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Staatskapelle lässt zu Wagners 200. Geburtstag seine Dresdner Werke erklingen / Public Viewing vor der Oper

Staatskapelle lässt zu Wagners 200. Geburtstag seine Dresdner Werke erklingen / Public Viewing vor der Oper

von Richard Wagner gefeiert, so auch an der wichtigen Wirkungsstätte in Dresden. Nachdem im ersten Geburtstagskonzert der Sächsischen Staatskapelle in der Frauenkirche Wagners unbekannteres Chorwerk erklang (DNN berichteten), war das Konzert am Vorabend des Geburtstages seinen Opern gewidmet.

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Das Konzert in der Oper wurde auf den Theaterplatz übertragen.

Quelle: Christian Juppe

Allerorten wird der 200. Es tat gut, dass man sich nicht für ein trendiges Arienpotpourri entschied, sondern ein anspruchsvolles, dennoch die "Highlights" vereinendes Programm aus den Dresdner Werken zusammenstellte. Medial in alle Welt übertragen, war das Konzert nicht nur logische Chefsache für Christian Thielemann, mit Jonas Kaufmann gratulierte auch noch einer der brillantesten Wagner-Sänger unserer Zeit. Feierlichkeit und Festlichkeit bestimmten den ganzen Abend, der nicht zur prätentiösen Gala geriet - vielmehr präsentierte die Kapelle schon zu Beginn mit einer fulminanten "Holländer"-Ouvertüre ein musikalisches Gratulationsschreiben der geschliffenen Art. Der in Dresden uraufgeführten, heute selten erklingenden Faust-Ouvertüre folgte "Rienzi", wohl der besseren Wirkung wegen hatte man die Ouvertüre nach der Arie platziert. Als profunde Kenner der Materie war es Orchester und Dirigent eine sichtliche Freude, die jeweilige Charakteristik der Themen, Übergänge und Steigerungen in den Stücken auszuformen und dabei stets klangliche Feinheiten im Auge zu behalten. So ließ Thielemann die thematischen Verschlingungen im Lohengrin-Vorspiel nicht verwischen, sondern forderte Präsenz in den Streichern; er rundete Schlussakkorde sauber ab und vermied hohlen Schlachtenlärm in der Rienzi-Ouvertüre - das ist Wagner auf hohem, fast luxuriösem Niveau.

Die Einbettung eines Werkes von Hans Werner Henze war eine posthume Ehrung des Capell-Compositeurs, die mit der Auswahl von "Fraternité" (1999) auch musikalisch passend geriet. Unterschwellig spürte man in diesem Stück Henzes intensives Abarbeiten an einem eben nicht klar vor Augen stehenden und nur im Titel eindeutig benannten Ziel - in musikalischen Visionen scheinen beide Komponisten merkwürdig vereint. Jonas Kaufmann hatte mit dem Gebet des Rienzi, der Gralserzählung aus dem "Lohengrin" (hier in der zweistrophigen Dresdner Urfassung) und der Rom-Erzählung aus dem "Tannhäuser" drei große Szenen zu gestalten. In allen diesen Monologen hinterließ Kaufmann beim Zuhörer das Gefühl, das Vorher und Nachher in der Oper just miterlebt zu haben, so intensiv und von authentischer Leidenschaft geprägt war sein Gesang. Christian Thielemann schaltete zum Finale noch einen Gang hoch und musizierte den abschließenden "Einzug der Gäste" samt Staatsopernchor ausgelassen - die Beifallsstürme für Kaufmann und Thielemann wollten nicht enden.

Alexander Keuk

Es war ein schöner, ein unaufgeregter Abend, den sich die Staatskapelle als Begleitmusik fürs feierwillige Volk auf dem Theaterplatz einfallen ließ, zur Ehre jenes Richard Wagner, der hier im Dienste des Königs stehend gegen Adel, Geld und Wahlunrecht wetterte, auf Barrikaden stieg, Schulden machte, sich Muße per Musenküssen zuhauf holte und auch sonst so in Nichts wirklich als Vorbild taugt - außer in seinem musikalischen Genius. Das wurde bei der Vorstellung seiner Dresdner Opern von Dramaturg Tobias Niederschlag deutlich, mit der der Abend begann.

Dem informativen Vorspiel folgte der kritische Part. Jenen übernahm - und lockte rund siebentausend Leute in herrlich loderndes Abendrot - Olaf Schubert. Mit Fliege, aber Pullunder unterm Frack, rechnete er in seiner Art mit dem Mythos ab: "200 Jahre Wagner - dabei hat er davon 130 gar nicht aktiv gewirkt - also 70 Jahre Wagner, das ist wie 500 Jahre Merkel oder 700 Jahre Orosz". Höhepunkt ein Live-Kommentar in Fußballmanier zu einem "Lohengrin"-Video-mitschnitt "in drei Halbzeiten", zusam-mengerafft auf zehn Minuten: "Finde ich immer noch ziemlich lang", so der smarte Lachmuskeltrainer, der danach mit Interviews in der Oper für Furore sorgte und seine dank TV-Abhärtung gewachsene Souveränität demonstrierte.

Danach das Konzert, in der Pause mit dem Opernchor schon das Einstimmen aufs Geburtstagsständchen. Pünktlich zum vorletzten Stück läutete der Hausmannsturm zur elften Stunde. Nach der Zugabe wartete Gesangspart zweiter Teil, rund zweieinhalbtausend Dresdner trotzten da noch der trockenen Kühle, aber für kraftvolles Mitsingen war der Chor der Ritter, der Edlen und der Edelfrauen aus "Tannhäuser" dann doch zu komplex in Melodie und Text.

Hier hätte eine weitere Schubertiade vielleicht gutgetan, aber der schwelgte woanders. Doch dann kamen erstaunlich schnell die beiden Stars des Abends auf die äußere Bühne - und das über den weiten Platz verstreute Publikum strömte heran: Jonas Kaufmann und Christian Thielemann, die drinnen soeben im Schlussapplaus noch mehrfach gemeinsam aufs Dirigentenpodest sprangen, spielten sich draußen vor der Tür die Komplimente wie Bälle zu. Und vergaßen dabei nicht, die gastgebende Musikstadt zu loben. Thielemann, geborener Entertainer mit gepflegtem Berliner Dialekt, bezeichnete Dresden gar als wichtigsten Ort der Musikgenese, dessen Aura man schon spüre, wenn man am Weber-Denkmal vorbei zur Probe müsse.

Noch einen Bonus hatten die Freiluftlauscher: Die technische Realisation der Übertragung in Bild und Ton gelang äußerst souverän. Auch ganz ohne Absperrungen, Umleitungen und in gelassenem Rahmen war dies ein gelungener Vorabend. Das angekündigte Hineinfeiern in den 200. Geburtstag hinein gelang im allseitigen Einvernehmen nicht, zwanzig Minuten vor Mitternacht war Feierfeierabend.

Selbst Maestro Thielemann wollte nur schnell "raus aus dem nassen Sacko" und rein ins Auto - nach Bayreuth.

Andreas Herrmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.05.2013

A. Keuk / A. Herrmann

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