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Regional Serkowitzer Volksoper inszeniert Büchners „Leonce und Lena“ neu
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16:34 06.08.2018
Hier vielleicht was Inhaltliches ------ Deutsche Vita, Serkowitzer Volksoper
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Dresden

Die Kostüme warteten im Depot, die Bühnenbilder weigerten sich ebenfalls, vergessen zu werden. Und auch das Ensemble der Serkowitzer Volksoper war sich sicher: Mit Büchners „Leonce und Lena“ sind wir noch nicht fertig. 2014 hatten sie die Geschichte bereits inszeniert, konzipiert für Kinder und Jugendliche. Und dadurch auch entsprechend gekürzt. Damals entstand der Wunsch, sich Büchners Texten noch einmal in Gänze zu widmen. Und so entsteht für die nunmehr achte Spielzeit „La Deutsche Vita – Eine Verweigerung nach Büchners Leonce und Lena“. Die Kostüme bekommen also erneut ihren Auftritt, die Bühnenbilder jedoch nur in Teilen. Sie müssen der kleinen Zirkuswagenbühne der Saloppe noch angepasst werden.

Satire auf die Kleinstaaterei

Die Geschichte des Stücks ist recht schnell erzählt: Ein Prinz und eine Prinzessin sind sich unbekannt, sollen aber heiraten. Natürlich wollen sie das nicht und fliehen. In der Fremde laufen sie sich über den Weg, immer noch einander unbekannt. Amors Pfeil trifft ins Schwarze, und sie verlieben sich unsterblich ineinander. Nachdem die beiden – nach wie vor Prinz und Prinzessin – an die Heiratsurkunde gelangen, wird ihnen klar, wen sie da gerade geheiratet haben. Was nun? In der Heimat wartet die Verantwortung, doch wer soll sie übernehmen?

Dass die Geschichte auch 2018 nichts an gesellschaftlicher Relevanz verloren hat, wurde den Serkowitzern schnell bewusst. Es handelt sich um eine Satire auf die Kleinstaaterei, die in unseren Breiten nach wie vor zu existieren scheint. Auch die Tatsache, dass sich manche jungen Menschen der Verantwortung entziehen, scheint aktuell. Das findet zumindest Projektleiter und Regisseur Wolf-Dieter Gööck und hat deutliche Worte parat: „1968 entlud sich die Wut junger Leute über ihre Vätergeneration in heftigen Studentenrevolten – sie hatten weiß Gott allen Anlass. 50 Jahre später muss man, gelinde gesagt, erstaunt sein über so viel Zurückhaltung. Wo sind sie denn, die hyperintelligenten Nachwachsenden? Machen sie gerade Party oder bügeln ihre Nadelstreifenhosen oder sind sie gerade auf dem Selbstfindungstrip?“

Spielen, wie einem der Schnabel gewachsen ist

Ob man den Nachwachsenden die Schuld an den heutigen Krisen geben sollte, sei dahingestellt und soll auch nicht Kern der diesjährigen Aufführungen werden. „Aber mit sowas im Hinterkopf liest sich Büchners ,Leonce und Lena’ natürlich anders“, erklärt Gööck seine Gedanken zum Stück. Ein junger Bursche, der nach Italien abhaut, um sich seiner Verantwortung zu entziehen, sei der Link zur Gegenwart. Und Gööck wünscht sich mehr Konsequenz in den Aussagen der Stücke. „Die gesellschaftlichen Umstände szenisch darzustellen, ohne in Populismus zu verfallen, ist sehr schwer“, gibt er zu. Dennoch werde der Spaß nicht verloren gehen. Aber ein wenig mehr Hintersinn können die Besucher wohl erwarten.

Milko Kersten ist für die Musik verantwortlich und versucht auch in dieser Spielzeit, die Brücke zu schlagen zwischen dem hohen musikalischen Anspruch einer Oper und dem Wunsch, so zu spielen, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Bei den bisherigen Aufführungen der Serkowitzer Volksoper stammten nahezu alle Noten von großen Namen wie Gluck, Orff und Mozart. Kersten arrangierte sie zwar neu, eine ganz eigene Neuschöpfung fehlte jedoch. Bis jetzt. „2018 wird nahezu keine Note von einem unserer verehrten Großmeister erklingen“, sagt er. Kürzeste Zitate werden sich dennoch hier und da wiederfinden. Mit dem Ergebnis ist Kersten zufrieden: „Schauspielmusik – melodisch, dem Text dienend und hoffentlich witzig.“

Premiere am 15. August

Auf der Bühne des Zirkuswagens – übrigens überdacht und regensicher für Publikum und Ensemble – werden nicht nur altbekannte Gesichter zu sehen sein. Die quasi zum Inventar gehörenden Marie Hänsel und Cornelius Uhle werden in die Rollen von Lena und Leonce schlüpfen. Aber es wird auch einen Rückkehrer geben, und zwar Bariton Claudius Ehrler. 2014 war er bereits als Erbförster Kuno zu erleben. Nun wird er Lenas Gouvernante mimen. Neu im Ensemble sind Altus Stefan Kunath und Schauspielstudent Clemens Kersten. Kunath wird direkt in vier Rollen schlüpfen, Kersten mimt Valerio und den Hofmeister.

Das Kostüm- und Bühnenbild stammt abermals von Coco Ruth. Sie wird auch die Neukonzipierung der Bühnenbilder übernehmen, die Umsetzung gibt sie allerdings an Resi Gappel ab. Ein „Krautpfanding“ zur Finanzierung der diesjährigen Spielzeit war unterdessen erfolgreich und spielte 3752 Euro ein. Seit September 2017 ist die Serkowitzer Volksoper ein eingetragener Verein. Das erleichtere die Beantragung von Fördergeldern sowie die Entgegennahme von Spenden, erklärt Vorstand Falk Joost. Den Künstlern werde eine Menge Bürokratie abgenommen. So können sich die Beteiligten mehr auf das Stück konzentrieren.

Die Premiere soll am 15. August stattfinden, dann schließen sich sieben weitere Vorstellungen an. Im vergangenen Jahr waren alle Vorstellungen ausverkauft, die Serkowitzer empfehlen also die Nutzung des Vorverkaufes.

Vorstellungen am 15. (Premiere), 19., 20., 22., 26., 27., 29. August und 3. September, jeweils ab 19.30 Uhr, Saloppe, Karten ab 11 Euro

www.serkowitzer-volksoper.de

Von Lisa-Marie Leuteritz

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