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Scherbengeschichten: Ausstellung von Else Gold in Alter Feuerwache Loschwitz in Dresden

Scherbengeschichten: Ausstellung von Else Gold in Alter Feuerwache Loschwitz in Dresden

Schon lange hat die Meißner Objektkünstlerin Else Gold eine Affinität für das Weiße Gold und es neben anderem liebevoll gesammelt. Dabei interessierten sie die Scherben mehr als die feinen aus ihm gefertigten Gegenstände.

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Else Gold legt ihre Installation aus Porzellanscherben auf den Fußboden der Alten Feuerwache Loschwitz.

Quelle: Heinz Weißflog

Zerbrochene Teller, Kannen und Tassen wurden zu Grundelementen für etwas Neues, das sie in großflächigen Scherbenfeldern legt. Dabei erzeugt sie eine ephemere Plastik von lose nebeneinander gelegten großen und kleinen Scherben in einer eigenwilligen Struktur und gewellten Oberfläche, die an ausgetrocknete Flussbette oder Wüstenböden erinnert.

Auf die Idee für die Bodeninstallationen kam sie 2010 während des in der Neustadt stattfindenden Kunstfestivals "Ornö". Es galt, das alte Torhaus mit Kunst zu füllen und auszuschmücken. Zuvor hatte das Gebäude in der DDR als Standesamt und nach der Wende als Obdachlosenasyl gedient. In einem Raum fand Else Gold die Hinterlassenschaften eines Obdachlosen (Schlafsack, Arbeitslosenantrag u. a.). Vom Rentenamt erfuhr sie vom Tod des Mannes. Die starke innere Berührung durch das Erlebnis der wenigen übrig gebliebenen Dinge bewegte sie, den Raum mit Scherben rund um die Dinge auszulegen, wie eine Referenz an den Toten. Das Scherbenfeld wurde zum Gleichnis einmal gelebten Lebens, seiner Einmaligkeit und Fragilität.

Nun stellt Else Gold die insgesamt 6. Scherbeninstallation seit 2010 aus. Unter dem Titel "Feld und Feuerwerk" wird ein Bezug zum historischen Ort hergestellt: Die unmittelbare Kraft des Feuers, aus dem die Dinge gemacht sind, wird hier mit dem vieldeutigen Begriff des Feldes kombiniert. Feld und Feuer waren in archaischen Zeiten ganz den Frauen und Müttern vorbehalten. Sie waren die Hüterinnen des Herdes und des Bodens, aus dem alle Dinge zum Leben kamen. Insofern ist auch Else Golds Kunst eher eine weibliche. Scherben ausbreiten ist wie Äpfel zum Trocknen und Lagern auslegen, wie Herbstarbeit und Ernte. Sich mühsam bücken, dabei geduldig und achtsam die Scherben in die Hand nehmen, und Ablegen ist eine Arbeit, die insgesamt 30 Stunden erfordert. Gleichzeitig aber ist jedes Feld einmalig, nicht fixiert und nur für kurze Zeit in seiner Form zu sehen. Die Installation mäandert und ist dabei beliebig erweiterbar, je nachdem, wie viele Scherben neu hinzukommen.

Else Golds Maxime ist, Respekt zu haben vor der "Saat", vor dem Prozess des Auslegens, der auch Arbeit in Raum und Zeit ist. Auch vor dem besonderem Material, in dem Kraft und Energie gespeichert sind, das uns als Stück Lebens-und Menschenarbeit wie eine Versteinerung in die Hände fällt. Diese Dinge sind nicht für die Ewigkeit gemacht wie alles andere auch. Sie leben aber und atmen und pulsieren wie ein lebendiger Organismus, mit Liebe gemacht. Diese Liebe spürt man, wenn man nicht ohne Staunen und einen gewissen Schwindel an die Installation herantritt und sich über sie beugt. Wie ein flüchtiges tantrisches Mandala legt die Künstlerin ihre Vorstellungen in eine Form, die später zerstört wird. Und dennoch bleibt etwas davon übrig: Die Einsicht, dass alle Dinge ihren Sinn und ihre Berechtigung haben. Wo ist der Wert des Flusses, der fließt, mit dem Else Gold ihre Arbeitsergebnisse bezeichnet?

Seine Köstlichkeit ist wie alles Schöne in der Natur, das gleichzeitig vergeht und verschwindet. In jedem gelegten Scherben sind Geschichten verborgen, die ihr beim Auslegen in den Sinn kommen und ihr etwas vom Leben anderer Menschen zuflüstern. Mit ihrem Scherbenfeld demonstriert sie auch, dass nichts sicher ist außer der fortwährenden Veränderung - panta rhei.

Die Künstlerin bittet alle Besucher, Porzellanscherben in die Ausstellung mitzubringen und ihr an jedem Montag während ihrer Anwesenheit in der Ausstellung (12-18 Uhr) zu übergeben.

Bis 18. Nov.. Alte Feuerwache Loschwitz, Fidelio-F.-Finke-Straße 4, Dresden. Internet: www.feuerwache-loschwitz.de, Tel.: 0351/ 267 86 26, geöffnet: So-Do 12-18 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.11.2012

Heinz Weißflog i

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