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Regional Stadt Dresden lud zum 80. Geburtstag von Dr. Bernhard Freiherr Loeffelholz von Colberg
Nachrichten Kultur Regional Stadt Dresden lud zum 80. Geburtstag von Dr. Bernhard Freiherr Loeffelholz von Colberg
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17:33 09.09.2015
Bernhard Freiherr von Loeffelholz Quelle: Peter Fiebig

Der, den es zu ehren galt, prägte durch sein Wirken in nunmehr 80 Lebensjahren auch den Kreis der Gäste, nicht nur nach Rang und Namen, sondern vor allem in der Art des Umgangs miteinander. Dr. Bernhard Freiherr Loeffelholz von Colberg, so seine selten komplett ausgesprochene Anrede, ist nicht nur ein Mittler der alten Schule zwischen Wirtschaft und Kultur. Er hat über seine zählbaren Ämter und initiierten Projekte hinaus sich auch wirkliche Freunde erworben. Ein Teil von ihnen fand sich schon am 24. August, drei Tage nach seinem eigentlichen 80.Geburtstag, in Garten und Haus in Radebeul ein. Nun gab ihm die Stadt die Ehre, und rund 60 Künstler, Kulturmanager und Politiker folgten der Einladung.

Für einen Moment schien es zwar, als ob im Gutmann-Saal des Societätstheaters nicht von Loeffelholz im Mittelpunkt stünde. Beim Eintreffen des Ehepaares Biedenkopf musste der Redner unterbrechen, bis Landesmutter a.D. Ingrid Handküsse ins Publikum geworfen und erste Umarmungen getätigt hatte. Dieser erste Redner war Hausherr Andreas Nattermann, der allen Grund hat, sich persönlich beim Jubilar zu bedanken. Der Wiederaufbau des Societätstheaters war sein "Lieblingskind", das größte Förderprojekt der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, mit der Freiherr von Loeffelholz 1991 nach Dresden kam. Noch ein anderer Nutznießer dankte unmittelbar. Der Dresdner Kammerchor wurde durch die Jürgen-Ponto-Stiftung gefördert, und Dirigent Hans-Christoph Rademann ließ es sich nicht nehmen, mit einem Kammerchor des Kammerchores einen der künstlerischen Akzente des Abends zu setzen. So, wie Musiker von Staatskapelle und Philharmonie und Tänzer der Palucca Schule und der Forsythe-Company auch.

Von Jürgen Ponto, dem erklärten Vorbild seines damaligen Sekretärs im Vorstand der Dresdner Bank, war an diesem Abend mehrfach die Rede. Dort baute von Loeffelholz den Bereich Kunst und Wissenschaft auf. Das eben zeichnet den Jubilar aus, "die Verbindung von wirtschaftlichem Pragmatismus und dem Vergnügen am Gedeihen schöner Dinge", wie es Lunau formulierte. Ulf Großmann, Präsident der Kulturstiftung Sachsen, zitierte ihn mit der These, dass Kultur und Wirtschaft nicht voneinander getrennte Welten sein müssten. Von diesem Leitgedanken ist Bernhard Freiherr von Loeffelholz bis heute trotz gewachsener Skepsis beseelt. Die Stationen seines Wirkens klangen dabei nur anekdotisch an, zu erschöpfend wäre eine Aufzählung gewesen. In Sachsen hat er Spuren vor allem als Präsident des Kultursenats, Vorstandsmitglied der Kulturstiftung und Mitglied in zahlreichen Kuratorien, Kommissionen und Fördervereinen hinterlassen.

Ein lebendiges Denkmal hat er sich in Hellerau gesetzt, als er 2003 die Kooperationsvereinbarung zwischen Frankfurt und Dresden, Hessen und Sachsen aushandelte, um den Fortbestand der Forsythe-Company zu sichern und dem Festspielhaus zugleich einen attraktiven Dauergast zu bescheren.

Aber die Geburtstagsgäste wären wohl nicht Sympathisanten des Jubilars, wenn sie nicht auf dessen mahnenden Worte der vergangenen Jahre eingegangen wären. Hans-Joachim Meyer, erster Wissenschafts- und Kunstminister Sachsens nach 1990 und eigens aus Berlin angereist, verglich die DDR mit der heutigen gesellschaftlichen Rolle von Kunst "Der Sozialismus selektierte Kunst nach Parteilichkeit, der Kapitalismus nach Verwertbarkeit", kritisierte er. Und setzte dem ein Loeffelholz-Zitat entgegen: "Die Kunst hat einen Eigenwert, sie erschöpft sich nicht in Effektivität für den Markt!" Der Angesprochene blieb sich und seiner wachsenden Kritik am ethisch kaum noch rückgekoppelten Materialismus auch in seinen Dankesworten treu. Die Zeit kenne nur noch finanzielle Werte, gefördert werde vor allem, was sich rechnet. Dabei müsse jedermann sich darüber klar werden, "was wirklich wichtig ist im Leben". Spürbar ergriffen bedankte er sich nicht nur bei den Gästen, sondern auch für die Möglichkeit, in seinem Leben tun zu dürfen, "was mich wirklich interessiert und begeistert hat". Sich also Kunst und Kultur als den sinnstiftenden menschlichen Anlagen widmen zu können.

Diese Neigung muss dem seit Ende des 14.Jahrhunderts nachgewiesenen, nach einem Waldstück benannten und später in Nürnberg ansässigen Patriziergeschlecht derer von Loeffelholz und Colberg offenbar innewohnen, denn einen Theaterintendanten hat es auch schon hervorgebracht. In der Person des unverändert vitalen Bernhard Freiherr von Loeffelholz "verbindet sich diese Zuwendung mit Zuneigung", wie Ralf Lunau treffend sagte. Man spüre bei ihm "wohltuenden Respekt vor jedem Gesprächspartner". Diesen Respekt und diese Zuneigung durfte der zu Recht Gelobte nun seinerseits genießen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2014

Michael Bartsch

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