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Regional Samstagabend, und wer konnte, scharte sich um ihn: Adel Tawil in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Samstagabend, und wer konnte, scharte sich um ihn: Adel Tawil in Dresden
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17:38 09.09.2015
Ganz im Corporate Design verhaftet, erstrahlte die Garde in lila und beigen Tönen der "Lieder-Tour". Und im Zentrum: Adel Tawil. Quelle: Christian Juppe

Und wie er mobilisiert hatte dafür: Nicht nur das proppevolle Open-Air-Gelände folgte seinen mal unbewusst-fließenden, mal pantomimisch-redundanten, mal choreografisch-zementierten Bewegungen auf der Bühne. Auf der hatte er ein Live-Arrangement um sich, ebenso feinabgestimmt wie verspielt. Mit solchem lässt sich ein Abend gestalten und mit sich sonst beißenden Sounds anreichern. Eine temperierte Mischung aus R'n'B, reguliertem Crossover und Pop, wie sie Tawils Plattitüden mittels Baustellenradios vor der Frühstückspause schon in alle Gehörgänge eingelassen hat.

Gerade die Violinistin und Backgroundsängerin Maria Helmin bewies, dass sie die abwesende Cassandra Steen während des Songs "Stadt" nicht schlicht zweitbesetzte. Sie machte das Beste draus und interpretierte - kraftvoll. Zu weit von der Leine ließ Tawil jedoch seine Spieler, als "Graffiti Love" in Drum & Bass ersoff. Da half auch der eingespielte "Schwestern-Sound" von Annette (Ich+Ich) und Inga (2raumwohnung) Humpe nicht, das Stück in den Heimathafen zu hieven.

An sich fehlten viele, die dem 36-jährigen Adel Salah Mahmoud Eid El-Tawil Zuarbeit für sein Werk geliefert haben. Von seinen alten Kollegen von The Boyz über Deutschrapper wie Azad und Sido. Abhilfe tut da, wo der Bausatz inkomplett ist - im Legoprinzip zusammenschütten. Im Musik-Sprech kommt da ein Medley heraus. Das Geflecht aus "One Minute", "Ich hol dich da raus" und "Der Himmel soll warten" zog an.

Anwesend war die Berlinerin Alexa Feser. Als Einheizerin wurde ihr eine knappe halbe Stunde zugestanden, in der sie auf der Bühne wandelte, als wäre es voll und ganz ihre. Im Zeitdruck ging eines ihrer Lieder ins nächste über, wie sich ihre energiegeladene, klangmalende Stimme im Sound ihrer Band auflöste. Statt der vereinnahmenden E-Sounds hätte Feser sich und ihrer Stimme mehr Spielraum lassen sollen. Doch ihre Aufgabe war getan, die Show genau das, was eine Vorband tun muss: Sie erntete nicht den vollen Applaus und lieferte stattdessen einen Pfad hin zum Event selbst. Spätsommer sei Dank, durfte auch Alexa Feser unter Dämmerlicht am Klavier sitzen.

Ganz im Corporate Design verhaftet, erstrahlte die Junge Garde anderthalb Stunden lang in lila und beigen Tönen der "Lieder-Tour" Adel Tawils. Brauchte der auch etwas, um mit den Zuschauerinnen und Zuschauern warm zu werden, wurde dann zum Ich+Ich-Klassiker "Vom selben Stern" ein spontaner Kinderchor verhalten laut, und Tawil suchte während der Zugabe die maximale Reichweite seines Funkmikros.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.09.2014

Ken Merten

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