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Semperoper: Spielzeit 2017/18 reagiert programmatisch auf eine Welt im Wandel

„Brüchiger Friede“ Semperoper: Spielzeit 2017/18 reagiert programmatisch auf eine Welt im Wandel

Zum Auftakt der Jahrespressekonferenz an der Semperoper fand deren Kommissarischer Intendant Wolfgang Rothe eindringliche Worte, um den versammelten Medienvertretern das Leitmotiv der kommenden Saison zu verdeutlichen: „Brüchiger Friede“ steht über der Spielzeit 2017/18.

Die Semperoper in Dresden.

Quelle: picture alliance / dpa

Dresden. Alles, was in der europäischen Nachkriegswelt so geordnet wirkte, scheint heute in Frage gestellt zu sein. Der Aufbau einer kontinentalen, ja globalen Verständigung ist durch einen für den gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehbaren Niedergang gefährdet.

Zum Auftakt der Jahrespressekonferenz an der Semperoper fand deren Kommissarischer Intendant Wolfgang Rothe eindringliche Worte, um den versammelten Medienvertretern das Leitmotiv der kommenden Saison zu verdeutlichen: „Brüchiger Friede“ steht über der Spielzeit 2017/18. Und da bis zum Vorverkaufsstart noch etwas Zeit ist, sei auf das mit 240 Seiten wieder sehr umfangreiche Programmbuch mit seinen informativen Hinführungen und assoziativen Bildstrecken verwiesen. Es lohnt sich.

Kommissarischer Intendant und Kaufmännischer Geschäftsführer

Kommissarischer Intendant und Kaufmännischer Geschäftsführer: Wolfgang Rothe.

Quelle: Semperoper

Lohnenswert verspricht auch die kommende Spielzeit zu werden, die letzte vor dem Amtsantritt von Peter Theiler, der im Herbst 2018 das seit dem Tod von Ulrike Hessler und dem Debakel um Serge Dorny anhaltende Interim beenden soll. Das Team um den auch als Kaufmännischen Geschäftsführer der Sächsischen Staatstheater agierenden Rothe meint es ernst: Programmatische Neuproduktionen stehen am Anfang und Ende der nächsten Saison. Die Grand opéra „Les Troyens / Die Trojaner“ von Hector Berlioz thematisiert den blinden Lauf ins Kriegsgeschehen, weil niemand die warnenden Kassandra-Rufe glauben will. Ein bekanntes Thema, an dessen Brisanz sich seit der Antike nichts geändert hat.

Den Brückenschlag zur Gegenwart unternimmt das Doppelprojekt „Oedipus rex“ von Igor Strawinsky und „Il progioniero“ von Luigi Dallapiccola, das schicksalhaften Mythos und menschliches Leid miteinander verbindet. Dazwischen finden Neuproduktionen statt, die sich durchaus zum „Brüchigen Frieden“ in Bezug setzen lassen. Denn auch Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ ist mit ihrer tragischen Verquickung von Liebe, Verrat und missglückter Versöhnung weit mehr als nur eine Sternstunde des Belcanto. Und Giuseppe Verdis „La forza des destino / Die Macht des Schicksals“ trägt das Debakel schon im Titel. Zu diesen Großwerken gesellen sich „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold als Form der Wiedergutmachung an einem von den Nazis als „entartet“ diffamierten Künstler sowie John Canders Musical „Cabaret“ aus der Zeit des aufkommenden Faschismus in Berlin.

Letztere Produktion wird an der Spielstätte Semper Zwei in einer Kammerfassung herauskommen und wurde deswegen ausgewählt, begründete deren Leiter Manfred Weiß, weil darin „eine bestimmte Atmosphäre“ beschrieben ist, wie sie leider auch in Dresden zu erleben sei. Neben mehreren Übernahmen sind auf dieser Bühne noch „Trouble in Tahiti“ von Leonard Bernstein sowie „Das Rätsel der gestohlenen Stimmen“ als Uraufführung von Johannes Wulff-Woesten zu erwarten. Weitere Höhepunkte der nächsten Opernspielzeit sind neben dem dann wieder kompletten „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner in einer namhaften Besetzung unter der musikalischen Leitung von Chefdirigent Christian Thielemann auch das Jubiläum 200 Jahre Opernchor. Dessen Gründung geht bekanntlich auf Carl Maria von Weber zurück, im Oktober soll es aus Anlass des Jubiläums ein Sonderkonzert geben, bereits zuvor erscheint beim Label Profil Edition Günter Hänssler eine CD-Box „200 Jahre Staatsopernchor Dresden“ mit einem Querschnitt von Aufnahmen aus gut acht Jahrzehnten. Ihr 25-jähriges Bestehen wird auch die Stiftung zur Förderung der Semperoper Dresden begehen – und den Chor mit ihrem diesjährigen Preis würdigen. Bisher konnte dieses Gremium rund 14 Millionen Euro für die künstlerische Arbeit von Oper und Ballett zur Verfügung stellen.

Für die Neuproduktionen der Oper sind Dirigenten wie Giampaolo Bisanti, Lothar Koenigs, Jeffrey Tate, Sebastian Weigle und Mark Wigglesworth angekündigt worden. Neuentdeckungen und Wiedersehen verspricht auch die Riege der Regisseure von David Bösch über Dietrich W. Hilsdorf, Elisabeth Stöppler, Lydia Steier bis hin zu Keith Warner. Eine Semper-Zwei-Premiere wird von Tom Quaas inszeniert.

Sowohl in diesem Premierenreigen als auch in den Repertoirevorstellungen würden Hausensemble und namhafte Gäste in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, kündigte der Künstlerische Betriebsdirektor Björn Peters für die neue Saison an. Auch für die „Belcanto-Tage“ zu Ostern 2018 wurden Stimmen von Weltklasse versprochen.

Das Semperoper Ballett muss sich dahinter keineswegs verstecken und wird seinen internationalen Ruf auch in der kommenden Spielzeit bestätigen, wie Ballettdirektor Aaron S. Watkin hervorhob. Neben Gastspielen in New York und erstmals auch in London freue er sich besonders über eine Einladung nach Ottawa in seine kanadische Heimat. Zu den Novitäten der Company zählte er einen Doppelabend mit Arbeiten von David Dawson und Frederick Ashton, die unter dem gemeinsamen Titel „Ein Sommernachtstraum“ eine Uraufführung mit Klassikern verbinden. Vielsagend hitzig ist mit „100°C“ auch die zweite Neuproduktion überschrieben, die eine Produktion des jungen Choreografen Justin Peck mit „Gods and Dogs“ von Jirí Kylián und einer Uraufführung des israelischen Künstlers Hofesh Shechter verbindet.

Ein begrenzter Kartenverkauf für die Spielzeit 2017/18 soll am 15. März im Internet starten, der allgemeine Verkaufsbeginn ist für den 22. März angekündigt worden. Die Sächsische Staatskapelle wird ihr Konzertprogramm zu einem gesonderten Termin im März präsentieren.

www.semperoper.de

Von Michael Ernst

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