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„Tödliche Weihnachten“ im Dresdner Boulevardtheater

Die dunkle Seite der Macht „Tödliche Weihnachten“ im Dresdner Boulevardtheater

Einfach mal eben so eine Currywurst verputzen ist für Masud Akbarzadeh nicht drin. Da er nun mal nicht hellhäutig ist, glaubt jeder Imbissbudenbesitzer ihn besorgt wie wohlmeinend darauf hinweisen zu müssen, dass da Schweinefleisch drin ist. Die Türken sind auch nicht besser, auch die warnen ihn, wenn er im Supermarkt die „falsche“ Wurst kauft.

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Der Sensenmann.

Quelle: Anja Pankotsch

Dresden. Einfach mal eben so eine Currywurst verputzen ist für Masud Akbarzadeh nicht drin. Da er nun mal nicht hellhäutig ist, glaubt jeder Imbissbudenbesitzer ihn besorgt wie wohlmeinend darauf hinweisen zu müssen, dass da Schweinefleisch drin ist. Die Türken sind auch nicht besser, auch die warnen ihn, wenn er im Supermarkt die „falsche“ Wurst kauft. Nun ist Masud, einer der vielen vielversprechenden Sterne am Comedyhimmel, aber kein Moslem, jedenfalls versichert er das auf der offener Bühne.

Anderes Problem des jungen Mannes mit der Pferdeschwanz-Frisur: Er mag nicht Iraner sagen, denn die „haben so ein schlechtes Image“, weshalb er es vorzieht, sich als Perser zu bezeichnen. Gleichwohl spielt er mit dem terroristischen Image, das den Muslimen mittlerweile anhaftet. Er kommt mit einer Sporttasche auf die Bühne des Boulevardtheaters, spielt also – es „lebe“ der Generalverdacht – mit Ängsten und Traumata.

An sich war es aber nicht Masud, sondern der Tod, weshalb das Boulevardtheater bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Sensenmann war gekommen, um unter dem Motto „Tödliche Weihnachten“ ein Christmas-Special des Todes zu präsentieren, um die Zuschauer auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen. Mit dabei waren neben dem „alle Jahre wieder“ kommenden Sensenmann, der einem (Schatten-)Reich vorsteht, in dem man keine Obergrenzen kennt und wirklich jeden nimmt, „Todis“ Praktikantin Exitussi, Mautzi, die süße wie gefährliche rechte Hand des Todes, und gleich vier Musiker, die ihn und eine auf Teufeline getrimmte Sängerin begleiteten, wenn Liedgut der nicht ganz so besinnlichen Art angestimmt wurde. Das Spektrum war groß, reichte vom umgetexteten Weihnachtslied „I’m Dreaming of a Black Christmas“ bis hin zu AC/DCs „Highway to Hell“.

Für manche im Saal war es die erste „Nahtoderfahrung“, manche waren „Wiedergänger“, aber sie alle, selbst die mutigsten Naturen, mussten damit leben, dass sie dem Tod nicht ins Gesicht sehen konnten, denn so wie zu Olaf Schubert der gelbe Pullunder, so gehören zu ihm die tief ins Gesicht gezogene schwarze Kutte und die Strumpfmaske mit den Sehschlitzen. Marotte? Nun ja, eher Teil des Mythos. Jedenfalls zieht der Comedian das voll durch.

Und wer sich nun wundert, weshalb der Tod, der den Namen „Lebkuchen“ als diskriminierend empfindet, ausgerechnet Deutsch spricht, wird darüber aufgeklärt, dass vor allem die Leute im Ausland zutiefst enttäuscht sind, wenn der Tod nicht zumindest einen deutschen Akzent hat.

Für Verblüffung sorgt immer wieder, wie es dem Tod gelingt, aufzuzeigen, wie zentral der Tod doch in unserer Sprache verankert ist. Der Tod bittet zur Quizshow „Totgesagte leben länger“, für die richtige Antwort gibt’s je nach Runde einen Tag oder eine Woche mehr Lebenszeit. Als er erfährt, dass eine auf die Bühne geholte Frau aus Dresden kommt, stellt er aber auch die Überlegung an, dass es womöglich gar kein Gewinn ist, einen Tag länger zu leben, wenn man hier wohnt. Ja, der Tod kann auch Erlösung sein. Sehr hübsch auch eine Art G(e)rippenspiel, in dem die Geschichte der Heiligen Nacht u.a. mit Figuren wie Knochen-Jochen und Skelett-Babette nachgespielt wird. Da liegt ein Hauch von Monty Pythons „Das Leben des Brian“ in der Luft. Geschmacklos? Pietätlos? Mag sein, aber es gilt der Satz des Entertainers Thomas Hermanns: „Je größer ein Tabu, desto besser muss der Witz sein.“

Von Christian Ruf

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