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Regional Sibylle: Fotos aus einer anderen Zeit
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19:31 26.04.2018
Blick in die Ausstellung in Pillnitz. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Was die Frauen in der DDR, außer der Dederon-Schürze im Betrieb, eventuell noch tragen könnten, darüber machte sich die „Sybille“ Gedanken, die sich explizit als „Zeitschrift für Mode und Kultur“ definierte. Dieser Zeitschrift ist eine bemerkenswerte Schau gewidmet, die zunächst in der Kunsthalle Rostock gezeigt wurde (siehe DNN vom 18./.19. Februar 2017) und nach Stationen in Rüsselsheim und Cottbus nun auch in Dresden zu sehen ist. Und zwar bis 4. November im Kunstgewerbemuseum in Schloss Schloss Pillnitz.

Mit ob des Papiermangels in der DDR nur rund 200 000 Exemplaren pro Ausgabe – es gab ab 1956 sechs pro Jahr – war die Zeitschrift auch mangels Alternativen ein rares Produkt und stets in kürzester Zeit vergriffen. Im ersten Saal hängen verschiedene Cover, sie zeigen deutlich die Veränderungen in Layout und Typografie zwischen 1956 und 1995, wie Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums, beim Presserundgang wissen ließ. Bewusst präsentiert man keine Kostüme, sondern versucht mit Modeschmuck als Ergänzung zu punkten.

Der Fokus liegt auf Fotografien, bildeten sie doch neben den Beiträgen über Mode, Kunst, Architektur und Gesundheit ein entscheidendes Element der Popularität der „Sibylle“. Es waren diese Bilder, die visuelle Alternativen boten und damit kleine Fluchten aus der „Republik des schlechten Geschmacks“, wie der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen mal frei von der Leber weg verlautbaren ließ.

In dichter Hängung reihen sich unterschiedliche Aufnahmen von 13 Fotografen, die mit ihren Bildern die Zeitschrift über Jahre hinweg prägten: von klassischen Fashion-Shootings vor sozialistischer und entsprechend schon mal graubraun-trister Stadtkulisse in Berlin, Budapest oder Moskau über Reiseberichte aus dem südöstlichen Europa bis hin zu experimentellen Modefotografien aus dem Arbeits- und Lebensalltag der DDR. Es sind „Bilder teilweise berückender Schönheit und absurder Kontraste“, sagt Ausstellungskuratorin Kerstin Stöver.

Gern wurde auf der Straße oder zumindest draußen fotografiert, Rudolf Schäfer war einer der wenigen, der bevorzugt im Atelier die Models ablichtete. Aufnahmen von Günter Rössler gibt es auch. Deutlich wird, dass beispielsweise die 80er-Jahre eine Zeit der ästhetischen Experimente waren und die „Sibylle“ sich unkonventionellen Positionen öffnete, was sie auch bei jüngeren Leserinnen durchaus beliebt machte.

Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm: So wird zu Gesprächen mit ehemaligen „Sibylle“-Fotografen wie Ute und Werner Mahler sowie Sven Marquardt eingeladen. Darüber hinaus wirft das Kunstgewerbemuseum in Kooperation mit den Technischen Sammlungen einen genaueren Blick auf die Modekultur der DDR und zeigt in einer gemeinsamen Filmreihe unter anderem den 1951 erschienenen Spielfilm „Modell Bianka“ sowie die Dokumentation „Kann denn Mode rot sein?“ aus dem Jahr 2002. In einem zweitägigen Nähworkshop in Zusammenarbeit mit dem Konglomerat e.V. können nach Schnittmustern aus der „Sibylle“ neue Lieblingsteile gefertigt werden. Aus dem Nähkästchen geplaudert wird in der Bar Wohnzimmer in der Dresdner Neustadt: Ehemalige Models, die für die „Sibylle“ vor der Kamera standen, erzählen hier bei Cocktails nach Rezepten der Zeitschrift Geschichten aus dem Leben als Model in der DDR.

www.skd.museum.de

Von Christian Ruf

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