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Regional Till Brönner und Sergei Nakariakov bei den Dresdner Musikfestspielen
Nachrichten Kultur Regional Till Brönner und Sergei Nakariakov bei den Dresdner Musikfestspielen
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08:57 17.05.2016
Gil Goldstein (Klavier, Akkordeon), Till Brönner (Trompete, Flügelhorn), Dieter Ilg (Kontrabass), Stephan Braun (Violoncello) und Sergei Nakariakov (Trompete, Flügelhorn) v.l. in der Semperoper  Quelle: Oliver Killig

 Blauer Montag in der Semperoper: Als musikalisches Gipfeltreffen angekündigt, war es kein Wunder, dass kaum ein Platz leer blieb. Das hätte allerdings jeder der beiden Solisten auch ganz für sich verdient – und wohl auch erreicht. Wenn die Trompeter Till Brönner und Sergej Nakariakov in der Stadt sind, strömen Jazz- und Popfans mitsamt dem Klassikpublikum halt zusammen. Und das Haus verleiht solch einem Konzert auch am Vormittag den Glanz einer gediegenen Nacht.

Die Erwartungen waren sicherlich hoch, doch was tatsächlich hinter diesem „Jazz meets Classic“ stecken sollte, blieb bis zuletzt ziemlich unbestimmt. Werke von einer Handvoll Komponisten aus dem Einst und Jetzt waren angekündigt – und eine Besetzung höchster Originalität. Denn als Begleiter des ungleichen Trompetenduos waren neben Klavier und Akkordeon auch Violoncello und Kontrabass angesagt.

Mit Dieter Ilg an letzterem sorgte ein Altmeister des Jazz für satte Grundierung, Stephan Braun am höheren Schwesterinstrument überraschte neben dem sanglich gestrichenen Cello mit elektronischen Effekten und bediente das gute Stück Holz auch mal rein perkussiv. Als Mann an den Tasten war Gil Goldsein auch für die Arrangements der Genreverbindungen zuständig und erwies sich als Gerechter, was die glanzvollen Solonummern betraf, sowie als ein Gestandener in Hinsicht auf ausgewogenen Sound. Nur die Technik machte ihm ein kleines Strichlein durch die Rechnung, denn beide Trompeter klangen eine Spur zu Box-lastig.

Dabei hätte man sich sowohl von Brönner als auch von Nakariakov gar nicht genug Originalklang wünschen können. Sie begaben sich nicht in Konkurrenz zueinander, sondern grüßten respektvoll jeder von seinem Gipfel herüber und trafen sich zu friedfertigem Austausch ihrer Stilistik. Sergei Nakariakov ist ein Interpret, der sich auch bei waghalsigsten Passagen ungerührt geben kann, denn er verfügt über technische Perfektion und schier unergründlichen Atem. Da schmettern Rumänische Tänze von Béla Bartók ebenso virtuos in den Raum wie Variationen aus Tirol, denen jede Tümelei abhanden gekommen ist im Austausch gegen blitzschnelles Spiel. Im Einzel wie im Doppel, am Flügelhorn wie an der Trompete überzeugten Brönner & Nakariakov gute zwei Stunden lang mit glanzvoller Gediegenheit.

Den flirrenden Rhythmen eines Antonio Carlos Jobim fügten sie irgendwie noch eine Prise Chopin bei, da hat der als Talmud des Ganzen gepriesene Goldstein ebenso kräftig in den Noten gerührt wie bei einem Tango für Piano und Cello, der kein Tango sein wollte und swingend ausklingen durfte.

Till Brönner gab sich nach der Pause etwas frecher und schoss ein Zwiegespräch mit dem Bass von der Bühne. Ilg ließ sich anstecken und das Zupfen sein – mit eigener Spucke holte er lustig gemeinten Zauberklang aus dem Holz. Ob brasilianische Hitze eines Egberto Gismonti oder die das sanfte Schmettern à la Louis Armstrong – die Meister zeigten weder Mühe noch Müdigkeit und verwandelten die Semperoper in ein stimmhaftes Soundhouse.

Klar, dass ohne Zugabe kein Abstieg von solchen Gipfel denkbar war. Bachs „Air“ entließ die klassische Jazzgemeinde in den von Sonne und Regen durchtriebenen Tag. Schöne Halbzeitpause in der jazzigen Klassikbegegnung.

Von Michael Ernst

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