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Regional Status Quo kommt mit viel Schwung in die Garde
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19:00 05.07.2017
Gitarrist und Sänger Francis Rossi (67, links) rockt gemeinsam mit dem neuen Gitarristen Richie Malone (Mitte) und Altkumpel John Rhino Edwards. Quelle: Andreas Weihs

„Ich war nicht bereit für das hier. Rick Parfitt war 50 Jahre lang Teil meiner Geschichte. Zweifellos die längste Beziehung meines Lebens“, sagt Francis Rossi. Ausgerechnet zu Weihnachten 2016 verlor sein langjähriger musikalischer Partner, der Sänger, Gitarrist und Songschreiber, seinen Kampf gegen den Sensenmann. Der hatte ihn zu der Zeit schon mehrfach verwarnt. Doch Parfitt konnte es nicht lassen, er lebte expressiv, immer auf der Überholspur und am Limit. Da blieb nicht nur gesundheitlich einiges auf der Strecke, auch innerhalb ihrer Band gab es Spannungen. „Da war so viel Druck auf unserer Beziehung. Wir sind älter geworden und haben uns auseinandergelebt“, erinnert sich Rossi.

Rossi und Parfitt gründeten Status Quo Anfang der 1960er Jahre. Waren ihre ersten Produktionen noch psychedelisch beeinflusst, schwenkten sie alsbald über in den Blues in Richtung Hard Rock, um dann im stampfenden Boogie-Rock (und ein wenig Pop) ihre musikalische Bestimmung zu finden, die bis heute ihre Gültigkeit besitzt. Status Quo kann man in vielerlei Hinsicht als zeitlose Konstante bezeichnen, nur wenige Umbesetzungen unterbrechen die makellose Historie dieser neben der Queen und Fußball wohl bekanntesten Institution des Vereinigten Königreiches. Wie kaum eine andere Band prägten sie mit ihrem Gute-Laune-Rock einen Sound, der so erfolgreich wie einfach ist – und sich in all den Jahren kaum veränderte. Status Quo stehen für Beständigkeit in der Rockmusik und den „3-Riff-Boogie“.

„Wir sind nie den Trends oder kurzlebigen Moden hinterhergerannt, und so kamen wir nie aus der Mode“, sagt Rossi, der den Vorwurf entkräftet, die Band hätte sich in all den Jahren nicht entwickelt: „Das ist nicht richtig. Wir haben uns entwickelt, aber wir haben uns nicht verändert. Es ist die Art, wie wir die Songs arrangieren. Heute beherrschen wir unsere Instrumente viel besser als früher, wir sind aber immer noch eine Rockband und machen das, was wir schon immer getan haben. Nur besser.“

Das Konzept hat sich zweifelsohne bewährt! Heute kann die Kapelle auf die meisten Rekorde im Musikbusiness verweisen, stehen sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Immer schneller, höher, weiter. Oder, wie es Francis Rossi gern ausdrückt: „Mehr!“ Dieses „Mehr“ ist schließlich auch die Kernfrage, denn schon längst könnten sich die Musiker auf ihr Altenteil zurückziehen, die Bühne, das ganze Musikgeschäft, das Rossi in vielen Bereichen als unehrlich und verlogen bezeichnet, links liegen lassen.

Francis könnte in seinem Garten bei einer Tasse Tee sitzen und gelegentlich die Hecke schneiden oder den Rasen stutzen. „Das ist genau das, was ich tue, wenn ich zuhause bin!“ Aber da ist noch das Livespielen, ohne das es nicht geht. „Ich mache Musik, seitdem ich zwölf bin, damit kann man nicht einfach aufhören. Ich bin süchtig nach der Bühne.“ Aber er räumt auch ein, dass er das nicht ewig machen kann. „Ich werde es wissen, wann dieser Punkt erreicht ist.“ Und so lange wird Quo auch noch gemeinsam Musik machen und Konzerte geben. Müßig die Frage nach dem Ende.

Die Entscheidung, den Quo-Zirkus auch nach dem Tod Parfitts weiter rollen zu lassen, schreibt Rossi den Fans zu: „Es geht immer darum, den Fans zu geben, was sie wollen. Also haben wir weitergemacht.“ Und er fügt hinzu: „Das zeigt unbarmherzig, dass jeder ersetzbar ist.“ Jetzt steht also der irische Gitarrist Richie Malone an der Stelle, wo einst Parfitt an den Saiten rockte. „Richie ist ein toller Gitarrist, und er passt wunderbar in die Liveband. Mit ihm zogen plötzlich wieder alle am gleichen Strang und da ist eine solche Energie. Er hat der Band einen mächtigen Kick gegeben“, schwärmt Rossi über den Neuzugang.

Das ist natürlich aber noch nicht alles. Eine Absage der Konzerte käme der Band teuer zu stehen. „Es gab Leute, die sagten: Ihr hättet die Tour stoppen müssen. Aber wir haben nicht mehr die Siebziger, als du alles anhalten konntest, und nichts ist passiert.“ Shows dieser Größenordnung sind heutzutage hoch versichert. Da ist eine Unmenge Geld im Spiel, das niemand verlieren möchte. Und so zieht Status Quo noch einmal elektrisch und Boogie-stampfend um die Welt, zur Freude ihrer Fans.

Aber Achtung: Die ersten akustischen Shows sind schon gebucht.

Status Quo: The Last Night of the Electrics“ am 10.Juli in der Jungen Garde
Status Quo: The Last Night of the Electric

Von Andreas Weihs

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