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Regional True Detectives im düsteren Country
Nachrichten Kultur Regional True Detectives im düsteren Country
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15:34 28.05.2018
The Handsome Family hat sich der düsteren Country- und Americana-Musik verschrieben. Die sengende Hitze der Südstaaten scheinen sie im Gepäck zu haben Quelle: Jesse Littlebird
Dresden

Eine nackte, weibliche Leiche mit aufgesetztem Hirschgeweih und gemaltem Symbol auf dem Rücken, gefesselt und scheinbar betend. Die beiden Detectives Martin Hart und Rustin Cohle stehen vor einem finsteren Rätsel und schleppen sich für dessen Lösung durch die sengende Hitze Louisianas. Der Asphalt und die Gedanken schmelzen dahin. – Viele behaupten, „True Detective“ aus dem Jahr 2014 sei eine Fernseh-Serie, dabei ist es schlicht und ergreifend das ganz große Kino, das über fast acht Stunden gespenstisch eindrücklich von Abgründen und vom Morden erzählt, vom Unheimlichen und vom Zerbrechen, von dieser verdammten, alles lähmenden Hitze in den Südstaaten der USA.

Eheleute aus Albuquerque

Und all das liegt schon in der Titelmelodie, die glücklicherweise immer wieder in den acht Stunden zu hören ist: „Far From Any Road“ heißt der Song, eine Mörderballade, bei der Nick Cave und Kylie Minogue ihre „Wild Rose“ wegwerfen und schreiend davon laufen würden. Eine Mörderballade, die sich durch Country und Americana schleppt, die die abgründigen Großtaten von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra heraufbeschwört. Eine Mörderballade der Eheleute Brett und Rennie Sparks aus Albuquerque, New Mexico, besser bekannt als The Handsome Family.

Tour durch die USA und durch Europa

Das Duo gilt seit 1994 so dermaßen als Experte für tiefschwarzen Grusel-Country, dass selbst Leonard Cohen erst zur zweiten „True Detective“-Staffel ran durfte (obwohl aus dessen Stimme zuletzt ja der Tod persönlich zu sprechen schien). Nein, Musik-Supervisor T Bone Burnett (u.a. auch „O Brother, Where Art Thou?“, „I Walk The Line“ und „Inside Llewyn Davis“) wählte „Far From Any Road“, jenen Song der Handsome Family, der schon 2003 auf dem Album „Singing Bones“ (da haben Sie’s: schon der Titel ist gruselig!) erschienen war.

Und damit hievte er die Band unter dem Radar hervor – man tourt dieser Tage ausgiebig durch Europa und die USA, spielt allein von Mai bis Juli 35 Konzerte. Und dabei jetzt eben auch eins in Dresden, genauer im Beatpol. Wo auch sonst in Mitteldeutschland? Kein anderer Veranstaltungsort passt besser, kein anderer rollt booking-technisch und mit dunkel getünchtem Saal so schön den schwarzen Teppich in die Prärie wie der ehemalige Ballsaal in Dresden-Briesnitz (höchstens der morbide Kinosaal des Leipziger UT Connewitz könnte da noch mithalten).

Scheinbare Tricks, der Tod und etwas Unheimliches

Das dritte Album der Band „Trough the Trees“, dessen Wiederveröffentlichung zum 20. Geburtstag Anlass dieser Tour ist, zählt das Mojo-Magazin zu den zehn wichtigsten Americana-Alben aller Zeiten. Morbide schillern sie, die Songs der Handsome Family, die Rennie Sparks schreibt. Ihr Mann Brett singt sie größtenteils, mit tiefer, warmer Stimme, gleichmütig, manchmal fast gutmütig, könnte man denken, wenn da nicht diese Texte wären: „Es geht um Dinge, die mitten im Nirgendwo stattfinden, um scheinbare Tricks und den Tod und etwas Unheimliches. Wir denken, dass unsere Songs, unsere Musik in derselben emotionalen Landschaft leben, von welcher sie erzählen, aber auch in einer anderen, eher metaphysischen Landschaft existieren.“

Live im Beatpol

Und so spielen die Songs auf Parkplätzen und in riesigen Malls, unter Hochstraßen und auf Flughäfen. Sie springen von der Niederlage des 7. US-Kavallerie-Regiments gegen die Sioux, Arapaho und Cheyenne unter Sitting Bull, Crazy Horse und Gall am Little Bighorn River innerhalb weniger Zeilen zu automatischen Rasensprenklern. Sie erzählen von den Rändern der Gesellschaft in kleinen „bittersweet Symphonies“, in denen die Country-Gitarren heulen und twangen, das Schlagzeug zischelt und der Bass brummt, dass es eine traurig-schöne Freude ist. Und so wird bei aller Dunkelheit, die in den Songs steckt, auch immer gelacht auf der Bühne. Also keine Angst, es winkt ein großer, kleiner Konzertabend.

The Handsome Family „Through the Trees 20th Anniversary“ am 29.5. 21 Uhr im Beatpol, Altbriesnitz 2a, 01157 Dresden (Einlass ab 20 Uhr, Karten für 22 Euro)

Von Benjamin Heine

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