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Theaterfest orientalisch reloaded - Eine iranisch-deutsche Inszenierung im Societaetstheater Dresden

Theaterfest orientalisch reloaded - Eine iranisch-deutsche Inszenierung im Societaetstheater Dresden

Und nur ein bisschen Deutsch. So konterkariert ein furioser Dresdner Spielzeitstart am Societaetstheater den deutschen Altmeister aller Dicht- und anderer Frauengunstkunst: jenen Geothe, der als Altmeister auch die Couchschablone "West-Östlicher Diwan" hinterließ, welcher immer wieder neu besetzt gehört.

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Massoumeh Jalalieh (vorn) und Abdolreza Keshavarzahmadi.

Quelle: PR

Iranisch. Anno 2013, also sechs Jahre vor dem 200. Jubiläum der Ersterscheinung dieser berühmten zwölfteiligen Gedichtsammlung, in dem unser J. W. dem alten persischen Hafis nacheiferte, reicht ein "# reloaded" als Titelnachsatz, um sich nahezu gänzlich von der Form zu lösen, sich auf andere persische Dichtungen wie "Die Konferenz der Vögel" von Attar zu stützen und eine moderne Theaterperformance mit mehr als 15 einzelnen, für sich sprechenden Szenen in internationaler Kooperation zu zelebrieren.

Per quasidemokratischem Hammelsprung über die Grundsatzentscheidung begann die Endprobenwoche der Stückentwicklung ganz ohne Regie, nun ist eine 105-minütige Theaterperformance entstanden, die man nicht vergessen kann: Einfache Geschichten der Begegnung vermeintlich ferner Kulturwelten mit klaren, großartigen Gesten und Bildern, herrlichen Kostümen und Masken (Ausstattung: Yvonne Dick) und unterlegt mit einem Sound, der Sprache weitestgehend überflüssig macht (Musik: Daniel Williams und Hesameddin Mohammadianpour).

Mählich entwickelt sich eine Stimmung, in der der Respekt vor den alten orientalischen Weisheiten wächst, die Verwunderung über die Diskrepanz zu aktueller medialer Vermittlung schwindet und man aufhört, eingebaute politische Implikationen zu suchen. Denn die Iraner sind ein schlaues Volk - und das demonstriert die siebenköpfige Compagnie Theater Paradata aus Teheran. Über die Fähigkeiten von Cie. Freaks und Fremde ist man sich im Klaren.

Während Heiki Ikkola als Erzähler sowie als Matrose (Körper) und Tod (Puppe) wirkt, hält Sabine Köhler die Fäden spielerisch zusammen. Sie agiert ungeheuer beweglich und unglaublich eindrucksvoll blickend und gönnt sich, gemeinsam mit Davoud Rashidi Alavijeh - ebenso körperlich und mimisch präsent und zudem herrlich anzuschauen - die symbolische Schlussszene als grandiose Slapsticknummer: West und Ost als Zwillinge, die dank gemeinsamer Vier-Schlauch-Hose mit vertauschten Beinen siamesisch-symbiotisch aufeinander angewiesen sind: Denn auch Trennung wie Gewalt sind keine Lösung.

Mehr Gelegenheit zur extrovertierten Darstellung haben die Herren, die drei Frauen haben dafür eine herrliche Tanzszene, in der aus einem dunkelgrauen, fünfarmigen Gespenst plötzlich drei Gestalten werden, die metaphorisch Augen, Ohr und Mund zeigen. Der erfrischenden Produktion, die nun auf Tournee und auch in den Iran geht, wünscht man ein langes Leben und viele Zuschauer. Doch für Dresden ist Eile angesagt: Am heutigen Sonnabend wartet schon die vorerst letzte Chance, eine zweite Staffel ist im Mai geplant, steht aber derzeit noch ein wenig unter dem Vorbehalt iranischer Wehrpflicht einiger Akteure.

Sollte es heute aber zu voll werden, ist das kein Problem: Es wartet ab 20.45 Uhr im großen Saal eine nicht minder spannende Performance als Alternative: Die britisch-deutsche Truppe Gob Squad zieht für den "Super Night Shot" mit vier Kameras und vier Animateuren in die Dresdner Neustadt und dreht vier einstündige Reportagen, die danach ungeschnitten im großen Saal parallel gezeigt werden, der Ton wird wahlweise jeweils zu einem Film zugeschalten. Die besten Mitmacher beim leibhaftigen Dreh bekommen Freikarten - was an der Berliner Volksbühne funktioniert, kann in Dresden nicht floppen.

iSocietaetstheater: Sonnabend, 20 Uhr "West-Östlicher Diwan # reloaded"

Sonnabend, 20.45 Uhr Gob Squad

Tickets je Vorstellung: 14 Euro, ermäßigt zehn Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.09.2013

Andreas Herrmann

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