger Steve Lukather mit Liebe zum Powerchord aus der Rentnerecke getrieben. So kann sich der Fan die Nummer 14 schmecken lassen und auch die Songs dazwischen; reines Fülmaterial ist auch unter den jüngeren Songs in der Tat nicht auszumachen. Die professionelle Routine der immerhin vier agierenden Gründungsmitglieder (neben Lukather die Keyboarder David Paich und Steve Porcaro sowie Basser David Hungate, der ja nach dem Riesenalbum "IV" 1982 ausstieg und 2014 erst wieder dazustieß), erwirkt sich durchaus eine frühlingshafte Note im Arrangement: "Hold the line" passt nach wie vor in den Turnschuh. Die wenigen Schmonzetten Marke "Pamela" waren immer und bleiben wohl auch weiterhin Geschmackssache, dazumal stilprägend hin oder her.

Die Kommunikation mit dem Publikum ist freundlich, obgleich Lukather, der es an diesem Abend mit seinen freilich gekonnten, aber auch inhaltlich bedingt zwingenden Saitensoli beinahe ein wenig übertreibt, kein rhetorischer Überflieger ist. Dafür gibt es den Überflieger "Africa" als einzige und kollektiv gefeierte Zugabe nach einer ziemlich soliden Show für Fans, gealterte Radiopopper und Musikhistoriker.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.06.2015

Niklas Sommer

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