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Regional Seine Tour führte den irischen Sänger Chris de Burgh auch nach Dresden
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10:00 03.07.2017
Chris de Burgh in der Jungen Garde  Quelle: Dietrich Flechtner

 Leistung muss sich lohnen, lautet ein Satz, den wohl viele unterschreiben werden (außer Sektierern natürlich, die auf einem bedingungslosen Grundeinkommen beharren). Insofern ist es erstaunlich, dass in einem der größten Hits von Chris de Burgh, nämlich „Don’t Pay the Ferryman“, geheimnisvolle Stimmen einen Mann auffordern, den Fährmann nicht zu bezahlen. Jedenfalls nicht, bevor der vermummte Alte am Steuer ihn nicht übergesetzt habe. An sich spricht in der Tat einiges dafür, erst dann zu bezahlen, wenn eine Dienstleistung vollbracht ist, aber es ist halt doch davon auszugehen, dass die Fährleute hier auf der Oberelbe, etwa in Rathen oder Pillnitz, auch weiterhin darauf bestehen werden, dass man den Obolus entrichtet, noch bevor das andere Ufer erreicht ist.

„Don’t Pay the Ferryman“ war nur einer von vielen Hits, die der irische Sänger Chris de Burgh am Freitag in der Jungen Garde zu Gehör brachte, wo er im Rahmen seiner „A Better World“-Tour Station machte. Auch wenn die Garde je nach Sichtweise, was Zuschauerzahlen angeht, halbvoll oder halbleer war, der Künstler freute sich sichtlich, wieder in Dresden zu sein, versprach, dass die heißeste Party in Dresden an diesem Abend hier in der Garde stattfinden würde. In der Tat waren die Fans bald in ausgelassener Stimmung, tanzten bei schnelleren Nummern, hielten sich in den Armen, wenn es ruhiger und besinnlicher wurde. Auf seine mit ihm älter gewordenen Fans kann sich der mittlerweile fast 70-jährige de Burgh verlassen. Mögen bei Auftritten anderer Künstler Bierbecher fliegen oder Brüste signiert werden, hier gibt es Blumen. Und als er nach dem zweiten Strauß floraler Schnittware, der ihm überreicht wird, „moniert“, die Rosen habe er ja jetzt bekommen, „aber wo bleibt der Wein“, da werden ihm beim übernächsten Lied prompt hintereinander zwei Gläser gegorenen Rebensaftes in die Hand gedrückt. Und das eher nicht, weil es nötig wäre, die Stimme zu ölen. Nein, die Burgh hat sie immer noch drauf, die Intonation quer durch die Oktaven, wobei es vor allem die Damen im Halbrund mehr in den Bann zieht, wenn die Stimme sanft und soft wird.

Hier und da schickt de Burgh seine versierte Vier-Mann-Band auch für eine Verschnaufpause hinter die Bühne, klampft alleine auf der Gitarre rum, dann wieder, bei „Lady In Red“ begibt er sich mitten ins Publikum und herzt ob der Fankontaktsuche endgültig enthusiasmierte Fans, von denen einige Damen sogar – wie passend – textiltechnisch in Ganzkörperrot erschienen waren. An Balladen ist kein Mangel, entsprechend fehlt auch „Missing You“ mit Kernaussagen wie „Wenn du die Liebe vor Augen hast, dann fall auf die Knie wie ein Narr“, das ein einziger Appell an das große Gefühl ist, nicht.

Dem Syrien-Krieg mit all seinen Folgen ist der Song „Homeland“ vom aktuellen, vom Titel her das Prinzip Hoffnung fütternden Album „A Better World“ gewidmet. Ein Lied wie der Soundtrack zu einer aus den Fugen geratenen Welt. Der Ire zollt den Deutschen Respekt für all die vielen Flüchtlinge, die sie aufgenommen haben. De Burgh, der immer so schüchtern wirkend rüberkommt, war schon immer so frei, grundsätzlich auch politische Fragen anzufassen, wenn auch diese mit einer flauschigen Schmusedecke aus Konsens-Harmonien ummantelnd. Zweifellos steckt da eine menschenfreundliche Grundhaltung. Und die zeigt sich auch in der dann wirklich allerletzten aller Zugaben, die ebenfalls eine klare Botschaft hat: „Go Where Your Heart Believes“ klingt wie die Vertonung eines einschlägigen Herz-Schmerz-Romans oder Seelen-Ratgebers. Kitschig? Ja, muss man nolens volens einräumen. Aber wen kümmert’s?

Von Christian Ruf

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