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Tanzerbe Deutschland: „undo, redo and repeat“ im Festspielhaus Hellerau in Dresden

Christina Ciupke und Anna Till zu Gast Tanzerbe Deutschland: „undo, redo and repeat“ im Festspielhaus Hellerau in Dresden

Christina Ciupke und Anna Till gehen in „undo, redo and repeat“ der Frage nach, wie das Wissen über vergangene Tänze von Mary Wigman, Kurt Jooss, Dore Hoyer, Pina Bausch und William Forsythe zu uns gelangt. Jetzt haben die Tänzerinnen und Choreografinnen damit im Festspielhaus Hellerau gastiert.

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Anna Till und Christina Ciupke und ihr Tanzprojekt „undo, redo and repeat“.

Quelle: Renata Chueire

Dresden. Es geschieht eher selten, dass sich der Große Saal vom Festspielhaus Hellerau zu einer Aufführung weitgehend „unverhüllt“ zeigt. Also in seiner ganz und gar beeindruckenden Raumstruktur, die aber nie erdrückend wirkt und aufgrund der Ausmaße ebenso eine Art von Stationen-Theater ermöglicht. Bei dem Tanzprojekt „undo, redo and repeat“, das nun erstmals auch in Dresden-Hellerau zu sehen war, wagen es die Tänzerinnen und Choreografinnen Anna Till und Christina Ciupke, den mit Ausnahme einer halbhohen Wand, die die aufsteigenden Sitzreihen dahinter verdeckt, offenen Raum für ihre Performance zu nutzen.

Die beiden Frauen nehmen das zunächst „wandelnde“ Publikum mit in den Saal, gewinnen in der Bewegung der Zuschauer Räume, die sie auf ihre Weise markieren, sei es ein langer Zwischen-Gang mit Kabel und Mikrofon oder auch die Art, wie sie parallel zwei Rollen eines hellen Tanzbodens auslegen. Zum Auftakt geben Anna Till und Christina Ciupke Einblick in Bewegungsmaterial von Mary Wigman. Bewusst eingeschränkt – sie arbeiten vor allem mit Kreis- und Drehübungen. Die begleitet werden von den aufgezeichneten Bemerkungen von Irene Sieben, die einst zu den Wigman-Schülerinnen in Berlin-Dahlem gehörte. Das ist überhaupt das Prinzip dieser so besonderen Arbeit, dass sich die beiden Frauen wissende, markante Partner gesucht haben, mit denen gemeinsam sie quasi am eigenen Leibe erfahren können, worauf es ankommt, wenn man sich an solche Größen der älteren und jüngeren Tanzgeschichte Deutschlands heranwagt. Wobei es deutlich nicht um Rekonstruktionen geht, sondern um das Erfassen von „Raum, Kraft und Zeit“, von Prinzipien, Arbeitsweisen, den Möglichkeiten einer Annäherung.

Bei den ersten Versuchen, Impulse der Tanzsprache von Mary Wigman zu erkunden, erkennt man schon bald, wie unglaublich schwer es ist, sich dieserart Bewegungsform anzunehmen. Doch die beiden halten durch, erproben sich aus. Bis sich die Szenerie wandelt und das Publikum nach dem fast schon zelebrierten Hereintragen von Papphockern platziert wird. Dann folgt eine spürbar durchdachte und bestens erarbeitete Choreografie, wo es auch um Kurt Jooss geht, aber viel mehr noch um die Tänzerin und Choreografin Reinhild Hoffmann, die als seine einstige Schülerin gemeinsam mit dem Duo zu ihrer eigenen, 1997 herausgekommenen Arbeit eine erfrischend neue Version vorstellt.

Die beiden Frauen in schlichten, hellen Kleidern, ein mit Kreide gezogener Kreis, ein großer „Medizinball“ sowie ein Roller, möglicherweise aus alten Zeiten... Damit beginnt das Spiel, verquickt mit einer die Szene unmittelbar begleitenden Projektion aus dieser ursprünglichen Arbeit, wo in der Draufsicht Reinhild Hoffmann zu erleben ist, wie sie ihrerseits mit den Objekten spielerisch umgeht. Das ergibt ein ausgesprochen stimmiges Gefüge, ein Geschehen, das im Erleben wunderbar auch diese Zeitschichten assoziiert.

Im Umgang mit Dore Hoyer haben sich Anna Till und Christina Ciupke mit dem Berliner Choreografen Martin Nachbar zusammengefunden. Sie zeigen eine Art von Lecture-Version, in der aus der Choreografie „Angst“ von Dore Hoyer die Schluss-Szene assoziiert ist, getanzt von Christina Ciupke. Das ist sehr berührend, vor allem auch in der Art, wie die Tänzerin immer wieder aus ihrer Empfindung gerissen wird durch ein unterbrechendes „Noch mal“, und ihre langsame Kopfbewegung hin zu der „Störenden“ ist sehr beredt.

Was nunmehr folgt, ist ein Scheitern, vielleicht aus Prinzip oder aber weil den beiden Frauen hier niemand unmittelbar zur Seite stand, um mit ihnen an dieser Szene zu arbeiten. Das spürt man allenthalben. Doch vielleicht verweigern sie sich auch, auf die Besonderheiten von Pina Bausch und ihrem Tanztheater wahrhaftig einzugehen. Womit dem Ganzen die Seele genommen ist, denn allein um die Schrittfolgen geht es dabei nicht.

Zum Schluss folgt ein Lehrstück nach William Forsythe. Dazu haben sie sich mit Thomas McManus verbündet, der 13 Jahre im Ballett Frankfurt tanzte, als freier Choreograf arbeitet und international Stücke von Forsythe einstudiert hat. Hier gelingt den beiden, das Experiment halbwegs gewitzt zu wagen, wenn sie auch nicht so ganz die Qualitäten von Forsythe-Tänzern besitzen. Aber es macht Spaß, ihnen bei der Geschichte mit und ohne Kontext zuzusehen, und man begreift die Herangehensweise. Schließlich fragen sie in der Aufzeichnung McManus geradezu herausfordernd, ob das, was sie da machen, auch noch etwas mit Forsythe zu tun habe, und er gibt ihnen eine ehrliche Antwort.

Es ist übrigens unmöglich, sich vor oder gar noch während der Aufführung das umfangreiche Material anzuschauen, das an diesem Abend ergänzend zu einer begleitenden Ausstellung mit Video- und Hörbeispielen jedem Besucher mit auf den Weg gegeben wird. Wie überhaupt jeder Interessierte sich unbedingt auch die empfehlenswerte Website zu dieser von Tanzfonds Erbe geförderten Produktion anschauen sollte. Da reicht allein schon die Eingabe beider Namen, um diese zu finden.

Von Gabi Gorgas

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