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Schirm, Charme und Hormone: Morgen beginnt der Dresdner Schaubudensommer

Schirm, Charme und Hormone: Morgen beginnt der Dresdner Schaubudensommer

Zum Budenzauber eine Brise Regen? Einen Schuss Gewitter zur Zuckerwatte vielleicht? Das schlechte Wetter gehört zum Schaubudensommer, wie die meteorologische Ignoranz seiner Macher.

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Beim Schaubudensommer dabei: Jari und Annamateur, Anne-Sylvie Casagrande, Georg Traber, Yveline Schwabe und Kaspar (v.l.o. im Uhrzeigersinn).

Quelle: Dietrich Flechtner

Denn auch wenn alles dafür spricht, dass es erst Mitte nächster Woche aufklart, die Laune lässt sich hier niemand verderben. Die vielen bunten Regenschirme, die KETE übers offene Gelände des Scheune-Gartens verteilt hat, sind explizit nicht dazu da, genutzt zu werden, und die von Cesar Olhagaray und Muriel Cornejo aufgespannten weißen Planen haben große Löcher. Es wird nicht regnen, es wird feuchtfröhlich.

In der verworrenen Welt des Schaubudensommers ist nichts, wie es scheint, und alles nicht ganz ernst gemeint. Zudem feiert das "Internationale Festival für Theater, Vergnügen und Musik" seinen 15. Geburtstag und lässt es elf Abende und Nächte lang krachen. Die Pubertät ist ein zwielichtiges Stadium, in dem sich der kunterbunte und launische Schaubudensommer quasi seit Geburt befindet. Doch doller geht es bekanntlich immer. "Wir sollten uns schon noch einiges erlauben, vor allem immer wieder die Grenze des guten Geschmackes vergessen. Da muss uns in diesem Jahr noch einiges einfallen." Als künstlerischer Leiter hat Heiki Ikkola das mit dem Geschmack bisher immer ganz gut gemeistert. Gemeinsam mit Zirkusdirektor Helmut Raeder (der zweite künstlerische Leiter) mischt er seit 1998 einen Zaubertrank voller Wahrsager, Schausteller, Tänzer, Musiker, Freaks und anderen Freunden der skurrilen Unterhaltung, die dafür sorgen, dass niemand emotional nüchtern nach Hause gehen muss. Auf dem Programm stehen dieses Jahr mindestens 36 Veranstaltungen, dazu jeden Abend ab halb eins ein Festivalklub-Konzert in der Scheune-Lounge und einige "Überraschungen". Diese Aktionen sind spontan, weil es seit einigen Jahren Ärger um das Nachtprogramm gibt und Anwohner das Umweltamt informieren, um sich über die Lautstärke zu beschweren. Im Herzen der Neustadt zu feiern heißt mittlerweile auch, in der Kinderkrippe Deutschlands Krach zu machen. Am Sonntag (8.7.) gibt's als Entschädigung die Familienschaubude und auch sonst recht viel für die Kleinen.

Kinderfreundlich wird es sicher nicht, wenn Annamateur mit ihrem Partner Jari van Gohl eine Sample-Oper aufführt, jede Nacht einmal um Mitternacht im Scheune-Saal. Eine Weltpremiere, versichert Frau Mateur blutverschmiert. "Das Besondere an der Veranstaltung ist auch ihr Ausprobiercharakter". Was hier funktioniert, wird von den Künstlern teilweise noch jahrelang aufgeführt. Der Schweizer Georg Traber war vor sieben Jahren schon mal da. Jetzt kommt er zurück, wirft mit Messern, bietet Lang- und Kurzweil sowie musikalische Frauenbegleitung. Auch die Clowns lachen wieder in unterschiedlichen Masken. Los Galindos öffnen ihre katalonische Jurte für ein wenig Melancholie und Wanderkunst, Kasper und Gaya interpretieren die "Bonbon Burlesque", der ukrainische Vierer Mimirichi erzählt von der klassischen Clownsschule, und der Parasite Circus kündigt eine "Splattershow mit Herzblut" an. Neben einem Zelt mit grazilem Tanz hält die Schönheitsschau von Cora Frost die Leute zum Narren, Bilder lernen laufen, indem Volker Gerling sie herumträgt, und ein russisches Theater setzt auf die vermeintlich so deutsche Ingenieurskunst. "Carnival of Helluzinations", "Ring des Nie-Gelungenen" oder "Antirattistische Maßnahmen" - die Wortspiele müssen sitzen bei denen, die auf dem Marktplatz der Merkwürdigkeiten erhört werden wollen. Und die leisen, die unauffälligen, die versteckten Darbietungen? Die gilt es zu entdecken, in den Ecken und Kanten des Spektakels oder in den Jackentaschen des Herrn Direktors, der Sie wie immer gerne informiert. Hereinspaziert, hereinspaziert!

Am Donnerstag startet auf dem Scheune-Gelände in der Alaunstraße der Schaubudensommer u.a. mit dem russischen Tanztheater Derevo (danach täglich), Annamateur (24 Uhr) und dem Cargo-Theater in seine 15. Auflage.

Die Shows beginnen täglich ab 20 Uhr, der Festival-Platz öffnet bereits um 19 Uhr, am 8. Juli zur Familienschaubude bereits ab 15 Uhr.

Eintritt für Erwachsene: 2 Euro, bis 20.30 Uhr kostenlos. Je Vorstellung: 5 Euro, Dreierkarten: 12 Euro. Eine Vorstellung dauert 20 bis 30 Minuten. Kinder (5-12 Jahre, am Familiennachmittag 2-12 Jahre): pro Vorstellung 2 Euro.

Vollständiges Programm: http://schaubudensommer.de/programm-2012/.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2012

Juliane Hanka

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