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Späte Ehrung: Hartmut Haenchen ist Ehrendoktor der Musikhochschule Dresden

Späte Ehrung: Hartmut Haenchen ist Ehrendoktor der Musikhochschule Dresden

"Manchmal trifft es auch den Richtigen", raunte Pianist Peter Rösel dem soeben Ausgezeichneten zu. Am Mittwochnachmittag verlieh die Dresdner Musikhochschule ihrem ehemaligen Studenten und späteren Professor Hartmut Haenchen die Ehrendoktorwürde.

Der weltbekannte Dirigent ist nach Peter Gülke, Joachim Herz und Helmut Lachenmann der vierte Musiker, dem diese Ehre zuteil wird.

"Es ist die erste Auszeichnung aus Sachsen" stellt Haenchen mit dem ihm eigenen hintergründigen Lächeln fest, ohne die Vielzahl seiner internationalen Preise aufzählen zu müssen. Sowohl Hochschulrektor Prof. Ekkehard Klemm als auch der Geehrte selbst verneinen, dass der Gedanke der überfälligen Genugtuung bei der Verleihung eine Rolle spielte. Der Rektor stellt die über seine Dirigate und Musikproduktionen hinausgehenden musikwissenschaftlichen Verdienste Haenchens in den Vordergrund. Voraussichtlich in diesem Oktober, also noch im Jahr seines 70.Geburtstages, werden seine gesammelten Schriften unter dem Titel "Werktreue und Interpretation" erscheinen. Denn Hartmut Haenchen gilt als ein besonders gründlich Quellen recherchierender und ebenso sorgfältig probender Maestro. Als "Typ des wissenden Dirigenten", wie es Prof. Matthias Herrmann für die Promotionskommission formulierte.

Der Ausgezeichnete, der 20 Jahre in den Niederlanden verbrachte, ist auf eine Ehrung aus Sachsen nicht angewiesen. Aber sie bedeutet ihm schon sehr viel in seiner Heimatstadt, in der ihn der Kreuzchor und Rudolf Mauersberger prägten. In der er aber auch als nonkonformer Student in den 1960er Jahren zweimal vor der Exmatrikulation stand. Haenchen aber eckte nicht nur in der DDR an. Bis heute ist der Umgang Dresdens mit ihm ein höchst ambivalenter. Mit seinem Durchsetzungsvermögen rettete er in der Ära von OB Ingolf Roßberg als deren Intendant die Musikfestspiele. Und erst fünf Jahre nach dieser Ära bekam er in diesem Jahr erstmals wieder ein Konzert bei den Musikfestspielen. Aus der CDU trat er wegen des Eklats um die Waldschlösschenbrücke und das Welterbe aus.

Außer der Grünen-Fraktionschefin Christiane Filius-Jehne hielt es kein Vertreter der Stadt für nötig, bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde zu erscheinen. Vielleicht ahnte man, dass sich Hartmut Haenchen auch diesmal treu bleiben würde. In seiner Dankesrede sorgte er sich um humanistische Bildung und den Ersatz von Kunst durch Event und Starrummel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.09.2013

Michael Bartsch

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