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Regional Sex Mob aus New York zelebrierten die Filmmusik Nino Rotas in der Tonne
Nachrichten Kultur Regional Sex Mob aus New York zelebrierten die Filmmusik Nino Rotas in der Tonne
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23:44 09.09.2015
Die Erwartungen an Sex Mob in der Tonne waren hoch. Sie wurden locker übertroffen. Quelle: Matthias Creutziger

Bereits zwanzig Jahre ist dieses Quartett auf den Jazzbühnen der Welt unterwegs, Hintersinn, Witz, Spielkompetenz und Erfahrung der vier Sex Mob-Mitglieder reichen jedoch noch viel weiter zurück: Kenny Wollesen trommelte bereits 1987/1988 in der kalifornischen Klezmerband Klezmorim, stieß dann mit dem New Klezmer Trio den weltweiten New Klezmer-Hype an, prägte mit seinem Drumming die Musik aller Größen der New Yorker Avantgarde rund um John Zorn und Marc Ribot, arbeitete für Bill Frisell und Norah Jones - für die ebenso Bassgitarrist Tony Scherr aktiv war, nachdem er als Teenager mit Woody Herman spielte und später zahllose Alben für Größen wie Bill Frisell oder Maria Schneider aufnahm. Altsaxofonist Briggan Krauss dagegen eroberte die New Yorker Downtown-Szene aus Seattle kommend, wo er mit dem Trio Babkas zu Ruhm kam, und machte sich zunächst mit Wayne Horvitz' Pigpen einen Namen. Schließlich der Chef, Steven Bernstein, begnadeter Arrangeur und Trompeter, kam um 1988 aus der Bigband von Karen Mantler, wurde 1989 musikalischer Leiter der Lounge Lizards, arbeitete für viele Orchester- und Filmmusikprojekte und gründete dann schließlich 1995 Sex Mob. Kein Wunder, dass dieses Quartett von Anfang an eine zirzensisch wirkende Affinität zur Populärmusik hat. Bernsteins Gruppe interpretierte Songs der Stones, von Abba, Kurt Cobain oder von Billy Preston neu und wild, spielte Musik der James-Bond-Filme und vor etwa zwei Jahren die großartige Musik Nino Rotas für viele Fellini-Filme ("Amarcord", "La Strada", "Dolce Vita") ein.

Vorgestern in der Tonne standen genau die und weitere Kompositionen auf dem Programm. Und das war, wie gesagt, eine Wonne! Ein traumhaftes Zusammenspiel der vier, Bläserstimmen raffiniert mit- und gegeneinander gesetzt, Kenny Wollesen mit überirdisch wirkender, energetischer, sehr melodischer Perkussion, Tony Scherr mit markanten, ausgeklügelten Bassgitarren-Motiven, rhythmisch einprägsam, teils eine magische Stimmung schaffend, schließlich Briggan Krauss mit kraftvollem, angenehm vibrato-armem Ton, stets mit wild-einfallsreichen Soli auf die raffinierten solistischen Vorgaben des Band-Chefs eingehend. Die vier machten Druck, ließen die Leinen auch mal locker, nutzten Rotas "Vorgaben" für rasante Ausflüge ins Freie, kehrten anschmiegsam und - hier muss ich mich wiederholen - zirkusartig augenzwinkernd in die selbstgewählte Filmheimat zurück. Danach, nach dem umwerfenden Konzert wieder daheim, folgt der Griff ins DVD-Regal zu den Fellini-Filmen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.03.2015

Mathias Bäumel

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