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Start in die 15. Spielzeit - Das Dresdner Societaetstheater und sein Programm

Start in die 15. Spielzeit - Das Dresdner Societaetstheater und sein Programm

Andreas Nattermann strotzt vor Vorfreude auf die Jubiläumsspielzeit. Einerseits hat der Intendant des Dresdner Societaetstheaters einen spannenden Spielplan im 15. Jahrgang der Neuzeit vorzustellen, andererseits eine Rekordsaison hinter sich.

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Drei Mitglieder der iranischen Theatergruppe Paradata, die am Donnerstag im Societaetstheater auftritt.

Quelle: jsn media-art

Fast 24 000 Besucher bescherten dem Haus 2012/13 einen Rekorderlös beim Kartenumsatz von 260 000 Euro. Und die frei darbende Szene, die sich selbst gern den Vornamen Off gibt, konnte hier immerhin rund 350 000 Euro an Gagen, Honoraren oder Produktionszuschüssen erwirtschaften.

Nattermann, als Theaterfachmann im lokalen Kreativwirtschaftsverband aktiv, weiß um den durchschnittlichen Künstlerjahresgewinn: 10 000 Euro pro Kopf - vor Steuern und Sozialabgaben (falls es dafür reicht). Ändern kann er das nicht, aber bei einigen den Notstand mildern. Stetig erobern neue Gruppen wie jüngst Theater la Lune oder Solistinnen wie Johanna Roggan das Terrain, der Wandel zu neuen Theater(misch)formen ist eher als in den sächsischen Stadttheatern zu beobachten. "Die Amplituden beim Zuschauerzuspruch werden geringer", erklärt Nattermann den sanft wachsenden Zuspruch und meint die abnehmende Differenz zwischen vollen Premieren und leereren Folgevorstellungen.

Das Theater, einst in Barockzeiten als erste Bürgerbühne Dresdens errichtet und nach 50 Spielzeiten der 1776 gegründeten Theater-Societaet 1832 aufgelöst, wurde 1999 als wichtigste Dresdner Gastspielbühne für freie Bühnenprofis unter altem Namen schick saniert wiedereröffnet. Ein fixer Etat von 722 000 Euro (im aktuellen Doppelhaushalt um je 50 000 Euro erhöht) und acht fest angestellte Mitarbeiter sichern den ganzjährigen Bühnenbetrieb, der sommers ins Freie hinters Haus schwappt und immer mehr Jüngere, Auswärtige und echte Touristen beglückt.

Gleich bleibt hingegen die kulturelle Programmatik: Zwei eigene Theater- und ein Musikfestival prägen den Spielplan, dazu kommen zahlreiche eigene Produktionen sowie Gastspiele. Plus die Beteiligung als Spielstätte der ausgeprägten Dresdner Festivalitis: Die Jüdische Musik- und Theaterwoche Ende Oktober, die Jazztage Mitte November, die Tanzwoche Ende April und "Off: Dresden" im Juni werden im Haus gastieren.

Blicke in die slowakische und belgische Szene

Spannender klingen da die eigenen Sachen: "szene: Belgien" wartet im April. Zuvor - vom 14. bis 21. September - ist "Off Europa" angesagt, der Jahrgang 2013 hat das Thema "Perform Slovakia" und bietet zehn Veranstaltungen im bekannten Spektrum von Theater, Tanz, Musik, Film und Installation. Eigens zur Vorstellung des Programms kam Cheforganisator Knut Geißler aus Leipzig angereist. Denn er beschert den Dresdnern diesen Zugewinn kultureller Kompetenz: Seit 2008 schwappt das Festival, das 1992 dem Leipzig "Lofft" entsprang, gen Landeshauptstadt. "Es war einfach zu schade, die Künstler nur für eine Vorstellung nach Sachsen zu holen", erklärt Geißler und verhehlt nicht, dass es sich auf mehreren Förderfüßen besser steht.

Zwar befürchtet er einen leichten Interessenabfall gegenüber dem exotischen Thema Türkei im Vorjahr, ist sich aber ganz sicher, die besten Künstler der Landesszene bieten zu können. Eröffnet wird am 14. September mit dem grandiosen Film "Sonne im Netz" aus dem Jahre 1962, beschlossen eine Woche später mit der dynamischen Vier-Personen-Performance "Awkward Happiness" des Studios Matejka. Bis auf eine Ausnahme sind Leipziger und Dresdner Programm gleich.

Davor wartet jedoch ein volles Spielzeitstartwochenende: Heiki Ikkola weilte als Puppenspieldozent im Iran. Dort assistierte ihm Shabab Anousha als gestenreicher Dolmetscher. Nun holt er dessen siebenköpfige Theatergruppe Paradata aus Teheran nach Dresden und zelebriert gemeinsam mit seiner Compagnie "Cie. Freaks und Fremde" den "West-Östlichen Diwan # reloaded" als passenden Soci-Saisonstart am Donnerstag nächster Woche. In der Stückentwicklung ohne den harten Gestus eines Regisseurs werden das gegenseitige Kennenlernen und der Austausch im Mittelpunkt stehen: Persische Weisheit trifft auf dem Neustädter Diwan deutsche Performancekunst. Zwei Tage vor Beginn der letzten Probenwoche wurde per Hammelsprung entschieden, in welche Grundrichtung das Stück driften wird - mehr verrät Ikkola noch nicht. Zu sehen ist das Ganze vorerst drei Mal (5. bis 7. September, je 20 Uhr).

Junges Vorspiel und orientalische Eröffnung

Dazu passend das Doppelgastspiel der schottisch-deutschen Aktionskünstler von Gob Squad in Kooperation mit der Berliner Volksbühne. Sie werden am 6. und 7. September zum "Super Night Shot" mit vier Kameras und vier Animatoren in die Neustädter Nacht ausschwärmen, um nach einer Stunde ihre Aufnahmen von mehr oder minder romantischen Dresdner Liebhabern auf vier Leinwänden gleichzeitig zu präsentieren.

Zum Abschluss des Startwochenendes bastelt Jan Heinke, auch bekannt als Musiker, Komponist und Obertonsänger, in seinem Hauptjob als Instrumentenbauer mehrere Windharfen für den Hofgarten und wird diese Installation am 8. September um 18 Uhr einweihen. Falls der Wind fehlen sollte, bringt er sein Stahlcello fürs Konzert mit. Die Harfen werden hingegen bis Ende Oktober je windiger je höher singen und können bei nächtlichem Sturm durch Abdeckung zum Schweigen gebracht werden.

Die erste klassische Theaterpremiere mit bekannten Gesichtern gibt es zum Abschluss des Startmonats am 28. September: Thomas Stecher inszeniert Felicitas Zellers "X-Freunde" mit Angela Schlabinger, Ulrich Wenzke und Felix Voigt. Sie spielen einen von der "privaten Beruflichkeit geschredderten" unflotten Dreier, der sich voller Inbrunst zu Tode arbeitet.

Quasi als Vorspiel zur Saison wird an diesem Wochenende im ganzen Haus "Sounds of Bronkow" zelebriert. Die vierte Ausgabe des Festivals mit 25 Bands an drei Tagen, das die junge Klangfarbe der erfolgreichen Soci-Dienstagskonzertreihe widerspiegelt, hat all seine 300 Festivalpässe verkauft und kann nur noch für das Abschlusskonzert mit Kim Janssen und "Garda" am Sonntag (18 Uhr) in der benachbarten Dreikönigskirche Restkarten anbieten. Oder man nimmt nachmittags mit das freie Familienangebot im Hofgarten wahr.

@www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.08.2013

Andreas Herrmann

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