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Shakespeare als Hiphop-Theater in Bratislava

Shakespeare als Hiphop-Theater in Bratislava

Das Slowakische Nationaltheater kündigt eine Kooperation des Nationalballetts mit der Street Dance Academy an, "bahnbrechend und originell" sollte der Abend werden, Hiphop-Tanztheater nach Shakespeares Drama, das dies sicher nicht so ganz streng gesehen würde, sagt schon der Titel, "Julio a Romea".

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An Dynamik hat es in Bratislava nicht gemangelt - doch die Inszenierung blieb ein Versuch.

Quelle: Peter Brenkus

Es klang so interessant. Teenager wollte man ansprechen. Am Premierenabend bleiben sie noch eine Minderheit, das könnte sich ja noch ändern.

Für Konzept und Regie ist Sona Ferancová verantwortlich, für die Choreografie Laci Strike, der auch den Julio tanzt. Sie hat sich einen Namen gemacht als Regisseurin und Autorin, er mit der Street Dance Academy, trat erfolgreich auch in Barcelona und Lyon auf.

Und die Vorlage Shakespeares, mit ihren jungen Leuten, mit den Rivalitäten und Vorurteilen, mit Mord und Liebestod ist ja zu großen Teilen ein Straßenstück. Also warum nicht mit Tanzarten die von der Straße kommen und in den Arten ihrer Bewegungen Grundformen menschlicher Kommunikation aufnehmen, die Sprache, den Schrei, die Musik, die Bewegung, einzeln, in der Gruppe, miteinander, gegeneinander, verbissen und ernst, akrobatisch und elegant, heiter, schrill und abgedreht.

Und natürlich, das wird als Anliegen des Projektes im ehrwürdigen, historischen Theater der slowakischen Hauptstadt schnell deutlich, gilt es Grenzen zu durchbrechen, Vorurteile zu kippen. Etwa die von den wilden Kerlen und ihren rauen Manieren. Also wird zu Beginn dick aufgetragen. Rap und Rotz und Rituale. Bald aber ist deutlich, die harten Kerle haben einen weichen Kern, in jedem Romeo steckt eine Julia, darauf spielt schon der Titel an, und Männerbalgereien sind nicht selten Mittel zum Zweck, den anderen verschämt zu begreifen, und wenn die Muskelboys sich mädchenhaft bewegen, dann steckt die Projektion des Feindbildes doch wohl tiefer in ihnen selbst, als sie zugeben möchten.

Da zeigen sich schon bemerkenswerte Ansätze dieser Produktion, aber dabei bleibt es. Von der Geschichte überdauern Rudimente, man arbeitet auch gerne mit Motiven des Comics, mit Lauten, Geräuschen, Verbalverfremdungen, das ist nicht ohne Reiz. Ein rascher Parforceritt durchs Repertoire, Hiphop, Rap, Breakdance, DJ-ing oder B-Boying. Voller Komik, grandios getanzt und überschäumend, im Temperament eine schrille Westernshow als Feier harter Männlichkeit, an deren Schluss einer der Superkerle die Klamotten abstreift und, siehe da, in diesem "Julio" ist eine echte "Romea". Jetzt gibt's rudimentäre Motive, locker dem Original entliehen, die heimliche Trauung etwa, die Sache mit dem Gift und mit dem tödlichen Missverständnis, aber dramaturgisch wird der knappe Abend immer grobmaschiger. Es gibt auch einen Paris, effeminiert und aufgeputzt, der dann, wahrscheinlich um seine Männlichkeit zu beweisen, Romea vergewaltigt, einen doppelt tödlichen Straßenkampf gibt es auch und ziemlich unvermittelt löst sich alles auf in Wohlgefallen, wenn alle wie erlöste Seelenvögel noch einmal sanft über die Bühne schweben.

Und das war's. Bisschen wenig. Immerhin, die acht Protagonisten, von denen sich nur drei rollenmäßig festlegen lassen, Petra Almásiova als Romea, Ladislav Neuschl alias Laci Strike als Julio und Igor Oswald als Paris, haben tänzerisch etliches zu bieten. Unterschiedlich in der Ausstrahlung und Wirkung sind sie auch und dem Humor ist niemand abgeneigt.

So bleibt dieser Abend ein Versuch, ein Experiment, das Potenzial ist da, die Form lässt noch zu viele Wünsche offen. Und was die Schärfe der Schnitte angeht, sei es der Sound, sei es das Licht, da fehlt die Präzision.

weitere Aufführungen: 12., 14., 26.10.; 16.11.; 12., 21.12.

www.snd.sk

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2013

Boris Gruhl

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