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Stefan Gwildis kommt am Freitag auf den Theaterkahn

Soul Stefan Gwildis kommt am Freitag auf den Theaterkahn

Es ist wohl Glaubwürdigkeit, in der der Erfolg von Deutschlands erdigstem Soulsänger gründet. Diese Geschichten aus dem Leben für die kleinen Leute und die zu kurz Gekommenen, mit denen Stefan Gwildis mittlerweile die Clubs und Konzertsäle füllt.

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Stefan Gwildis

Quelle: Sandra Ludewig

Dresden. Authentizität. Es ist wohl diese unbedingte Glaubwürdigkeit, in der der Erfolg von Deutschlands erdigstem Soulsänger gründet. Diese Geschichten aus dem Leben für die kleinen Leute und die zu kurz Gekommenen, mit denen Stefan Gwildis mittlerweile die Clubs und Konzertsäle füllt. Zumal dieser unverschämt gut aussehende, charismatische Endfünziger mit seinem rauchzarten, schwarzen Bluestimbre nicht nur weibliche Seelen aufzuwühlen – „Das sind keineswegs nur Frauen bei mir im Publikum: Ich bin ja nicht Howard Carpendale!“ –, sondern ein halbes Orchester täuschend echt zu imitieren weiß. Und obendrein ein Entertainer ist, der auch über die Refrains hinaus stets die Tuchfühlung zum Publikum sucht.

Vielleicht weil die Karriere des Hamburgers so ganz anders verlaufen ist. Keine Casting-Show, kein gutbürgerliches hanseatisches Elternhaus, wo das Erlernen eines Instruments zum guten Ton gehört: Irgendwann bekam der Junge aus dem alten Arbeiterviertel Barmbek eine Klampfe in die Hände und ein paar Griffe gezeigt und erkannte für sich, als er anfing mit der Gitarre auf der Straße alte Dylan-Songs nachzuspielen: „Sing‘ die Songs, die du gern machen willst und bleib‘ bei dir und deinen Geschichten.“

Und so erzählt der ehemalige Reifenhändler bis heute mit leuchtenden Augen ebenso gern von jenen Zeiten, als er mit seinen Kumpels Joja Wendt und Rolf Claussen samt rollendem Klavier und Teekisten-Bass über Straßenfeste zog wie auch von den Tagen, als Gwildis im Hamburger Hafen arbeitete: „Da gab es einen Burschen, der immer ganz klare Sätze gesprochen hat“, erinnert sich der Musiker. „Und wenn es um politische oder religiöse Fanatismen ging, hatte der einen geilen Satz: Mach‘ mal wie du meinst, aber fall‘ den anderen nicht auf den Sack, dann kommen wir schon prima miteinander aus.“ Klare Worte, die auch eine gute Präambel für „eine Art Hausordnung“ für dieses Land wären, sinniert der Musiker: „Das wäre eine Ansage für die Menschen, die glauben, sie könnten die Sprüche von 1933 bis 1945 neu bringen, ebenso wie für jene, die hierher kommen und andere überzeugen wollen, dass es geiler ist, sich eine Burka oder einen Turban anzutüdeln.“ Gwildis, der Polit-Sänger?

Zweifellos nicht, der Mann ist und bleibt ein Bauch-Mensch. Einer, der ins Schwärmen gerät, wenn die Sprache auf seine Lieblingsinsel Sylt kommt – nicht wegen der Schickis und Mickis dort, sondern ob der Natur: „Wind und Wetter zu spüren, die Gewalt der Natur und des Meeres zu erleben, das fasziniert mich am meisten“, erzählt Mr. Soul. „Man steht ja oft am Meer, starrt einfach hinein und lässt alles schweifen – und weiß im Grunde intuitiv: Stammesgeschichtlich sind wir da alle irgendwann mal rausgekrabbelt.“

Rausgekrabbelt ist das kernige, leicht zerknautschte Mannsbild inzwischen auch selbst – und zwar aus der Ecke der „verdeutschten“ Soulklassiker von Otis Redding bis Marvin Gaye, mit denen vor bald anderthalb Jahrzehnten seine Karriere jenseits der Hamburger Stadtgrenzen begann. Und die ihn doch bis heute immer wieder mal Ausflüge zu anderen Projekten unternehmen lässt: Sei es zur „Auto Auto!“-Percussion-Show, wo er mit Kumpel Claussen einem alten Opel Kadett E kunstvoll im Samba-Rhythmus und Swing die Motorhaube zerbeult, Scheiben zertrümmert und im Takt den Heckwischer schrubben lässt; oder auch auf der Bühne, wo die beiden ihre alten Straßentheaterzeiten neu aufleben lassen.

So dass am Ende für ihn das große Glück im Kleinen steht – wichtig sei allein, dass der Groove stimme. „Das kann beim Musizieren wie beim Sex sein oder auch wenn ich mit meinem Sohn Friedrich zusammen herumflachse: Auch das bekommt dann so einen schönen Groove, den ich klasse finde.“ Und ansonsten halte er sich an „die Hamburger Formel: Einmal zum Hafen gehen, auf’n Poller setzen, Schiffe gucken und Schnauze halten – da kommt dann schon etwas anderes bei raus“. Bei Gwildis garantiert Authentisches.

Von Christoph Forsthoff

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