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Schauspieler Olaf Hörbe hört auf

Ruhestand Schauspieler Olaf Hörbe hört auf

Er ist Schauspieler, Autor, Regisseur: Olaf Hörbe. Nun ist er 65 und wechselt in den Ruhestand. Dem Publikum der Landesbühnen bleibt er aber erhalten. Am Sonnabend steht er wieder auf der Felsenbühne Rathen – dann soll er auch offiziell aus dem Ensemble verabschiedet werden.

Olaf Hörbe

Quelle: Landesbühnen Sachsen

Dresden.  

Gleich nach seinem Schauspielstudium kam Olaf Hörbe 1977 an die Landesbühnen Sachsen. Trotz zahlreicher Arbeiten an anderen Häusern ist er der Bühne in Radebeul immer treu geblieben und machte sich auch als Autor und Regisseur einen Namen. Am Sonnabend steht Hörbe noch einmal als Winnetous Vater Intschu-tschuna in „Winnetou I“ auf der Felsenbühne Rathen. Vor der Vorstellung (19 Uhr) soll er offiziell aus dem Ensemble verabschiedet werden. Zuvor sprach Sebastian Burkhardt noch mit ihm.


Sie sind jetzt 65 Jahre alt, eigentlich noch recht jung für einen Schauspieler. Warum scheiden Sie dennoch schon jetzt aus dem festen Ensemble der Landesbühnen Sachsen aus?

Ich habe viele Jahre lang Theater gespielt und mit guten und großen Besetzungen viel Glück gehabt, so dass ich mich angenehm satt fühle. Danach nascht man noch eine Zeit lang herum, und dabei sucht man sich das heraus, worauf man am meisten Appetit hat. Jetzt möchte ich mir noch ein bisschen von der Welt ansehen, die ich viele Jahre nur gespielt habe. Das Theater bindet einen sehr. Außerdem wird auch Platz für einen anderen Kollegen.

Was sagen Ihre Kollegen dazu?

Die wollen das noch nicht so richtig glauben, aber sie finden auch meine Begründung nachvollziehbar und interessant.

Ganz plötzlich von der Bildfläche verschwinden werden Sie aber nicht. Wo kann man Sie weiterhin sehen, und wie wird Engagement zukünftig bei den Landesbühnen aussehen?

Im Laufe der neuen Spielzeit werde ich schon noch einige Vorstellungen spielen. So in „Goldbergvariationen“, „Wie im Himmel“, „In Gottes eigenem Land“, im Weihnachtsmärchen „Von einem, der auszog, das Gruseln zu lernen“ usw., eben in den Inszenierungen, in denen ich bis jetzt auch mitgewirkt habe. Es ist also ein fließender Übergang für mich.

Wird man Sie auch noch einmal in einem anderen Theater in Deutschland zu sehen bekommen?

Das weiß ich noch nicht.

Sie haben nicht nur fast 40 Jahre als Schauspieler in großen Rollen an den Landesbühnen geglänzt, sondern auch als Autor und Regisseur von insgesamt sechs Karl-May-Stücken maßgeblich zum Erfolg dieser Klassiker beigetragen. Warum liegt Ihnen der Indianerstoff des Radebeulers so sehr?

Mich hat in der Jugendzeit die Geschichte der Indianer sehr interessiert, nicht zuletzt auch wegen der DEFA-Indianerfilme. Karl May hat für mich dabei keine Rolle gespielt. Auch wenn ich jetzt einige Leute enttäusche: An den Felsenbühnen-Aufführungen hat mich zuerst einmal die theatralische Umsetzung der Karl-May-Geschichten interessiert. Die waren ja traditionell vorgegeben, und die Landesbühnen tun gut daran, diese Tradition zu pflegen. Ich hätte auch gern Geschichten von Cooper oder Gerstäcker auf dem Spielplan gesehen. Bei der Erarbeitung der Bühnenfassungen für die Karl-May-Inszenierungen habe ich großen Wert darauf gelegt, die Vorlagen möglichst mit großem Wiedererkennungseffekt auf die Bühne zu bringen. Wenn Karl May dran steht, soll möglichst auch viel Karl May drin sein.

Ist das auch der Grund, warum Sie angefangen haben, Theaterstücke zu schreiben?

Nein, ich fand die uns angebotenen Stückvorlagen schlecht und habe erst mal leichtfertig behauptet, ich könne das besser. Carsten Ramm, der damalige Schauspieldirektor, hat mich dann beim Wort genommen. Ich danke ihm sehr dafür.

Mit Ihnen verlässt ein erfolgreicher Autor die Landesbühnen, erst Ende April hatte Ihr Stück „In Gottes eigenem Land“ Premiere. Werden Sie noch weiter schreiben?

Wenn ich einen Auftrag dafür bekomme und das Thema interessant ist, sicher. Ich habe nie für die Schublade geschrieben. Auch ein komfortabler Zustand.

Was war Ihr bisher größter Moment als Künstler, was hat Sie besonders beeindruckt?

Es gab viele schöne Momente und Rollen. Das waren unter anderem Cyrano de Bergerac, der Nathan, der Pinneberg in „Kleiner Mann, was nun“, der Indianer in „Einer flog übers Kuckucksnest“, „Enigma“, „Hotel zu den zwei Welten“, der Faust, der Lear usw. usw. Dann auch die komödiantischen Figuren wie Truffaldino in „Diener zweier Herren“ oder der Romeo in „Es war die Lerche“. Nicht zu vergessen die Arbeit als Mediclown und die Lesungen, die ich für verschiedene Kulturvereine im Umland gemacht habe.

Eines der beeindruckendsten Erlebnisse war meine Arbeit an „Insalata Verdi“ an der Oper Schenkenberg in der Schweiz. Dazu hatte ich das Libretto geschrieben, Regie geführt und den Verdi gespielt in einem internationalen Ensemble von jungen Musikern und Sängern. Wir waren zwischen 80 und 100 Beteiligte, und das internationale Flair war atemberaubend. Wenn man dann nach drei Jahren an diesen Ort zurückkehrt und auf der Straße wieder auf dieses Ereignis angesprochen wird, dann darf man wohl von einem außergewöhnlichen Erfolg reden. Ein anderes prägendes, ebenfalls internationales Projekt ist immer noch aktuell: „In Gottes eigenem Land“, eine Zusammenarbeit zwischen den Schauspielern der Landesbühnen, den Community Players, dem Leipziger Ensemble Nobiles, verschiedenen regionalen Chören, dem Theater in Salisbury in den USA und dem britischen Regisseur. Ich glaube, für alle Beteiligten war dieses Miteinanderwachsen eine sehr beglückende und zu Herzen gehende Erfahrung.

Egal ob als Mediclown in Krankenhäusern oder als Regisseur von Kinderopern wie an der Oper Schenkenberg – die Arbeit mit Kindern hat Ihnen immer viel bedeutet. Werden Sie sich auch zukünftig noch dem Nachwuchs widmen?

Natürlich. Zuallererst meiner Enkeltochter in Berlin, die bisher sehr zu kurz gekommen ist. Darüber hinaus bin ich auch gerne bereit, mit jungen Schauspielern Kontakt zu haben und mit ihnen zu arbeiten, wenn sie das wünschen.

Gibt es Hobbys, denen Sie nun aufmerksamer nachgehen können und werden? Haben Sie Angst, dass Ihnen die Arbeit an den Landesbühnen fehlen wird?

Zum ersten Teil der Frage: Ja, ich fotografiere gerne und möchte das mit Reisen verbinden. Ich fahre sehr gern Rad und bin gern in den Dolomiten und Alpen auf Klettersteigen unterwegs. Vielleicht fange ich auch wieder an zu tauchen, das habe ich in frühen Jahren einmal sehr intensiv betrieben, bevor ich mich für das Theater entschied. Zum zweiten Teil der Frage müssen Sie mich in ein paar Monaten oder im nächsten Jahr noch mal fragen.

Gibt es einen Künstler, mit dem Sie unbedingt noch einmal oder überhaupt einmal auf oder hinter der Bühne zusammenarbeiten wollen?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe mich sehr gefreut, mit Gojko Mitic in „In Gottes eigenem Land“ zu spielen. Er war der Held meiner Jugend.

Wie sehen Sie das Ensemble der Landesbühnen generell für die Zukunft aufgestellt?

Ich denke, die Landesbühnen Sachsen sind sehr gut aufgestellt. Tolle und engagierte Darsteller, dazu motivierte Mitarbeiter in allen Gewerken. Natürlich verlangt die heutige Zeit allen sehr viel ab, und oftmals kommen alle auch an ihre Grenzen. Da muss man sicher manches noch optimieren. Grundsätzlich finde ich es gut, dass das Theater sich mit anderen Theatern und kulturellen Einrichtungen verbindet und vernetzt. Das ist heute überlebensnotwendig, kann aber auch vieles vereinfachen. Und sich an ein solches Unternehmen wie „In Gottes eigenem Land“ heranzuwagen, dazu braucht es auch eine gehörige Portion Mut zum Risiko. Es ist gut, dass dieser Mut da ist. So erweitern sich auch die Kontakte und Kreise und nicht zuletzt die Aufmerksamkeit für die Landesbühnen Sachsen über Großbritannien, Dänemark, Kuba bis in die USA. Ein guter Lohn für Risikobereitschaft und harte künstlerische Arbeit.

Von Sebastian Burkhardt

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