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Staatskapelle spielte Wagners "Das Liebesmahl der Apostel" in der Frauenkirche

Staatskapelle spielte Wagners "Das Liebesmahl der Apostel" in der Frauenkirche

Es war nicht anders zu erwarten, und es ist ja auch völlig legitim, dass im Umfeld des 200. Geburtstags von Richard Wagner nicht nur Wagner allgemein in den Mittelpunkt des Dresdner Musiklebens gerückt wird, sondern ein besonderer Akzent auf jenen Werken liegt, die in Dresden entstanden sind oder eine besondere Beziehung zu Dresden haben.

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Voller Klang: Wagners "Das Liebesmahl der Apostel" erklang in der Frauenkirche.

Quelle: Matthias Creutziger

Und ebenso legitim ist, dass sich vor allem die Sächsische Staatskapelle der Werke Wagners annimmt, denn er war 1843 zum Königlich Sächsischen Kapellmeister an der Dresdner Oper (neben C.G. Reißiger) ernannt worden. Die Kapelle hat sich also mit dieser Arbeit auch mit einem Stück ihrer eigenen Geschichte intensiv befasst.

Bei diesem ersten Geburtstagskonzert lag der Schwerpunkt auf Chorwerken, genauer gesagt auf Werken für Männerchor. Das zwingt natürlich zur Aufführung einer der monumentalsten Chorkompositionen Wagners, des Oratoriums "Das Liebesmahl der Apostel", von Wagner als biblische Szene für Männerstimmen und großes Orchester bezeichnet und unter seiner Leitung im Juli 1843 in der Frauenkirche uraufgeführt.

Die Aufführung eines Werks an dem Ort, für den es entstanden ist und an dem es auch uraufgeführt wurde, hat einen besonderen Reiz, weil damit Musikgeschichte klingend und in annähernder Originalgestalt reproduziert wird. Zu unserem Glück betrug die Zahl der Sänger nicht 1200 wie 1843, aber von den Herren aus sieben Chören in Dresden, Leipzig, Prag und Brünn mit der hervorragenden Gesamteinstudierung durch Pablo Assante ging immerhin genügend Wucht aus, um dem Werk vollauf gerecht zu werden. Trotzdem bestand Anlass zur Sorge. Als vor fast genau fünf Jahren Marc Minkowski das "Liebesmahl" an gleicher Stelle und mit vergleichbarer Besetzung dirigierte, gab es lange Passagen, in denen alles in unsensiblem Fortissimogetöse geradezu absoff. Christian Thielemann ist allerdings ein Dirigent mit offensichtlich anderem ästhetischem Ansatz und zeichnete sich durch Vorsicht und Zurückhaltung aus. Dadurch gelang es ihm, die tückische Raumakustik zu überwinden und auch im zweiten Teil, in dem das Orchester mitspielt, den Gesangsstimmen den ihnen angemessenen Vorrang einzuräumen. Nur in seltenen Ausnahmefällen und nur für kurze Zeit überdeckte das Orchester die Chöre.

Allerdings müssen auch dezidierte Wagner-Fans einräumen, dass sie beim "Liebesmahl" ein leichtes Unbehagen erfasst. Es ist weder musikalisch noch textlich ein bedeutendes Werk und offenbart seine Mängel um so deutlicher, je besser die Aufführung ist. Besser als mit der Staatskapelle und Thielemann wird man es kaum hören können, und folglich werden da die Schwachstellen besonders schnell erkennbar. Noch übertroffen werden die aber in dem Festgesang "Der Tag erscheint". Da paaren sich Königstreue und ein verkorkster sächsischer Patriotismus. Dass der Text nicht von Wagner, sondern von Christoph Christian Hohlfeld stammt, ist das Beste, was man von diesem Werk sagen kann. Aber dass Wagner diesen würdelosen Untertanenschwachsinn überhaupt vertont hat, offenbart einen Mangel an Charakter. Ein paar Jahre später stand er in Dresden auf der Barrikade, was gern als Zeichen eines Kampfs um Demokratie stilisiert wird. Aber noch ein paar Jahre später konnte ihm das finanziell so einträgliche Verhältnis zu König Ludwig II. von Bayern gar nicht eng genug sein. Klarer kann Selbstsucht kaum zutage treten.

Ein Werk des Programms stammte nicht von Wagner, hat aber eine Beziehung zu ihm. In Felix Mendelssohns Sinfonie Nr. 5, der so genannten Reformationssinfonie, wird ein Motiv intoniert, das Wagner in seinem "Parsifal" bis zum Überdruss zitiert, das "Dresdner Amen". Auch hier ließ Thielemann mit großer Noblesse musizieren, so dass der Schlusssatz mit Luthers Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" nicht in dickem Bekenntnisqualm erstickte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2013

Peter Zacher

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