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Regional Siebdruckposter-Ausstellung Colored Gigs in der Scheune Dresden
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18:16 28.09.2017
Lars P. Krause mit dem diesjährigen Colored-Gigs-Aufkleber in seiner Siebdruckwerkstatt in der Lößnitzstraße. Quelle: Amac Garbe
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Dresden

Seit über 20 Jahren macht Lars P. Krause Siebdruck. Die Dresdner Bands Lasse Reinstroem und Dÿse gehören zu seinen Kunden. Aber auch Größen wie die Beatsteaks, Die Toten Hosen, Eagles of Death Metal, Queens of the Stone Age, Foo Fighters, Soundgarden oder Pearl Jam sind darunter. Sein Metier: Gigposter.

Die Idee zum Gigposter als Kunstform kommt aus den USA. Schon in den 60er- und 70er-Jahren wurden Konzerte kleiner Bands dort mit solchen Siebdruckpostern beworben. „Denn es gibt zwar riesige Werbeflächen in den Staaten, an Litfaßsäulen oder ähnlichem für kleinere Veranstaltungen fehlt es aber“, erzählt der gelernte Elektroniker Krause. So landeten Konzertposter von Künstlern wie Frank Kozik auf Schwarzen Brettern neben den veranstaltenden Clubs und Bars. Und Fans sammelten die limitierten und handgemachten Werke.

Zur Jahrtausendwende schwappte der Hype nach Europa. Galerien stellten Konzertplakate aus. Und aus dem reinen Werbeträger in Deutschland, der hundert- und tausendfach in der Stadt verteilt wird, wurde zum Teil ein Kunstprodukt.

Die Drucke von Lars P. Krause kann man ganz real oder online in seinem Douze Printshop kaufen – oder man trifft ihn bei einer Gigposter-Ausstellung. In Chicago und Austin war er schon unterwegs, bei den Berlin Graphic Days oder der Flatstock Europe Poster Convention in Hamburg. Die Posterausstellung in der Hansestadt im Rahmen des Reeperbahn Festivals war schließlich der Anstoß für Krause, auch in Dresden eine derartige Veranstaltung aus der Taufe zu heben: Colored Gigs war geboren und ging 2009 erstmals in der Galerie Treibhaus an den Start. „Ich wollte dem Dresdner Publikum einfach zeigen, was wir eigentlich machen und dass das eine normale Kunstsparte ist“, sagt Krause.

Nun steht die neunte Ausgabe der Colored Gigs an. Dependancen in Leipzig und München hatte die Posterschau schon. Dieses Jahr feierte sie in Berlin Premiere. Heute und morgen werden Künstler samt ihren Postern, Bands und DJs wieder die Scheune Dresden bevölkern. Zur Vernissage heute Abend ab 19 Uhr spielen GT mit ihrem Hi-Lo-Fi Power Rock auf. Morgen heißt es ab 14 Uhr: Familientag. Kinder können an Zeichentischen das diesjährige Plakat ausmalen und verschönern. Dazu gibt es Livemusik von Isolate.

Zu diesem Gig gibt es auch ein eigenes Poster. Mona Freudenreich, 26 Jahre alt und Studentin der Bildenden Kunst, hat es gestaltet. Ein kleines Mädchen mit einer Kugel und einem Bonsai darin ist darauf zu sehen. In einer kleinen Auflage hat sie die Poster in der Siebdruckwerkstatt der Hochschule für Bildende Künste Dresden unter Anleitung von Irina Claußnitzer gedruckt. „Wir haben den Kontakt zur Hochschule gesucht, um eine neue Generation zu erreichen“, erzählt Krause.

Mona Freudenreich hört viel Musik und war froh, selbst etwas entwerfen zu können, sich mit dem Medium Siebdruck vertraut zu machen und als angehende Künstlerin dann auch noch eine Plattform für das eigene Werk zu bekommen. Denn die von einer Hand voll Studenten geschaffenen Poster – allesamt zu herbstlichen Konzerten in der Scheune – werden natürlich bei Colored Gigs ausgestellt und können käuflich erworben werden. 20 bis 30 Euro kostet das den geneigten Gigposter-Freund. Auch die Drucke der speziell eingeladenen Künstler starten in diesem Preissegment, besonders gefragte Einzelstücke werden aber mitunter auch dreistellig.

„Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal ein paar osteuropäische Künstler eingeladen, unter anderen ein ziemlich verrücktes Kunstkollektiv aus Prag. Die sind sehr derbe“, erzählt Lars P. Krause. Aber auch Barcelona, Utrecht oder auch Leipzig sind vertreten – und Dresden natürlich.

Die sächsische Landeshauptstadt hat nämlich noch mehr Posterkünstler und Siebdrucker vorzuweisen als Krause selbst. Die Wildsmile Studios und Muah zum Beispiel. Oder den Milkman, der Konzertposter mit Faserstiften malt. „Das ist schon eine kleine wilde Szene“, sagt Krause. Außerdem macht er Siebdruck-Workshops, die meist von Studenten besucht werden.

Die Verwandtschaft zur Street Art zeigt sich in dem riesigen Wandbild, das Anfang September an der Bautzner, Ecke Pulsnitzer Straße entstand. Ein Dankeschön von Krause und Colored Gigs für die langjährige Unterstützung durch die Radeberger Brauerei – die die Umsetzung durch die Sprayer rund um Slider und Bandits and Friends sowie die Kreativagentur Cromatics dann wiederum unterstützte.

Wer die kostenfreie Colored-Gigs-Postershow selbst etwas unterstützen will, der kann vor Ort nicht nur Poster kaufen, sondern auch Lose für je zwei Euro – und mit etwas Glück rare Stücke der teilnehmenden Künstler ergattern.

Die diesjährige Plakatgestaltung hat im Übrigen das Künstlerduo Spiegelsaal aus Hamburg und Düsseldorf übernommen. Das kommt im Dezember zu einer Mini-Colored-Gigs-Veranstaltung nach Dresden. 2018 wird Lars P. Krause selbst wieder Hand anlegen bei Plakat und Aufklebern. Dann feiert Colored Gigs zehnjähriges Jubiläum.

Colored Gigs: heute und morgen kostenfrei in der Scheune Dresden

www.colored-gigs.de

Von Nadine Faust

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