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St. Paul & The Broken Bones kommen in den Beatpol Dresden

Ab sofort Brandgefahr St. Paul & The Broken Bones kommen in den Beatpol Dresden

Reinrassige Soulkonzerte sind selten in Dresden. Umso schöner ist es, dass jetzt nach dem grandiosen Auftritt der US-Amerikaner Vintage Trouble Ende Juni schon der nächste hochkarätige Auftritt ansteht. St. Paul & The Broken Bones kommen...

Kommen aus Birmingham, Alabama, spielen im Beatpol: St. Paul & The Broken Bones

Quelle: Foto: PR (David Mclister)

Dresden. Zwei Soulkonzerte in Dresden innerhalb von nicht einmal vier Wochen – fette Beute für die geschundenen Seelen dieser Fangruppe. Der Seltenheitswert lupenreiner und hochklassiger Soul-Gigs führt dazu, dass man sich im Lager noch jahrelang davon erzählt. Motto: „Weißt du noch? Curtis Harding im Beatpol!“ Oder: „Schön, dass wir Sharon Jones noch gesehen haben auf ihre späten und, wie sich herausstellen sollten, letzten Tage!“ Geht auch mit Charles Bradley, nur mit dem Unterschied, dass er gottlob noch lebt.

St. Paul & The Broken Bones sind gerade zu neuem Leben erwacht. Erst ihre zweite CD und die daran geknüpften Touren zeigen die wahren Potenzen dieser Band aus Birmingham/Alabama. „Sea Of Noise“ ist Ende letzten Jahres erschienen und präsentiert nunmehr eine achtköpfige Besetzung. Der sich zuvor etwas einsam fühlende Trompeter Allen Branstetter hat zwei Bläserkollegen an die Seite bekommen: Jason Mingledorff (Saxophon, Klarinette, Flöte) und Chad Fisher (Posaune). Jetzt zündelt es nicht nur, ab sofort brennt es.

Es ist ein wenig so, als ob St. Paul & The Broken Bones den Titel ihrer Debüt-CD selbst falsch verstanden hätten. „Half The City“ von 2013 hätte auch „Half The Band“ heißen können. Und es meint nicht nur die Personalkonstellation. Denn vor allem Sänger Paul Janeway hat mächtig angezogen. Der hochbegabte Interpret hat vor allem auch durch die Bühnenauftritte Tiefe bekommen, Struktur und Gestaltungswillen.

Das Schöne dabei ist, dass Janeway weiß bleibt. Weder in Gesten noch im Stil äfft er die großen schwarzen Vorbilder nach, sondern hält sich eher an seine farbgleichen Kollegen, die den Soul zeitig zu ihrem Ding geformt haben und auf ihre sehr eigene Art gebrauchen. Van Morrison steht da ganz vorn, und wenn St. Paul dessen „I’ve Been Working“ in einer flitzenden Version mit pulverisierendem Posaunensolo bringen, dann ist das völlig korrekt. Ein Rockpalast-Mitschnitt vom 2016er Haldern-Pop-Festival im Netz mag als Beweis und Vorgeschmack ausreichen.

Nun sind sie also mit „Sea Of Noise“ im Beatpol. Der Schweiß vom Auftritt des Quintetts Vintage Trouble ist noch nicht ganz trocken zwischen den Säulen und im guten Sinne kann man die Einladung an alle aussprechen, die am Abend dieses 25. Juni Soul goutiert hatten. Auch St. Paul & The Broken Bones – neben Janeway, Mingledorff und Fisher noch mit Jesse Phillips (Bass), Browan Lollar (Gitarre), Al Gamble (Keyboards) und Andrew Lee (Drums) in ihren Reihen – gelingt eine famose Musikalität durch Handwerk, Gefühl und Ansage. Wenn sie also eher Van The Man, Nathaniel Rateliff & The Night Sweats oder auch – kein Affront – Mick Hucknalls Simply Red nahestehen, weiß man, dass das mit dem Handstand auf der Bühne oder dem Springen von selbiger nicht so gut funktionieren wird wie jüngst bei Ty Tyler. Sieht schnell auch peinlich aus, einem Schwarzen kauft man das immanente Pathos von Soul und Gospel einfach leichter ab.

Paul Janeway prägt diese Band. Gut, dass er diese Position jetzt annimmt. Mit aufregend leicht belegter Stimme singt er Lieder, die ihre Motown-/Detroit- und Stax-/Memphis-Vorbilder nie verleugnen. Janeway kann auch schreien. Kann überhitzen. Kann auch feinste Balladen angemessen langsam und für die Verschlüsse der Wonderbras im weiblichen Publikum singen, schluchzen, leiden. Die Chöre und Streicher, ebenfalls typisch für Soul auf Platte, passen St. Paul & The Broken Bones auf Anhieb. Live werden sie fehlen, doch nicht wirklich.

Produzent Paul Butler (The Bees, Devendra Banhart) wusste nur, was er der Band Gutes antun konnte. Denn das erste Album wurde noch live im Studio eingespielt. Viel zu schnell, will man behaupten, denn die Band war nach fünf Monaten noch am Suchen und Finden, „Das war nicht falsch“, meint Paul Janeway rückblickend, „aber das war erst der Anfang. Was bis heute geschah, ist für mich sehr organisch. Das mit der ersten Platte fühlte sich an, als stünden deine Haare in Flammen: rein ins Studio, aufnehmen, raus! Es ist wie eine Art Notfall, so eine Platte zu machen. Ich kannte ja nicht mal meine Stimme, wusste nicht, was möglich ist. Ich hatte noch nie professionell aufgenommen bis dahin. “

Jetzt führt er die Lieder straff ins Auf und Ab, links und rechts hin zum Publikum, von tief drinnen aus ihm heraus. Es war wie ein Neuanfang. Auch beim Texten und Komponieren, schließlich ist Janeway mit einer Frau verheiratet, die einen Master in Literatur hat. Da müsse er aufpassen beim Zeigen von seinen Entwürfen…

Schönes Janeway-Zitat noch am Schluss: „Ich liebe die Rolling Stones, aber meine Gedankengänge gehen eher in eine andere Richtung: Scher‘ dich raus und versuche, sie von der Bühne zu blasen…“

St. Paul & The Broken Bones, Donnerstag, 21 Uhr, Beatpol

Von Andreas Körner

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