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The Dandy Warhols gastieren erstmals im Beatpol

Semper fidelis als Dresdner Debüt The Dandy Warhols gastieren erstmals im Beatpol

Andy plus D gleich Dandy. Schwuppdiwupp gilt man als Erbe, wenn man sich den Nachnamen Warhols gibt. Nun kann man The Dandy Warhols aus Portland in Oregon nicht allzu vorwerfen – vor allem nicht, dass sie Erbschleicher seien.

The Dandy Warhols – in Form von Brent DeBoer und Courtney Taylor-Taylor (r.) und Keyboarderin Zia McCabe (l.) – sorgten mit „Distortland“ für lautes psychodelisches Schwelgen im Beatpol.

Quelle: Andreas Herrmann

Dresden. Andy plus D gleich Dandy. Schwuppdiwupp gilt man als Erbe, wenn man sich den Nachnamen Warhols gibt. Nun kann man The Dandy Warhols aus Portland in Oregon nicht allzu viel vorwerfen – vor allem nicht, dass sie Erbschleicher seien. Denn dafür klingt das Quartett – vor allem in ihren ausdauernden psychodelischen Phasen, die sich nicht um kommerztauglichen Klänge oder Formate kümmern, schon den frech adoptierten Vorbildern von The Velvet Underground recht artverwandt.

Außerdem ist es auch keine schlechte Idee, auf der Hauptstädte-Reise von Prag über Berlin gen Kopenhagen mal kurz in Dresden zu gastieren – zumal sich hier jener Beatpol befindet, der sich bereits seit ihrer erfolgreichsten Phase, also seit mehr als einer Dekade, um ein Gastspiel bemüht. Am Donnerstagabend war es dann soweit – und rund dreihundert Gäste in sozial breitgestreuter Symbiose aus Musikfreunden und Bandfans, die fast durchgängig keinen Wert auf sichtbare Devotionalien legen, aber ganz genau aufs künstlerische Handwerk schauen, folgten den hehren Ansinnen von Musiktempel und Combo.

Und jenes war fast durchweg furios, besonders Peter Holmström, der für seine steten Gitarrenwechsel einen portablen Wandschrank und einen eigenen Mitarbeiter am Rande braucht, und Frontmann Courtney Taylor-Taylor, beim Gesang von Keyboarderin Zia McCabe und Schlagzeuger Brent DeBoer rege unterstützt, liefern einen Klangrausch, bei dem die rar eingestreuten melodischen Hits, zu deren Betanzung einige der jungen Damen eigens anrückten (so wie „Bohemian Like You“, das erst kurz vor Schluss erklang), regelrecht vergessen schienen. Obwohl die akute Single-Auskopplung „You Are Killing Me“, laut PR der erste neue Song seit vier Jahren, recht ähnlich hittendenziös klingt, aber gut über den Rest hinwegtäuscht.

Im Gepäck auf der Tour durch die Europäische Union – auf der Homepage mit EU-Flagge mit zwölf Sternchen beworben – die passende Scheibe namens „Distortland“, seit zehn Monaten im Plattenlandladen, aber bislang nur in der Schweiz in den so genannten Verkaufscharts gelandet. Dass sie mal nach Dresden müssen – soviel Spaß muss sein –, hatten sie schon in unbewusster Sehnsucht beschrieben, schließlich nennt sich einer ihrer Songs „Semper fidelis“, der allerdings laut Netzlexikon in der lateinischen Übersetzung mit „für immer treu“ und als Marschlied der United States Marine Corps ebenso missbräuchlich-hymnisch wie von britischen Soldaten und Schweizer Grenadieren (und nur außerhalb Sachsens) genutzt wird, aber bei den Warhols in andere tiefgründige Gefilde führt. Verstört regierte ein Teil des Publikums auf den abrupten, zugabelosen Schluss nach 85 Minuten einer in sich geschlossenen Show. Zum Troste, nachdem sie ihr Gerät drei Minuten nach den anderen zum Abklingen gebracht hatte, lud Zia McCabe noch zur Aftershowparty gen Katy‘s Garage in die Neustadt, wo sie sich als DJane hervortat. In Prag am Vormorgen fiel diese Show noch aus.

Die Distort-EU-Land-Tour führt nun rasch über Dänemark wie Holland gen Frankreich und endet am 4. und 5. März im Londoner Roundhouse und beim Pariser „Psych Fest“ auf dem Boulevard de Rochechouart. Wer sich fern dem Nahweh fühlt, kann sich an der gigantischen Gigogaphy der Band seit 27. Januar 1994 satt sehen, in der good old Germany (vor dem gestrigen Kreuzbergtrip) mit 33 Gigs an sechster Stelle hinter den englisch- und französischsprachigen Ländern liegt, aber Osteuropa samt ganz Asien noch voller weißer, also unzerstörter Landschaften erscheint.

Dafür ist nun Dresden als einer der östlichsten Orte der nördlichen Hemisphäre dabei.

www.dandywarhols.com/news/shows/gigography/

Von Andreas Herrmann

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