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Schenkungsvertrag für Marzona-Archiv der Avantgarden unterzeichnet

Geschätzter Wert von 120 Millionen Euro Schenkungsvertrag für Marzona-Archiv der Avantgarden unterzeichnet

Die Moderne wird seit dem Zweiten Weltkrieg schmerzlich vermisst in der Kunststadt Dresden. Das einzigartige Kunstarchiv des Sammlers Egidio Marzona füllt diese Lücke. Es ist aber mehr als ein Geschenk.

Der deutsch-italienische Kunstsammler Egidio Marzona unterzeichnet am 06.12.2016 in Dresden (Sachsen) im Beisein der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann (l), und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) einen Schenkungsvertrag.

Quelle: dpa

Dresden. Das einzigartige Archiv zur künstlerischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts von Egidio Marzona ist jetzt Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Der in Berlin lebende, international bedeutende Sammler und Mäzen und seine beiden Kinder besiegelten die Schenkung am Dienstag mit ihren Unterschriften unter den Vertrag im Dresdner Residenzschloss. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und ein wunderschönes internationales Projekt“, sagte Marzona. Sein seit Ende der 1960er Jahre gewachsenes Künstlerarchiv wird von den SKD bewahrt, bearbeitet sowie Öffentlichkeit und Wissenschaft zugänglich gemacht, wie Generaldirektorin Marion Ackermann erklärte.

Der international bedeutende Kunstsammler und Mäzen Egidio Marzona hat den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sein Archiv der Avantgarden des 20. Jahrhunderts geschenkt.

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Für 20 Millionen Euro saniert der Freistaat ab 2019 ein Barockgebäude als künftiges Domizil des Kunstschatzes, es soll nach Angaben von Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) spätestens 2021 eröffnet werden. Anfang 2017 werden die Leitungs- und eine Archivarstelle ausgeschrieben, bis Ende 2018 sollen die ersten vier der insgesamt neun geplanten Stellen besetzt werden. „Mit dem großzügigen Geschenk ist auch eine große Verantwortung verbunden“, betonte Stange. Dresden sei ein guter Ort für Marzonas Lebenswerk, mit dem endlich auch das Fehlen der Moderne in den Beständen der SKD kompensiert werden könne.

Mehrere externe Gutachter haben die Sammlung seit Juni gesichtet und ihren Wert auf 120 Millionen Euro taxiert. Marzona sprach von einer „Autopsie“ des Konvoluts. „Ich wusste gar nicht, dass Schenken so anstrengend ist“, resümierte er den „Marathon von Monaten“. Mehr als 600 000 Dokumente - etwa 4000 Ordner - und 1000 Kunstwerke, Möbel und Designobjekte sind schon von der Spree an die Elbe verlagert worden. 2017 planen die SKD erste Ausstellungen, wie die Generaldirektorin sagte. Zudem gibt es bereits zahlreiche Leihanfragen.

Das Archiv der Avantgarden von Egidio Marzona

Das Archiv der Avantgarden des 20. Jahrhunderts von Egidio Marzona ist das weltweit größte seiner Art. Das Ende der 1960er Jahre begonnene Konvolut umfasst mehr als 1,5 Millionen Objekte und reicht vom Expressionismus und Futurismus über Informel, Pop und Fluxus bis zur Postmoderne und den Jungen Wilden. Es gewährt damit Einblick in die Geschichte der großen künstlerischen Strömungen des späten vergangenen Jahrhunderts, in das gedankliche Netzwerk und den geistigen Austausch der Zeit im Bereich bildende Kunst, aber auch Architektur, Design, Film, Musik, Theater, Tanz oder Literatur.

Das in mehreren Gutachten auf einen Wert von 120 Millionen Euro geschätzte Archiv enthält eine große Design- und Möbelsammlung sowie als Herzstück einen Bestand von mehr als 600 000 Dokumenten, Fotos, Skizzen und Zeichnungen, Plänen oder Broschüren. Die rund 4000 Ordner sowie 1000 Skulpturen, Gemälde und Designobjekte sind bereits in Dresden.

Der 1944 in Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) geborene Marzona gilt als einer der wichtigsten Sammler zeitgenössischer Kunst und großen Mäzene der Gegenwart. Das Archiv enthält Briefwechsel, Manifeste, Plakate und Filme, Kataloge, Künstlerbücher und Zeitschriften sowie exemplarische Kunstwerke und Designobjekte unter anderem von Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Yves Klein, Le Corbusier, Mies van der Rohe, Oskar Kokoschka, Max Beckmann, George Grosz, Paul Klee, Niki de Saint Phalle, Andy Warhol, Joseph Beuys und Sigmar Polke.

Auch die wissenschaftliche Bearbeitung des „reichen Schatzes“ hat schon begonnen. Der „einzigartige Wissenspeicher“ erlaube die Erforschung des visionären künstlerischen Gedankenguts dieser Zeit, aber auch den Brückenschlag von der Avantgarde zur Gegenwart und Zukunft. Ackermann will, auch ganz im Sinne Marzonas, ein lebendiges Archiv. „Man kann es wie eine Matrix sehen, die viele Ansätze zur Entwicklung von Unverwechselbarem bietet.“ Und der Bestand soll weiter wachsen, auch durch externe Zustiftungen. „Auch Herr Marzona will weiter sammeln.“

dpa

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