Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Seltenheit: Thielemann dirigiert Mahler
Nachrichten Kultur Regional Seltenheit: Thielemann dirigiert Mahler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 25.02.2018
Elina Garanca als Solistin, am Pult Christian Thielemann. Quelle: Matthias Creutziger
Dresden

Es verwundert schon, dass Christian Thielemann erst in dieser Spielzeit und nach über fünf Jahren als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle sich erstmals einiger Werke Gustav Mahlers annimmt. Da er sich hier mit diesem Komponisten bisher derart rar machte, konnte man die Ankündigung zum 7. Sinfoniekonzert der Staatskapelle sogar dahingehend missverstehen, er beträte mit Mahler völliges Neuland. Aber dem ist keineswegs so, denn noch als Chef der Münchner Philharmoniker hatte Thielemann etwa die „Sinfonie der Tausend“ zur hundertsten Wiederkehr ihrer Uraufführung auf die Bühne des Konzertsaals im Gasteig gehoben.

An Raritäten aber wächst das Interesse umso mehr und es war daher nicht verwunderlich, dass die Sächsische Staatsoper gestern zur Aufführung von Gustav Mahlers 3. Sinfonie d-Moll ausverkauft war. Und in der gespannten Erwartung des Publikums war die Neugier darauf zu spüren, wie dem für seine Bruckner-, Wagner- und Strauss-Darbietungen gefeierten Dirigenten die Aufführung dieses sinfonischen Riesen gelingen würde.

In der Wahl des Anfangstempos war sogleich deutlich, dass Thielemann die Bezeichnungen Mahlers ernst nehmen würde. Kraft und Bedeutung waren unmittelbar vorhanden und im Verlauf des ersten Satzes, der in seiner Gesamtheit überaus tief erarbeitet wirkte, ließ Thielemann mehr und mehr zur Geltung kommen, wofür Mahler berühmt-berüchtigt war: höchste Präzision. Der Effekt war, dass jeder Anflug von Spätromantik weggewischt wurde und das Neue, das die Zuhörer seinerzeit an Mahlers Musik erstaunte oder auch verstörte, ganz zum Tragen kam. Jede Nuance des Klanges, alles Feine und alles Schroffe lagen offen und doch schien die Wirkung eine Spur zu kalkuliert. Die Abschnitte des ausgedehnten ersten Teils fanden nicht mühelos zueinander und auch noch im zweiten Satz fehlte dieser Zug, obgleich auch hier alles – bis auf Kleinigkeiten – stimmig war und großartig klang. Thielemann blieb auch danach bei maßvollem Tempo und entfaltete schließlich ein inhaltliches Vorwärtsdrängen, einen Fluss, dem sich das „Posthorn“-Solo (makellos: Mathias Schmutzler) fast zu gediegen anschmiegte. Und als Gegenpol zum nachfolgenden Altsolo hätte man in diesem Scherzo eine Spur Ironie erwartet, die der Dirigent aber mit Konsequenz ausklammerte.

Die Nietzsche-Verse sang Elina Garanca (Mezzosopran) mit viel Nachdruck und auch großer stimmlicher Intensität die Zeilen aus „Des Knaben Wunderhorn“ zusammen mit den beiden hervorragend einstudierten und ebenso vortragenden Chören: Die Damen des Sächsischen Staatsopernchores Dresden (Jörn Hinnerk Andresen) und der Kinderchor der Semperoper Dresden (Claudia Sebastian-Bertsch) waren völlig adäquat und folgten Thielemann in jedem Detail. Hatte der Dirigent schon Mahlers Forderung eines „sehr langsam“ für den vierten Satz getreu umgesetzt, gelang ihm mit dem Finale genau das, was der Aufführung in der Summe etwas fehlte: Ein großer gedanklicher, musikalischer Bogen, der vom ersten Ton das Ziel eindeutig bestimmte und die ganz große Geste ermöglichte.

Mit all den guten Details, zu denen unbedingt die exzellenten Soli von Konzertmeister Matthias Wollong gehörten, der Geschlossenheit des Spiels im ganzen Orchester (ein paar Ausrutscher in der Einleitung des vierten Satzes seien erwähnt) und der überragenden Steigerung im Finale bleibt eine Aufführung in Erinnerung, die tatsächlich Momente des Ausprobierens zu enthalten schien. Aber dieses Konzert mit der 3. Sinfonie dürfte wohl noch nicht Christian Thielemanns letzte Äußerung zum unerschöpflichen Thema Gustav Mahler gewesen sein.

MDR Kultur und MDR Klassik übertragen das 7. Sinfoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle morgen ab 20.05 Uhr live

Von Hartmut Schütz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nora Schlocker ist noch eine junge Regisseurin – und dennoch bereits sehr erfahren. Ihre Inszenierung „Der gute Mensch von Sezuan“ nach Bertolt Brecht im Dresdner Schauspielhaus ließ das Publikum am Ende begeistert zurück.

25.02.2018

„Cinematic Pop“ nennt Felix Räuber seinen neuen Musikstil – und was das bedeutet, zeigte er in einer kleinen Live-Session vor den vollen Rängen des Thalia-Kinos. Mit Laptop und zwei Keyboards mischte der Musiker elektronische Sounds und rhythmische Melodien, unterlegt mit orchestralen Arrangements. Auch singen kann er noch.

26.02.2018

Einige Anwohner sind unzufrieden mit dem schlechten Ruf und der Unterschätzung von Prohlis – Die Stadtteilprojekte „Zu Hause in Prohlis“ und „Musaik“ sollen das Image verbessern und die Kultur in der Platte bereichern.

11.03.2018
Anzeige