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Regional Sylvia, "die Unvollendete", präsentierte bei Breschke & Schuch "Sächsin in the City"
Nachrichten Kultur Regional Sylvia, "die Unvollendete", präsentierte bei Breschke & Schuch "Sächsin in the City"
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17:37 09.09.2015
Sylvia, "die Unvollendete". Quelle: Natascha Zivadinovic

Sylvia ist - unüberhörbar am Dialekt - gebürtige Sächsin und hat es trotzdem getan: Ist nach Berlin gegangen, aber die Berliner, die früher meist aus Schlesien kamen und heute auch Schwaben, lieben sie. Die Sächsin Sylvia ist Kult, nur bei einer Sache läuft es nicht: "Sylvia - Die Unvollendete" sucht in der Großstadt ihren "Mister Big".

Was sie auf der Suche nach dem Mann fürs Leben in der Hauptstadt im Internet-Zeitalter so erlebt, um dem leidigen Single-Dasein ein Ende zu setzen, das schildert sie in ihrem Programm "Sächsin in the City", das sie jetzt bei Breschke & Schuch vorstellte. Enttäuschung folgt bei dieser Suche an Enttäuschung, und sei's auch nur, weil so ein Kerl zwar lieb, aber in punkto Geld wie die von Bayern, Baden-Württemberg und Hessen alimentierte Hauptstadt ist. Arm ist aber nur zeitweise sexy, auf Dauer denn doch ziemlich unsexy.

An Sylvias Seite und hinter dem Klavier: Peter Rodekuhr. Aber zwischen den beiden herrscht ein reines Dienstverhältnis, gilt doch die strikte Regel: "Fang nichts mit einem Pianisten an, weil er sich sonst nicht konzentrieren kann." Und überhaupt soll man sich die Arbeit nicht ins Bett nehmen, auch wenn "Nacktschichten", pardon, "Nachtschichten", so ihre Vorteile haben. Gewisse Erwartungen an den Traummann hat sie aber immer noch, "bekindert! sollte Mr. Right nicht sein, was auch offenbart, welchen Stellenwert Kinder in diesem Land der Egomanen und Selbstverwirklicher so haben.

Die Künstlerin pflegt - da es mit dem Job als Nachrichtensprecherin beim RBB aufgrund des Dialekts nichts geworden und das mit dem Titel "Miss Rathen" (ausgesprochen "missraten) auch schon länger passè ist - das weite Feld des modernen Musik-Kabaretts, das stilistisch aber ganz dem unvergleichlichen Stil der 20er- und ein bisschen auch 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts verpflichtet ist. Die Texte, die sie oft selbst verfasst hat, sind in der Regel, vor allem dank einer gehörigen Portion Frivolität, ausgesprochen spritzig-witzig, aber auch, und das hebt sie dann doch heraus - oft hintergründig. In Chansons und witzigen Wortbeiträgen porträtiert Sylvia die Frau von heute, die sich heillos verfangen hat in einem Gespinst aus Träumen und Lebenslügen, zwischen Männerfrust und Shoppinglust, zwischen Putzfimmel und Modewahn. Man fühlt mit ihr, wenn sie ihre lustigen wie tragischen Erlebnisse schildert, ob nun im Cafe Größenwahn, wie es in Berlin-Mitte so viele gibt, oder in einer Bäckerei. Ihr Rap mit Zeilen wie "Sätzen" wie "Ich will zehn Schrippen und Kippen" und "Check the Gebäck" ist voll fett, um mal im Jargon der Straßenjugend zu bleiben. Ebenfalls ein Ohrwurm, zu dem man die Künstlerin nur beglückwünschen kann: Ein Lied über den kleinen Verwandten des T-Rex: Die Ex. Denn so eine Ex ext einen aus Reflex mit einer Flex.

Gelegentlich wirft Sylvia auch einen Blick auf die alte Heimatstadt, spöttelt aber - und zwar auf eine Melodie von Mozart - bei aller Liebe und Verklärung auf die Barockseligkeit der Dresdner. "Tradition, das ist das Schöne dran, dass man sich dranlehnen kann." Aber da steht man als Dresdner drüber, sollen die in Berlin doch erst mal das mit dem BER auf die Reihe kriegen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.10.2014

Christian Ruf

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