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Schöne Schwestern: Doppelschau der Kunstakademien Dresden und Leipzig im Landtagsfoyer

Schöne Schwestern: Doppelschau der Kunstakademien Dresden und Leipzig im Landtagsfoyer

Ein Geburtstag muss gefeiert werden, noch dazu ein doppelter. Mit dem dieses Jahr zu begehenden Vierteljahrtausend des Bestehens der Hochschule für bildende Künste Dresden und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig häufen sich in Dresden derzeit die Jubiläumsausstellungen.

Völlig klar, dass eine solche Geburtstagsfeier den Jubilar in den Mittelpunkt stellt. In allen Ehren zu halten ist daher auch das von HfBK-Rektor Matthias Flügge auf der jüngsten Eröffnung im sächsischen Landtag gesprochene Wort, dass man sich bewusst auf Ausstellungen im akademischen Rahmen konzentriere, jenseits der Kunstinstitutionen.

Die zum Vernissagen-Anlass durchaus nachvollziehbare Selbstbezogenheit der Hochschulen und zu hörenden glühenden Bekenntniserklärungen des Landtagspräsidenten Matthias Rößler und des Ministeriums-Vertreters Ronald Werner zum unverzichtbaren Wert der Kunstakademien sowie der Kunst für Leben und Identität in der Gesellschaft darf aber über eines nicht hinwegtäuschen: Die zu feiernde Geschichte der Kunstakademien ging nicht nur mit dem Zweck der Ausbildung von künstlerischen Fähigkeiten, sondern immer wieder auch mit Fragen nach dem praktischen Eingang der Kunst ins gesellschaftliche Leben und Überlegungen, wie die ausgebildeten Künstler "ins Leben treten" und einen "besseren Geschmack in Anwendung bringen" können, einher. Beim Ziel einer in der "Entfaltung der Talente" möglichst wenig beschränkten Kunstausbildung und einer vermehrten öffentlichen Wirksamkeit waren gerade auch die akademischen Kunstausstellungen ein Thema z.B. der Diskussion um 1830. Hier wurden Wege zu einer perspektivischeren Ausrichtung der "Belebung des Kunstsinns" in Rückkopplung zu einer praktischen gesellschaftlichen Nutzung und einem öffentlichen Gebrauch debattiert. Wohlfeile Akademie-Ausstellungen werden am auch heute beklagenswerten Zustand des Fehlens einer selbstverständlichen "Nutzung" von Kunst und Künstlern und einer praktischen Verbindung zum Leben nicht von sich aus etwas ändern können, wenn man den Einsatz der Künste nicht praktischer und mehr in situ denkt, ohne funktionalistisch zu sein.

So mag die natürliche Frische der jüngsten Jubiläumsausstellungen "Klassentausch" in der Motorenhalle und "DaDaTy" im Festspielhaus die künstlerischen Kapazitäten gerade auch vor einem akademisch bestimmten Themenrahmen wirken lassen können und der lebendige Experimentiergeist der Kunstschüler sich durchaus über den Eigenwert des kreativen Spiels mit Formen und Inhalten im Nebeneinander der unterschiedlichen Positionen vermitteln. Im Landtag aber zeigen sich leider ganz deutlich die Nachteile des Fehlens einer thematischen Konzentration und kontextuellen Klammer, die Kunst in der Präsentation ihrer genuinen Leistungen und zum Einsatz ihrer Potenziale braucht. Indem das Besucherfoyer mit grandiosem Blick auf die Stadt am Fluss das Gegenteil einer autonomen Kunstpräsentationssituation bietet, mangelt es in der klassischen Aneinanderreihung von Einzelpositionen, deren System und Auswahlkategorie nicht deutlich werden, auch an der Begründung des Warums und Wofürs von Kunst. Neben in ihrer Technik sehr interessanten großformatigen Graphit-Zeichnungen von Daniel Grams (HfBK Dresden) und Tintenstrahl-Drucken auf Bütten von Norbert Reissig (HGB Leipzig) stehen recht beliebig und ohne nachhaltige Begründung für die Auswahl ihrer Einzelpositionen eher inhaltlich argumentierenden Arbeiten, die kaum ohne Kontext oder Werkzusammenhang in diesem Rahmen zu würdigen sind, wie die Genderthemen aufgreifende Installationen von Olga Gigorjewa (HfBK Dresden) oder filmischen Arbeiten zu Sinn und Wirkung der Kunst oder argentinischer Vogelwelt. Überzeugender erscheint hier dann der überdimensionale "Mönchsittich" von Matthias Garff (HfBK), indem er den Raum besetzt, sowie die Position der HGB insgesamt, die sich auf Malerei konzentriert.

Anzulasten ist die Verhaltenheit der Ausstellungspräsentation beileibe nicht ausschließlich den federführenden Hochschulen. Die Kuratorin der HfBK Susanne Greinke bedauerte, an diesem Balkon über der Elbe nicht ortsspezifische Arbeiten entwickeln und präsentieren zu können, indem solches das Budget nicht hergab. Doch hätte mit einer thematischen und genauen künstlerischen Korrespondenz mit räumlichen und inhaltlichen Kontexten, die eben nicht für nichts zu haben ist, die Nutzung der Potenziale der Kunst auch vor dem Hintergrund des spezifischen Ortes in Präsentation und Repräsentation des Kulturlandes Sachsen besser eingelöst werden können, als im Versuch einer musealen Aufreihung von vielversprechenden Künstlern und Kunstprodukten. Das zeigt, wie viel immer noch für den Kunstsinn und -nutzen in der Gesellschaft und im praktischen Leben zu tun ist.

Schöne Schwestern - 250 Jahre Kunsthochschulen in Sachsen, Besucherfoyer des Sächsischen Landtags, Bernhard-von-Lindenau-Platz 1; bis 3. Juli, Mo-Fr 10-18Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.06.2014

Lydia Hempel

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