Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Steven Wilson live in der Jungen Garde
Nachrichten Kultur Regional Steven Wilson live in der Jungen Garde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:14 13.07.2018
Steven Wilson Quelle: Lasse Hoile
Anzeige
Dresden

Wer Steven Wilson bis dato nicht kannte und die ersten Lieder des jüngsten Albums „to the bone“ hört, mag sich anfangs vielleicht noch denken: Nur ein weiterer Indie-Künstler aus England. Keiner, der neben etablierten Größen seiner Heimat wie den Arctic Monkeys, The Kooks, den Kaiserchiefs oder Babyshambles sonderlich heraussticht. Doch das wäre eine fatale Fehleinschätzung – ist es doch gerade Wilson, der im Vergleich zu unzähligen anderen Sängern ein wahrer Verwandlungskünstler ist.

Auf eine Überraschung folgt die nächste

Zu Beginn seines fünften Studioalbums erklingen sanfte Indiepop-Songs, die so lange fröhlich wirken, bis man auf den Songtext achtet. „Once we’ve made sense of our world, we wanna go fuck up everybody else’s because his or her truth doesn’t match mine“ (sinngemäß auf Deutsch: Wenn wir einmal den Sinn der Welt zu verstehen glauben, dann zerstören wir jede andere Meinung, die nicht unserer entspricht) – diese Worte läuten das Intro ein. Während die meisten Indie- und Alternative-Rocker politische Themen gar nicht erst aufgreifen, wagt sich der 50-jährige Brite bewusst unterschwellig, aber nachdrücklich und mit klaren Worten an die kontroverse Debatte um Fake News heran.

Schon der dritte Song „Pariah“ deutet an, was im Verlauf des Albums noch deutlicher werden soll: Kein Track gleicht in der Gesangslage, instrumentell oder thematisch dem anderen. Fast esoterisch singt er darin gemeinsam mit Ninet Tayeb über gesellschaftliche Außenseiter und schafft in Kombination mit ihrer rauchigen Soulstimme eine berührende Harmonie. Auch danach hält Steven Wilson eine Überraschung nach der nächsten parat – selten hat ein Künstler ein solch stilistisch vielfältiges Album veröffentlicht. Ob man ihn mag oder nicht – man muss Steven Wilson zwangsläufig Respekt dafür zollen, dass er sich bei der Albumproduktion offensichtlich viel Mühe gegeben hat. Die Songs folgen keinem klaren Muster, sondern ändern völlig spontan ihren Takt oder die Tonlage. Nur ein Schema ist erkennbar: Vom ersten bis zum letzten Hit wird es immer düsterer, progressiver, rockiger und psychedelischer.

Gewagte Experimentierfreude

Wilson probiert sich aus, testet die Bandbreite seiner Fähigkeiten – nutzt mal Stimm-Echos, dann Klavier- oder E-Gitarrensolos. Gegen Ende scheint das viele Herumprobieren gelegentlich etwas unkontrolliert, als würde ein Kleinkind wahllos auf einem Spielkeyboard herumdrücken. „Song of I“ wird damit leider zum musikalischen Fauxpas des Albums.

Bei den anderen Stücken scheint die Experimentierfreude dafür umso gelungener: Lieder wie „Permanating“ oder „People who eat darkness“ können auf ganzer Linie überzeugen – und schaffen Vorfreude auf deren Liveinterpretation. Vorm heutigen Dresdner Konzert ist bereits abzusehen, dass das Publikum sicherlich auch durch die ein oder andere Überraschung live gut unterhalten wird.

Steven Wilson, Konzert am 14.7. auf der Freilichtbühne Junge Garde Dresden, Tickets ab 48,48 Euro verfügbar, Tickets an der Abendkasse gibt es ab 50 Euro.

Von Katharina Jakob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fabelhafte Wesen, expressive Figuren und mythische Tierwelten im Stil von Egon Schiele und Goya bevölkern bis Ende Oktober die Stadthalle Görlitz. Die Ausstellung „Mythos Europa“ der Leipziger Künstlerin Antoinette biete zum 20-jährigen Jubiläum der Europastadt Görlitz-Zgorzelec eine Plattform, nach den gemeinsamen europäischen Wurzeln zu fragen, teilte das Rathaus mit.

13.07.2018

Loil Neidhöfers „Tot und verdammt in Bad Blumenborn“ lässt den Besucher kopfschüttelnd zurück und glänzt dennoch durch herausragende schauspielerische Leistungen.

16.07.2018

Radfahrer brausen vorbei, Autofahrer können den Blick kaum von der Ampel lassen. Selbst Fußgänger laufen schnurstracks an einem der schönsten Dresdner Denkmäler auf dem Georgsplatz vorbei. Doch warum steht das Körner-Denkmal ausgerechnet an dieser hektischen Stelle?

13.07.2018
Anzeige