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Regional The Sleepy Sun spielten im Dresdner Beatpol
Nachrichten Kultur Regional The Sleepy Sun spielten im Dresdner Beatpol
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17:50 09.09.2015
Bret Constantino von The Sleepy Sun auf der Bühne des Beatpol: Die Band füllte den Saal 85 Minuten mit ihrem kompakten Psychedelic-Sound. Quelle: Dietrich Flechtner

So, als wüsste er, dass es zahllose junge Bands gibt, die sich den alten Helden auf sehr eigene Weise annehmen, deren Geist ins Heute und Hier transportieren und damit Familienzusammenführungen organisieren. "Bring' deinen Sohn das nächste Mal mit und hör' auf zu wissen, fühl' lieber", scheinen Sleepy Sun zu rufen. Sich daran zu halten, kann nicht schaden", schrieben DNN in der Rezension 2012. Nun, die Väter haben sich nicht daran gehalten, jedenfalls nicht viele. Und trotzdem füllte sich der Beatpol am Dienstagabend in angenehmer Fülle.

Es waren zunächst die deutschen Tourette Boys, die - sozial ordentlich vernetzwerkt - zum zweiten Mal als Vorband ihre Gefolgschaft aktiviert haben. Nicht nur, dass dafür als Dank jetzt ein Einzeltermin im Club anstehen sollte, die Tourette Jungs sorgten zudem wohl für die Erstbegegnung ihrer (jungen) Fans mit Sleepy Sun. Und die sind geblieben, haben sich dieser bös' daherschleichenden fünffüßigen Saitenraupe hingegeben und so, auf unpädagogische Weise, komprimierte Musikgeschichte aus der Bay Area in zeitgenössischer Variation zu hören bekommen.

Sleepy Sun sind weiter gewachsen, näher zusammengerückt, dichter. Dazu brauchen

Bret Constantino (Gesang), Jack Allen (Bass), Brian Tice (Drums), Matt Holliman und Evan Reiss (Gitarren) keine großen Schritte, dafür reichen winzige Bewegungen aus. Hier noch mal das Entkernen von überflüssigen Schwenkern, dort das vollständige Herauskomplimentieren der akustischen Gitarre auf der Bühne, so dass Bret Constantino einfach nur noch Sänger mit wehendem Haupthaar ist und für die herrlich krustigen Mundharmonikablätter sorgt, die durch diesen durch und durch kompakten Gruppensound wehen. Das mit dem Tamburin ist freilich weniger essenziell. Die neuen Stücke der aktuellen CD "Maui Tears" sind nahtlose Verbindung hin zu älteren Blockbustern wie dem manisch thronenden "Martyr's Mantra". Sleepy Sun brauchen keinen inszenierte Abenddramaturgie, sie bauen mit den ersten Minuten immensen Druck auf, den sie bis zum Ende nach 85 Minuten nicht mehr ablassen werden. Die eine abgetrotzte Zugabe reicht dann aber auch! Satt und zufrieden ist man, das Tier hat wieder zugebissen, die Sonne geht schlafen.

Was machen Sleepy Sun nun anders als vergleichbare Formationen, die sich aus den Fundamenten (nie Trümmern) des guten alten Psychedelic-Blues-Mampfrocks erheben? Sie buhlen nicht um Gehör, sie stopfen ihre Songs nicht zu voll, verhaken ihre bleihaltigen Gitarrengitter nur lose mit extrem galanten und cleveren Tempoverlagerungen und zwingen den Zuhörer somit zur erhöhten Vorsicht. Diese Musik, die nur scheinbar schnell zu dekodieren ist, hat jede Menge Falltüren und -stricke. Denn Sleepy Sun wissen, mit Melodien zu spielen, mit Harmonien aus der zweiten Reihe. Dazu brauchen sie keine triefigen Balladen, das erledigen sie zwischen kompakten Riffs gleich mit. Sie müssen sich auch nicht orgiastisch hin zu achtminütigen Schleifendrehern spielen - sie wissen einfach, wann es Zeit ist, aus einem Song zu verschwinden. Und sie brauchen keine rotzige Attitüde, keine ausgestellt-müffelnden Schweißshirts, keine garstigen Blicke. Gerade Bret Constantino wirkt hernach am Merchandise-Stand wie sein eigener kleiner, netter Bruder.

Dass Sleepy Sun so nachdrücklich ihren Weg weitergehen, war alles andere als selbstverständlich. Welcher Band geht schon beim Einfahren der Räder nach dem Start die Copilotin von Bord? Die Männer verloren 2010 ihre Frau und Zweitstimme Rachel Fannan, geborene Williams, als sich Veranstalter und Fans weltweit schon auf die aufgehende, statt schlafende Sonne geeinigt hatten. Geschadet hat das nicht. Vielleicht auch nicht, weil nun mit den gleichsam großartigen Rose Windows (die im Juli im Beatpol debütiert haben) eine adäquate Band bereitsteht. Was dürfen wir uns glücklich schätzen in dieser Stadt!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2014

Andreas Körner

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