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Semper Zwei adaptiert „Schneewittchen“ für junge Leute von heute

„Schneewitte“ Semper Zwei adaptiert „Schneewittchen“ für junge Leute von heute

Märchenoper mal anders: Jens Joneleit und Sophie Kassies zaubern aus Grimms „Schneewittchen“ ein modernes Musiktheater für alle: „Schneewitte“ hatte am Wochenende Premiere.

„Schneewitte“

Quelle: Jochen Quast

Dresden. Kindermund: „Das sind ja neun!“ Gut beobachtet, denn wo „Schneewitte“ drüber steht, werden Schneewittchen und also sieben Zwerge erwartet. Die neun Leute, die da auf der kleinen Bühne von Semper Zwei erscheinen, sind Königin und König, Stiefmutter und Prinzessin sowie Musiker und Zwerge zusammen. Sie alle im ungefähr gleichem Dress aus großkarierten roten Anzügen. Einer von ihnen trägt Frackschöße, das ist der Dirigent Clemens Jüngling.

Ihm obliegt die musikalische Leitung eines Kleinstorchesters, dem Posaunist Michael Winkler mit Schirmmütze als seinem Markenzeichen sowie Konrad Hartig am Bass, Keyboarderin Noori Cho und Katharina Lattke am Schlagwerk angehören.

Beim ersten Auftritt schnalzen die Musikanten als pfiffige Mundwerker und öffnen so schon mal den Raum für mitreißende Rhythmen. Die dann folgende Musik von Jens Joneleit setzt das fort, greift voller Witz klassische Zitate auf und verknüpft jazzige Einflüsse mit Elementen der Moderne.

Wandelbar wie die Musik sind auch die Musiker selbst – kommentieren mal das Geschehen mit Worten und steigen auch selbst kostümiert mit Perücken in die Zwergenwelt ein. Bis dort auch Königstochter Schneewitte auftaucht, will eine Vorgeschichte erzählt sein. Die folgt dem Grimmschen Vorbild, ist spannend reduziert und wird wortverständlich musiziert. Von der Geburt des Kindes und dem Tod seiner Mutter über den Schmerz des Vaters und der Pflege durch die Stiefmama bis hin zu deren Eitelkeit, wobei ihrer selbstsüchtigen Schönheitsgier die inzwischen 13jährige Schneewitte in nichts nachsteht.

So werden dem überwiegend jungen Publikum – und dem begleitenden Sorgerecht – Werte menschlichen Zusammenlebens vermittelt. Es geht um Inhalte anstelle von Äußerlichkeiten, um Verlässlichkeit statt sprunghafte Charakterlosigkeit. Vor allem aber werden eine gute Stunde lang jede Menge Spaß und Spannung geboten, denn das hübsche Gör kann ganz schön launig sein und auch mal rockig röhren. Larissa Wäspy erfüllt diese Rolle mit niedlichem Eigensinn, launigem Trotz und sympathischer Tapsigkeit. Wenn sie den sieben Zwergen Kartoffeln bereiten will, trifft sie ins Schwarze – so verkohlt war noch kein Essen. Auch beim Waschen und Bügeln geht alles schief, mit anderen Worten: Mädchen nerven! Und diese Prinzessin ganz besonders!

Besorgt sind die sturen Gnome aber dennoch um ihre Schneewitte, zumal deren Stiefmutter nicht müde wird, die Kleine aus dem Wege zu schaffen. Christiane Hossfeld gelingt in diesem Part ein zauberhafter Wandel zwischen Liebreiz und Ekel, zuckersüß und giftiger Galle.

Ihr zur Seite stehen mit Alexander Ritter und Jost Grix zwei fabelhafte Schauspieler, die mal König, mal Zwerge, mal unglücklicher Auftragsmörder sind. Der Jäger wird noch heftig dafür gescholten, dass er zum Beweis Schneewittes Herz serviert, das in Wirklichkeit natürlich das eines Frischlings ist.

Alles in allem hat Andrea Kramer ein stimmiges Ensemblespiel mit geschwinden Szenenwechseln inszeniert, wozu die komprimierte Ausstattung von Tilo Steffens bestens passt - das berühmte Spieglein ist mal Fenster zur Welt, Eitelkeitskiller, aber nie „an der Wand“ – , ins rechte Licht gesetzt von Marco Dietzel und dramaturgisch geschliffen von Anna Melcher.

Termine: 23., 25., 27., 28. Mai, 1. Juni

Von Michael Ernst

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