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„Stille, die uns täuscht“ im frisch renovierten Saal des Dresdner Projekttheaters

Utz Pannike zeigt ein Electro-Melodram „Stille, die uns täuscht“ im frisch renovierten Saal des Dresdner Projekttheaters

Panische Not im neuen Projekttheater? Utz Pannike, Gründer und Kopf des Panischen NOtTheaters, spielt mit „Stille, die uns täuscht“ nach einer frühen Novelle von Stephen King. Damit eröffnet er den frisch renovierten Saal des Dresdner Projekttheaters artgerecht.

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„Stille, die uns täuscht“ mit Utz Pannike.

Quelle: Amac Garbe

Dresden. Panische Not im neuen Projekttheater? Utz Pannike, Gründer und Kopf des Panischen NOtTheaters, spielt mit „Stille, die uns täuscht“ nach einer frühen Novelle von Stephen King. Damit eröffnet er den frisch renovierten Saal des Projekttheaters artgerecht und lotet gleich zu Beginn wie am Ende die sonderbare Form des Bühnenraumes aus, ohne die Drehbühne zu benutzen. Denn seine Horrorfigur kommt von ganz hinten durch einen faszinierenden violetten Lichttunnel (Lichtdesign wie Bühne: Josia Werth) herangeschlichen, begleitet von den Gitarrenklängen von Jörg Schittkowski.

Pannike nennt die Kunstform Electro-Melodram und begibt sich als spielender Solist in allen, mindestens fünf Rollen in die gruseligen Parallelwelten von Stephen King. In dessen Novellensammlung „Different Seasons“ von 1982 steht an zweiter Stelle „Summer of Corruption: Apt Pupil“, im Deutschen als „Sommergewitter: Der Musterschüler“ bekannt und 1998 von Bryan Singer verfilmt. Darin spürt ein 13-Jähriger einen alten Nazi in dessen Wohnung auf. Der nennt sich inzwischen Arthur Denker und konnte über Südamerika gen USA fliehen. Der Junge erkennt ihn auf einem Foto wieder: Es ist Kurt Dussander, der Bluthund von Patin, also Kommandant eines Vernichtungslagers. Nun wäre King nicht jener King, der in Bastei-Lübbe erscheint, gäbe es ein rasches, gutes und aufklärendes Ende.

Der anfangs mäßige Schüler erpresst den versifften Alten, der heuer nur ab und an mal einen Obdachlosen killt, will dessen ganze Geschichte hören und erliegt der Faszination des Bösen. Dafür drillt ihn der Altnazi schulisch zum Guten, und zum Schlussabschluss schenkt der Papa dem Sohnemann, der sich sozial der Altenpflege widmet, das beste Gewehr, was es gibt. Fortan meucheln beide gegenseitig unerkannt um die Wette, bis sie nacheinander auffliegen und die vermeintlich ahnungslose Umwelt wie üblich unschuldig und empört ist.

Die Geschichte ist natürlich alles andere als subtil erzählt und gelingt – auch dank der vielen Rollenwechsel – psychologisch nicht sonderlich tiefschürfend, dafür agiert Pannike schauspielerisch souverän. Klug untersetzt er das Geschehen durch Nachrichten eines amerikanischen Heimatsenders, der neben der Meldung über die Morde immer wieder die Soldaten im zweiten Irakkrieg und den Stolz, ein Amerikaner zu sein, anfeuert.

Wie schon beim kraftvollen und wütenden „Stachel der Arbeit“ vor zweieinhalb Jahren an dieser Stelle unterstützt die Dresdner Autorin und Dramaturgin Esther Rölz den Solisten als Dramaturgin und Mentorin. Doch der damalige Abend gelang einfach deshalb eindrucksvoller, weil das Thema die fortschreitende Prekarisierung der Service- als Arbeitswelt wesentlich mehr betrifft. Und weil man heute der vernetzt computerspielenden Jugend – die Pannike per „KZ-Manager“ durchaus bedenkt – nicht mehr diesen Empathieverlust zutraut. Diese dürfte nämlich schon lange weg sein.

Anders als bei der letztjährigen Selbstbetrachtung namens „Halbwegs: ich“, als Pannike als Solomusikant auftrat und seine Vor- und Nachwendeleben mitsamt den Brüchen vor den Vaterfreuden beleuchtete, tut hier die kraftvolle Musikbegleitung von Jörg Schittkowski als Soundperformance der Spannung gut und umhüllt die Finsternis mit kribbelnden Klängen. Während die „Stille“ noch vier Mal im Projekttheater und einmal in Meißen auf dem Spielplan steht, hat Pannike schon zwei weitere Abende in Arbeit: „Die Toten kommen wieder“ kommt als „clowneske Bluesmesse für Thomas Münzer“ als seine Antwort auf die komischen Luther-Auswüchse am 21. & 22. Januar auf die Bühne. Und Ende Februar 2017 setzt er mit „Li und die roten Bergsteiger“ als Livepainting-Monodrama nach einem Jugendbuch von Max Zimmering die Zusammenarbeit mit der Polyluxmeisterin Claudia Reh fort.

„Stille, die uns täuscht“ wieder am 2./3. Dezember sowie am 3./4. Februar (je 20 Uhr) im Projekttheater Dresden und am 23. Mai 2017 im Theater Meißen

www.projekttheater.de; www.no-panik.com

Von Andreas Herrmann

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