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„Samson et Dalila“ an den Landesbühnen in Radebeul

Ein starkes Stück zum Abschied „Samson et Dalila“ an den Landesbühnen in Radebeul

Wenn am Sonnabend in einer halbszenischen Aufführung „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns an den Landesbühnen Sachsen Premiere feiert, dann erfüllen sich auch Träume für Silke Richter und Christian S. Malchow. Sie geben ihre Rollendebüts in den Hauptpartien dieses Meisterwerkes der französischen Oper.

Silke Richter

Quelle: Hagen König

Radebeul. Auch wenn man hierzulande diese selten aufgeführte Oper nicht so gut kennt, beim Hören des Duetts „Mon coer s’ouvre à ta voix“ – „Sieh, mein Herz erschließet sich“, dürften nicht nur die Herzen der Opernfans weit aufgehen. Dabei verfolgt diese Dalila mit ihrem betörenden Gesang einen gemeinen Plan. Sie wird Samson, dem mächtigen Helden der Juden, das Geheimnis seiner Kraft entlocken. Es ist sein langes Haar, das ihm die listige Philisterin im Liebesrausch abschneidet. Am Ende aber wird Samson noch einmal seine übermenschlichen Kräfte haben, er reißt die Säulen des massiven Tempels ein und mit sich die Philister und Dalila in den Tod. Samson und Dalila, das sind Traumrollen für dramatische Mezzosoprane und jugendliche Heldentenöre.

Wenn am Sonnabend in einer halbszenischen Aufführung „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul mit der Elbland Philharmonie Sachsen unter der Leitung von Jan Michael Horstmann und in der Ausstattung von Stefan Wiel Premiere feiert, dann erfüllen sich auch Träume für Silke Richter und Christian S. Malchow. Sie geben ihre Rollendebüts in den Hauptpartien dieses Meisterwerkes der französischen Oper.

Beide beschäftigen sich mit diesen Partien schon lange. Für Silke Richter begann das im Studium an der Dresdner Musikhochschule, da gehörten Ausschnitte aus dieser Oper zu den ersten Herausforderungen für die junge Sängerin. Deren verehrte Lehrerin Leonore Elstermann erkannte früh, dass bei der gut grundierten Stimme ihres Mezzosoprans einmal die Zeit reif sein wird für Partien des dramatischen Faches.

In Konzerten hat Silke Richter schon mehrfach Ausschnitte gesungen, zuletzt auch mit Christian S. Malchow das berühmte Duett in einer Gala der Landesbühnen unter der Leitung von Jan Michael Horstmann, der dann gemäß der Devise, „Das machen wir, das schaffen wir“, alles daran setzte, diese Aufführung zu erarbeiten. Jetzt ist es so weit, das ist gut so. Immerhin gab es das Werk nach der Erstaufführung am 30. November 1900, der 80 Vorstellungen bis zum Jahr 1914 an der Hofoper folgten, inzwischen über 100 Jahre in Dresden nicht mehr auf der Bühne.

Die Sängerin und der Sänger finden zwischen zwei Endprobe Zeit für ein Gespräch und sind angetan von der großartigen Zusammenarbeit mit dem Dirigenten, mit den Kollegen, mit Orchester und Chor. Auch die halbszenische Lösung, bei der ihnen genug Möglichkeiten für szenische Aktionen bleiben, finden sie angemessen. Denn dass der Komponist ursprünglich ein Oratorium nach Motiven aus dem Buch der Richter im Alten Testament der Bibel schreiben wollte, macht den besonderen Charakter dieses Stückes um religiöse und politische Konflikte aus, das im 12. Jahrhundert vor Christus im Gebiet des heutigen Gaza-Streifens spielt.

Für die beiden Protagonisten bedeutete die Erarbeitung der Partien auch die Entdeckung der Brüche, der Verunsicherungen, der nicht immer eindeutigen Emotionen ihrer Charaktere und der daraus erwachsenden Motivationen eine hohe Anforderung im Hinblick auf die musikalische Gestaltung. Am Ende gehen beide „leer“ aus, aber wir sind in der Oper, der Tod, die Musik dazu, machen sie unsterblich.

Hinzu kommen auch die Herausforderungen, dass es eine große Anzahl von Aufnahmen gibt. Es bleibt nicht aus, dass man da mal hineinhört. Mit Begeisterung und Anerkennung spricht Silke Richter von Sängerinnen wie Agnes Baltsa, Olga Borodina oder der wunderbaren Marilyn Horne, die mit ihren Interpretationen der Dalila Maßstäbe gesetzt haben. Christian S. Malchow geht es ähnlich, wenn er etwa hört, wie Plácido Domingo den Samson gesungen hat. Aber, und da sind sich beide einig, im intensiven Probenprozess spielten diese Aufnahmen keine Rolle mehr, jetzt kommt es darauf an, eine gänzlich eigene Interpretation zu finden.

Beide konnten bisher auf ihren künstlerischen Wegen Erfahrungen sammeln, sich Herausforderungen stellen, die es ihnen möglich machen, jetzt diesen Schritt ins musikalische Neuland zu wagen. Silke Richter hatte schon zu Hause in Elsterwerda ihre Liebe zum Gesang entdeckt, an der Musikschule lernte sie Gitarre spielen, um sich zu begleiten, dann wurde ihre Stimme entdeckt, es folgten Gesangsunterricht und das Studium an der Dresdner Hochschule. Sie besuchte Meisterkurse bei Brigitte Fassbaender, Elisabeth Schwarzkopf oder Margreet Honig. Ihre Bühnenlaufbahn begann in Radebeul, darauf folgten Engagements in Freiberg-Döbeln, Plauen-Zwickau und seit 2009 wieder an den Landesbühnen. Sie konnte sich somit ein großes Repertoire erarbeiten: Oper, Operette, Konzerte. Als Dalila wird sie sich mit dieser Premiere in Radebeul verabschieden, mit Beginn der Saison 2016/2017 gehört sie dem Ensemble der Staatsoperette in Dresdens Mitte an.

Und auch für den Tenor Christian S. Malchow kündigen sich Veränderungen an, da ist es schon ein Höhepunkt, die Partie des Samson singen zu dürfen, bedeutet dies doch auch eine Erweiterung seines bislang stark italienisch geprägten Repertoires. Zuletzt sang er beispielsweise mit großem Erfolg die Titelpartie in Verdis „Don Carlo“ an den Landesbühnen.

Auch sein musikalisches Talent wurde früh entdeckt, im katholischen Kindergarten seiner Heimatstadt Lübeck. Er sang in der Knabenkantorei, im Extrachor der Oper und studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt. Er war im Chor der Sächsischen Staatsoper, ging nach Freiberg-Döbeln ins erste Engagement als Solist, gehörte dann dem Opernensemble des Theaters für Niedersachsen an und kam 2013 zurück nach Dresden für ein Engagement an den Landesbühnen. Sehr wichtig wurden für den jungen Sänger die Begegnungen mit der auch in Dresden an der Semperoper mehrfach zu erlebenden, höchst expressiven Sängerdarstellerin Leandra Overmann als aufopferungsvolle Lehrerin, die 2012 im Alter von nur 55 Jahren verstorben ist.

Im Rückblick auf die Zeit an den Landesbühnen sind sich Silke Richter und Christian S. Malchow einig, musikalisch gut aufgehoben, kamen sie künstlerisch gut voran auf ihren Wegen, die nun in neue Richtungen führen werden. Und auch Jan Michael Horstmann wird seine Zeit als Operndirektor und Dirigent an den Landesbühnen beenden, „Samson et Dalila“ ist die letzte von ihm einstudierte und dirigierte Premiere.

Ein dreifacher Abschied und dazu die Gelegenheit, nach mehr als 100 Jahren wieder ein Meisterwerk der Operngeschichte, zwar nicht in Dresdens Zentrum, aber immerhin in einem ganz und gar nicht unwesentlichen Zentrum des Musiktheaters zu erleben.

Premiere: 14. Januar, weitere Aufführungen: 20., 22., 26., 28. Januar.

Von Boris Gruhl

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