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Spannend bis zum Schluss: Robert Trevino leitete dieDresdner Philharmonie

Spannend bis zum Schluss: Robert Trevino leitete dieDresdner Philharmonie

Es ist wie der Fluch der guten Tat, dass in Dresden stets die 2. Sinfonie von Sergej Rachmaninow gespielt wird, weil Rachmaninow sie ja in Dresden komponiert hat. Also geht man bereits mit Skepsis in die nächste Aufführung, die diesmal die Dresdner Philharmonie im Albertinum darbot.

Dresden. Doch dies war unbegründet, denn das Konzert unter Leitung von Robert Trevino lieferte ein fesselndes Erlebnis dieses Stückes. Und vor der Pause kam noch ein weiteres mit dem Konzert für Harfe und Orchester op. 25 von Alberto Ginastera hinzu.

Die Begegnung mit der Musik des argentinischen Komponisten war durchaus überraschend. Das in den 1960er Jahren entstandene Stück bezieht sich zwar auf lateinamerikanische Rhythmen, doch ist es darin keinen Moment anbiedernd und Ginastera folgt keiner Mode, um es dem Hörer recht zu machen. Hier gab es Eigenständiges zu hören, reich an Stimmungen und Kontrasten. Ideal offen gelegt wurden sie von der Solistin Marie-Pierre Langlamet, der Soloharfenistin der Berliner Philharmoniker, deren Interpretation virtuos mit allen Nuancen im Stück spielte. Der Beginn schärfte die Sinne unmittelbar und Langlamet und Trevino erlaubten beim Hören keinen Augenblick des Abschweifens mehr. Die Korrespondenz mit dem Orchester, die Spannung im Spiel der Solistin überhaupt, die dynamischen Feinheiten und lebhaftesten Bewegungen verbanden sich zu großem Ausdruck. Und auch mit einer Begleitung im herkömmlichen Sinn war es nicht getan. Trevino setzte mit der Dresdner Philharmonie den Orchesterpart ganz adäquat in Szene.

Leichter als erwartet gestaltete sich der stilistische Sprung zurück zur spätesten Romantik. Robert Trevino zog in Rachmaninows Sinfonie e-Moll von Beginn an intensive, weiteste inhaltliche Bögen. Nicht nur die Spannung, mit der er das Thema vorbereitete, war bemerkenswert. Die genauen Akzente, die immense Steigerung und die Lösung im ersten Satz, nicht zuletzt die Mühelosigkeit der Übergänge zeigten, wie eingehend hier gearbeitet worden war. Weit über das rein Motorische hinaus ging der zweite Satz, großer Ernst und tiefer Atem prägten das Adagio. Trevino kam hier ohne jede Ironie aus. Und auch im Finale erhielt der Dirigent die Spannung, erfrischt, fast leicht begann er hier. Am Schluss stand eine wahre Kulmination, der es bei aller Stärke nicht an Klangpracht fehlte. Die Philharmonie so zu hören, war die reine Freude: Die Fülle der Klangfarben ganz ausgebreitet, ein tadelloser Holzbläser- und Hornsatz, viele sehr gelungene Soli. Und Trevinos Rachmaninow-Interpretation, die alle Fallstricke des Trivialen oder Sentimentalen vermied, vermochte ganz zu überzeugen.

von Hartmut Schütz

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