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Regional Stadtschreiber Wawerzinek: Dresden driftet von Gut nach Böse
Nachrichten Kultur Regional Stadtschreiber Wawerzinek: Dresden driftet von Gut nach Böse
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09:57 25.04.2016
Der Schriftsteller Peter Wawerzinek („Rabenliebe“) sieht seiner Zeit als Dresdner Stadtschreiber mit gemischten Gefühlen entgegen. Quelle: dpa
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Dresden

Der Schriftsteller Peter Wawerzinek („Rabenliebe“) sieht seiner Zeit als Dresdner Stadtschreiber mit gemischten Gefühlen entgegen. „Sachsens Ruf ist in Gefahr, Dresden kein freundlicher Ankunftsort mehr“, schrieb Wawerzinek in einem Beitrag für den Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntag) mit Blick auf Ausländerfeindlichkeit und Pegida-Demonstrationen. „Die Stadt spaltet sich in Pro und Contra, driftet ab von Gut nach Böse, und es fallen die moralischen Hüllen der Gastfreundschaft, des Takts, des Anstands, der Höflichkeit“.

Der 61-jährige Berliner Autor, Ingeborg-Bachmann-Preisträger von 2010, wird von Juni an sechs Monate lang in Dresden wohnen und arbeiten. Er wolle die Stadt „von unten her erkunden“ und sei „wild darauf versessen, mir die Verhältnisse aus nächster Nähe anzusehen“, schreibt Wawerzinek. „Die Vorurteile sind im Kopf zu klären, gängige Klischees zu überprüfen.“ Seine Erkenntnisse wolle er in Zeitungstexten festhalten und in seine Literatur einfließen lassen.

Der Schriftsteller Peter Wawerzinek will sich als Dresdner Stadtschreiber 2016 mit Pegida, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Sachsen auseinandersetzen. Er werde sich mit einem Kollegen „unter die Leute mischen“, schreibt Wawerzinek im Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntagausgabe). Er wolle herausfinden, „warum man Asylanten hier nicht haben will, wieso bei diesem Thema einigen Dresdnern rasch die sprichwörtliche Gemütlichkeit abgeht, man alle Fremden vertreiben und unter sich zu bleiben sucht“.

Dresden werde derzeit nicht nur von der Elbe geteilt, die Stadt spalte sich auch in Pro und Kontra und drifte ab „von Gut nach Böse“, schreibt Wawerzinek: „Es fallen die moralischen Hüllen der Gastfreundschaft, des Taktes, des Anstands, der Höflichkeit.“

Aus seiner Kindheit und Jugend habe er sehr positive Erinnerungen an Dresden, betont der Schriftsteller. Nun sei jedoch Sachsens Ruf in Gefahr und Dresden kein freundlicher Ankunftsort mehr. Kollegen warf Wawerzinek zugleich Angst und Kleinmut vor. Er sei als Stadtschreiber genommen worden, weil sich für dieses Jahr deutlich weniger Autoren um das Amt beworben hätten als zuvor, schreibt er. Die Bewerberzahl sei von 100 um zwei Drittel auf 33 gesunken. „Da frage ich mich, was ist los mit unseren Schriftstellern.“

Peter Wawerzinek übernimmt das Stadtschreiberamt im Juni. Das sechsmonatige Literaturstipendium wird von der Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden finanziert. Der Stadtschreiber bekommt 900 Euro im Monat und kostenlosen Wohnraum für seine Amtszeit in Dresden. Wawerzinek ist Dresdens 21. Stadtschreiber, 2015 war der Schriftsteller Michael Wildenhain zu Gast in der Stadt.

Von DNN

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