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Regional Societaetstheater und Partner wollen die Dresdner Plattensiedlung aufwerten
Nachrichten Kultur Regional Societaetstheater und Partner wollen die Dresdner Plattensiedlung aufwerten
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18:50 21.09.2017
Brit Magdon, seit 1999 künstlerische Programmleiterin im Societaetstheater, hat ihren Erzählteppich schon mal geschultert. Quelle: Klaus Gigga
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Dresden

Während der Vorstellung des Societaetstheater-Langzeitprojektes „Zu Hause in Prohlis“ laufen im Hintergrund Schmalfilme aus der Zeit der „Besiedlung“ vor 40 Jahren. Darunter Feste und Feiern der Hausgemeinschaft Boxberger Straße 13. Die Platte war begehrt damals, und die Gesichter spiegeln einen Begriff, der heute im Duden als „veraltend“ markiert werden müsste: Lebensfreude. Nach 1990 hat der Stadtteil „Transformationserfahrungen“ durchgemacht, wie sich Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) diskret ausdrückt. Der Segregationsprozess ließ in den Platten-Randsiedlungen überwiegend Geringverdiener und Sozialfälle zurück, Flüchtlinge kamen hinzu.

Wenn nun das Societaetstheater sein hübsches Domizil in der Inneren Neustadt verlässt und in einem bewundernswerten Zweijahresprojekt auf Prohlis zugeht, habe das nichts mit einer kulturellen Missionierung zu tun, betont Geschäftsführer Andreas Nattermann. „Prohlis ist kein unterentwickeltes Terrain“, formuliert er. Eine Zweigbibliothek, das Palitzsch-Museum mit der Außenstelle der Jugendkunstschule, eine Galerie, etliche Vereine oder das Netzwerk „Prohlis ist bunt“ zählen auf jeden Fall. Es fehle aber vor allem an Räumlichkeiten, wo sich Aktivitäten und kulturelles Leben konzentrieren könnten, sagt Nattermann. Zwei kleine neue Zentren laden im Zuge des Projektes nun ein. Für zehn Tage wird ein Theaterzelt am Albert-Wolf-Platz aufgebaut. Und schon am vergangenen Wochenende öffnete zunächst für zwei Jahre das KIEZ in der ehemaligen Eisdiele des Prohliszentrums an der Prohliser Allee. KIEZ steht für „Kultur im Einkaufszentrum“.

Die Kulturbürgermeisterin stellte die mit reichlich 4000 Euro nicht allzu üppig ausfallende Förderung der Stadt in größere Zusammenhänge. Die Entwicklung der Peripherie gehöre auch zur Fortschreibung des Kulturentwicklungsplanes, erinnerte Annekatrin Klepsch. Vor allem aber sind Nachhaltigkeit und kulturelle Teilhabe wesentliche Kriterien für die Bewerbung um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2025. Die Prohliser Quartiersmanagerin Katrin Lindner sieht in dem Projekt „eine große Chance für den Stadtteil“ und denkt dabei vor allem an die alteingesessenen Prohliser, die ihm seit 40 Jahren die Treue halten. „Es gibt viele Ideen, die Räume und Unterstützung brauchen“, fügt sie hinzu. Zumindest 2000 Euro kommen aus dem Programm „Soziale Stadt“ der Städtebauförderung des Bundes.

Und was macht „Zu Haus in Prohlis“ konkret? Andreas Nattermann vom Societaetstheater spricht zunächst vom Kennenlernen und von der Entwicklung einer Vertrauensbasis. Anfangs sei man noch auf Skepsis gestoßen, aber zur KIEZ-Eröffnung am vergangenen Sonnabend sei schon viel Neugier und Freude zu spüren gewesen. Allein bis Ende Oktober sind 60 Veranstaltungen geplant. Weniger Kunst-Konsum als Mitmachkultur. Einige bemerkenswerte Vorhaben wurden gestern vorgestellt. Brit Magdon, sonst eine Institution am Societaetstheater, wird mit dem Erzählraum e.V. auf dem Fliegenden Teppich durch Prohlis geistern an Orte, „wo das Wünschen noch hilft“, Geschichten sammeln und andere Geschichten erzählen.

Nach dem Vorbild des venezolanischen „El Sistema“, das Straßenkinder mit Instrumentalunterricht sozialisiert, bieten die Geigenlehrerin Luise Börner und Freunde das „Musaik“ an. Dreimal in der Woche können bis zu 20 Kinder Geige oder Cello lernen und üben. Ziel ist die Erlangung ausreichende Fertigkeiten, um ein kleines Orchester zu gründen. Wer schon mehr kann, ist zur Hausmusik für alle eingeladen. Ähnlich wie der Fliegende Prohliser Teppich ist die Theateridee „Apropos Prohlis“ angelegt, die kleine Alltagsszenen am Tisch nachspielen will. Tango, Breakdance oder anspruchsvolle Konstrukte mit LEGO-Bausteinen gehören zu den Aktivangeboten. Und auf dem Roten Sofa im Zelt wird über Heimat und Probleme diskutiert, am bevorstehenden Sonnabend auch mit Kulturbürgermeisterin Klepsch.

Von Michael Bartsch

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