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Shakespeares „Wie es Euch gefällt“ – Rosi und Orländo beim Naturfrönen

TU Dresden Studentenbühne Shakespeares „Wie es Euch gefällt“ – Rosi und Orländo beim Naturfrönen

Shakespeares Werk eignet sich gewöhnlich gut für Naturspiele. Es gibt allerdings Stücke, die ohne Idee für Gegenwartseinbettung keinen rechten Sinn mehr haben. So auch „Wie es Euch gefällt“, welches sich die TU-Studentenbühne als 60. Spielzeitabschluss auserkoren hat.

Warum keine Ehe für Alle? Orländo knutscht Rosi via Celia (Szene mit Hannes Knischewski, Marie Hahn und Amina Widmaier) – aber dann kommt leider noch der eitle Bruder Oliver dazwischen.

Quelle: Maximilian Helm

Dresden. Shakespeares Werk eignet sich gewöhnlich gut für Naturspiele, es gibt allerdings Stücke, die ohne Idee für Gegenwartseinbettung keinen rechten Sinn mehr haben. So auch „Wie es Euch gefällt“, welches sich die TU-Studentenbühne als 60. Spielzeitabschluss, wie im Vorjahr im hauseigenen botanischen Unigarten zelebriert, auserkoren hat.

Denn darin geht es schlicht um feudale Hofgepflogenheiten, verbunden mit dem theatralen Glauben an Kostümidentitäten. Auch die Handlung erscheint märchenhaft trivial: Ein Herzog vertreibt seinen alten Bruder, die beiden Nichten – Rosalind und Celia – halten aber zusammen. Zwei Brüder namens de Bois streiten bis aufs Messer ums Erbe und verfallen nacheinander den beiden Herzogstöchtern, wobei der jüngere namens Orlando zur Begeisterung der Damen einen viehischen Ringer als Lakaien des neuen Herrschers bezwingen darf.

Dazu erklären zwei Hofnarren dem Zuschauer en passant die Welt – mehrere Tricks und Wunder führen Stunden später plötzlich zur positiven Wandlung der beiden Bösen und zum fröhlichen Ende per doppelter Doppelhochzeit zwischen Weib und Mann. Hier, in der falschen Ecke des sommerwindigen Großen Gartens, fehlen dazu zwar Schlange und Löwe, dafür tragen Amina Widmaier als Rosa, Hannes Knischewski (stets „Orländo“ geheißen) und Marie Hahn als Celia durchaus ambitioniert den Hauptkonflikt mit viel Text, weitere acht Spieler offenbaren in einigen lichten Momenten ihre Talente.

Matthias Spaniel, seit dem 58. Jahrgang TU-Bühnenchef und mit großen Erwartungen in die Jubiläumsspielzeit gestartet, entgleitet hier zu deren Ende als Regisseur das Sujet: Es gibt nur lächerliche Charaktere, aus dem Original werden weder Bruderzwist noch Herzogstreit dramatisch (oder dramaturgisch) vermittelt, alles geschieht plötzlich und unbegründet. Es scheint so, als regne es hier – im Reigen der seltenen Bäume – Pucks sommertraumnächtliche Zaubertropfen auf die Akteure.

Dazu kommt noch steter Leerlauf in der Handlung, es fehlen Dynamik und Überraschungen. Das springt rasch über aufs Publikum, welches stets kichert oder kommentiert, das Blätterrascheln des Windes am trockenen Sonntagabend überlagert leider nur partiell die städtischen wie parktypischen Umgebungsgeräusche – die gesamte Inszenierung gerät zum langweilen Rauschen

Zum Schluss dann die unvermeidliche Vierfachpaarung, wobei fast alle schon vorher irgendwie animalisch poppen dürfen, aber auch Jede(r) Jede(n) hätten nehmen können. Nähere Beschreibung seien erspart, aber vielleicht war es der Kommentar zum allgemeinen politischen Orgasmus am Premierentag, an dem der Bundestag christlich-individuell gewissensbedingt die Ehe ihrer Funktion als höchste Institution des Geschlechterzweikampfes beraubte.

Höhepunkt szenischer Demütigung, die man so in jüngster Zeit nur aus dem Schauspielhaus (so auch bei Jan Gehlers 3-Stunden-Version vom Januar 2015) kennt: Alle Akteure müssen ewig-peinliche fünf Minuten eine über die Wiese robbende und blökende Schafherde spielen. Einzig Anja Haase, als alter Schäfer Corin auch sonst von allen Albernheiten befreit, bleibt dies erspart.

Überraschend, weil völlig artfremd, die Besetzung von Andreas Matthus als arg sächselnden Jaques, dem depressiven Edelmann des Herzogs. Er ist älter, größer und stimmkräftiger als die jungen Mitspieler und findet darob keinerlei Gegenpart zu seiner Präsenz. Damit endet die Jubiläumsspielzeit mit zwei argen Enttäuschungen: Spaniels Vorgänger Andreas Mihan vermasselte den dritten Teil seiner so erwartungsverheischend gestarteten Amateurtheatertrilogie (ausgerechnet: den „Zuschauer“), jetzt legt der Chef mit einem Shakespeare nach, der sicher in keinem Gymnasium Dresdens zwei Mal gezeigt werden würde.

„Wie es Euch gefällt“, 6.-9. Juli (je 20.30 Uhr) im Botanischen Garten (Stübelallee 2).

www.die-buehne.tu-dresden.de

Von Andreas Herrmann

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