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Regional Sylke Gottlebe übernimmt die drei Direktorinnenposten beim Dresdner Filmfest
Nachrichten Kultur Regional Sylke Gottlebe übernimmt die drei Direktorinnenposten beim Dresdner Filmfest
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17:51 11.08.2017
Am Sonntag ist am Elbfilmufer nicht nur Aufräumen, sondern auch Ablachen angesagt. Elf Komödien aus den Dresdner Filmfestjahrgängen von 2011 bis 2017 werden gezeigt, darunter die Animation „AlieNation“ von Laura Lehmus. Quelle: Filmfotos: PR / Gottlebe: Dada Linn
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Dresden

Am 28. Juni kam per Filmfest-Newsletter die Meldung als „Sommernews“ verpackt: Der Vorstand des Vereins Filminitiative Dresden habe eine neue Leiterin fürs Filmfest Dresden berufen. Nur Pressemenschen waren zuvor privilegiert, weil sich nacheinander erst Katrin Küchler, dann Karolin Kramheller und Alexandra Schmidt mit Dank verabschiedeten. „Die drei haben das Filmfest Dresden in den letzten sieben Jahren mit viel Leidenschaft, Herzblut und Energie zu großem Publikumserfolg und zu internationalem Renommee geführt“, so ihre Würdigung.

Die größere Überraschung war der Name der neuen Chefin, die jene drei ersetzen wird: Die Ur-Dresdnerin Sylke Gottlebe wird das Filmfest in den Jubiläumsjahrgang führen, denn vom 17. bis 22. April 2018 wartet bereits die 30. Ausgabe und wird komplett in ihrer Verantwortung liegen. Kurz vor der zweiten Kurzfilmnacht bei den Filmnächten am Elbufer, die am Sonntag über drei Stunden ausgewählten Komödien zeigen, unterhielt sich für Andreas Herrmann für die DNN mit Sylke Gottlebe.

Sylke Gottlebe Quelle: Dada Linn


: Sie wurden schon einmal zu Direktorin berufen – vor genau 20 Jahren. Nun wieder – Ihre Entscheidung, das bisherige Trio zu beerben, war sicher keine einfache?

Durchaus, ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Und die drei Festivaldirektorinnen haben eine großartige Arbeit geleistet, sie haben das Festival in den vergangenen Jahren maßgeblich vorangebracht. Bei meinem ersten Festival gab es 576 Filmeinreichungen – jetzt sind es weit über 2000. Es ist viel größer, renommierter und internationaler geworden – dafür zolle ich ihnen höchsten Respekt! Es ist eine große Herausforderung.

Sie waren langjährig Geschäftsführerin
der AG Kurzfilm und damit für den
Aufbau des Bundesverbandes Deutscher Kurzfilm verantwortlich. Warum sitzt dessen Geschäftsstelle ausgerechnet in Dresden?

Die AG Kurzfilm wurde von den deutschen Filmhochschulen und Festivals in Oberhausen gegründet. Und ich wurde 2002 damit beauftragt, Verband und Geschäftsstelle aufzubauen. Eigentlich habe ich während der Elternzeit angefangen, aber es wurde dann immer intensiver – und schließlich zu meiner Berufung. Mit der Unterstützung von Filmfest, sächsischen Kunstministerium und Kulturamt der Stadt konnten wir die Geschäftsstelle nach Dresden holen. Für alle Filmsparten gab es schon bundesweite Verbände, nur für den Kurzfilm nicht – die Politik hat darauf gedrängt, einen Ansprechpartner zu bekommen. Das habe ich bis 2013, also elf Jahre lang gemacht.

Und dann?

Ich habe mich dann wieder mehr Filmprojekten gewidmet und war zudem zwei Jahre lang beim großen Festival del Film Locarno für die Auswahl in der Kurzfilmsektion zuständig. Für mich eine ganz spannende Erfahrung auf internationalem Parkett.

Nur Kurzspielfilme?

Nein, alles. Also neben kurzen Spielfilmen und Animationen gibt es dort auch Dokumentationen und Experimentalfilme. Der hohe Anteil von Animationsfilmen in Dresden ist allerdings schon profilbildend für uns.

Aber Sie waren doch immer präsent beim Filmfest Dresden – oder haben Sie mal einen Jahrgang ausgelassen?

Ich war zwei Jahre lang nur Zaungast, weil sich das terminlich überschnitt mit dem Filmtheaterkongress, wo wir mit der AG Kurzfilm präsent waren, um den Kurzfilm als Vorfilm in den Kinohäusern zu promoten.

Der nüchterne Vergleich zwischen damaligem Abschied anno 2001 und überraschendem Wiedersehen 2017 – wie hat sich das Filmfest zwischen der 14. und 29. Ausgabe verändert?

Das Festival ist viel größer und berühmter geworden. Es hat heute über 600 Fachbesucher und Extra-Angebote für diese sowie ein sehr breites Rahmenprogramm. Es gibt neue Sektionen. In jüngster Zeit hat sich vor allem jene für Kinder und Jugend stark entwickelt.

Und was ist als eine Art Markenkern geblieben?

Die Grundstruktur ist dieselbe: Also nationaler und internationaler Wettbewerb – mit Preisen jeweils für Animation und Kurzfilm – plus Rahmenprogramm. Außerdem lieben die Filmemacher das Dresdner Festival, weil zur hohen Professionalität auch eine große persönliche Herzlichkeit und die direkte Ansprache der Teilnehmer gehört.

Eine Beobachtung komischer Natur: Die Filmemacher bleiben jung – ebenso wie das Publikum. Nur das Festival wird nächstes Jahr schon reife 30…

Das ist doch gut so! Es gibt auch ein paar gestandene Leute, vor allem in Sachen Animation oder Experimentalfilm, die Dresden die Treue halten. Aber sonst – unter anderem durch die Zusammenarbeit mit den Filmhochschulen – kommt immer neue Frische rein.

Das klingt so, als wäre alles schon per-fekt: Was gibt es denn da noch zu verändern?

Die Grundstruktur und deren Säulen funktionieren. Ich hoffe erst einmal auf einen reibungslosen Übergang und gute Zusammenarbeit im Team. Gemeinsam wollen wir einen guten Jubiläumsjahrgang hinbekommen. Dann würde ich gern die Sektion Kinder und Jugend noch weiter ausbauen. Eine Idee zum Jubiläum wäre auch „Filmfest at home“…

Was soll das denn werden?

Das wird noch nicht verraten. Aber das Jubiläum wird auch Zeit für Rückblicke mit Weggefährten bieten. Wir werden auch in den frühen Zeiten und natürlich im ersten Jahrgang – anno 1989 im Strehlener Kino „Olympia“ – stöbern.

Sie waren damals schon dabei?

Ja, auf Einladung von Gründer Jörg Polenz. Ich habe einen beeindruckenden Film von Istvan Szabo gesehen.

Es gab also noch keine Konzentration auf Kurz- oder Trickfilm?

Nein. Auch das zweite Filmfest Dresden war noch nicht darauf fokussiert – die Spezialisierung erfolgte erst später. 1992 wurde der erste Internationale Animationsfilmwettbewerb ausgerichtet. Und 1993 kam dann der europäische Independentwettbewerb dazu, der sich ausschließlich den kurzen Filmformaten widmete.

Was sollte am Ende Ihrer zweiten Amtszeit stehen?

Der Ruf Dresdens als „Hauptstadt des Kurzfilms“ sollte dauerhaft gefestigt sein. Dafür brauchen wir sicherlich fünf Jahre.

Sonntag, 21 Uhr: Kurzfilmkomödien bei den Dresdner Filmnächten

http://dresden.filmnaechte.de/event/kurz-komisch-kurzfilmkomoedien

Von Andreas Herrmann

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