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Sängerin Dona Rosa sorgte für ein ausverkauftes Kleines Haus

Fado im Dämmerlicht Sängerin Dona Rosa sorgte für ein ausverkauftes Kleines Haus

Ist es ein sehr abwegiger Vorschlag, dass sich auch eine weltweit anerkannte und berühmte Fado-Sängerin ein bisschen einsingen möge, bevor sie auf die Bühne kommt? Mich persönlich jedenfalls hat der erste Teil des Konzerts von Dona Rosa im ausverkauften Kleinen Haus des Staatsschauspiels kaum erreicht.

Dona Rosa im ausverkauften Kleinen Haus des Staatsschauspiels .
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Ist es ein sehr abwegiger Vorschlag, dass sich auch eine weltweit anerkannte und berühmte Fado-Sängerin ein bisschen einsingen möge, bevor sie auf die Bühne kommt? Mich persönlich jedenfalls hat der erste Teil des Konzerts von Dona Rosa im ausverkauften Kleinen Haus des Staatsschauspiels kaum erreicht. Zu heiser-krächzig, ohne jede Variation in Höhe und Tiefe war die Stimme der 60-jährigen Portugieserin.

Da blieb auch die nette Idee, durch Ausschalten möglichst vieler Lampen den Zuschauern die Welt der blinden Frau nahezubringen, ohne nachhaltigen Effekt. Dabei sorgten ihre beiden großartigen Begleitmusiker durchaus für die richtige Stimmung aus dem Gassen Lissabonns: Raul Abreu mit der portugiesischen, optisch an eine Mandoline erinnernden, Gitarre, der auch die englisch-sprachigen Ansagen übernahm sowie selbst zwei Stücke sang, sowie die schmale, hübsche Ines Vaz, die ihrem Akkordeon so viel Melodie, Traurigkeit und Sentiment entlockte, dass man immer wieder hinweggetröstet wurde über die doch sehr schwache Gesangsdarbietung.

Zunächst war da der Gedanke, Dona Rosa, die kein leichtes Leben hatte, sei ernsthaft krank. Bevor sie von Andre Heller entdeckt und in seiner österreichischen Fernseh-Sendung vorgestellt wurde, bevor sie beim Bremer Weltmusik-Label Jaro unter Vertrag kam, lebte sie schließlich als Obdachlose in den Straßen von Portugals Haupstadt von Almosen. Gesundheitsfördernd ist solch ein Leben nicht. Erst seit der Jahrtausenwende steht sie auf den Bühnen der Welt und begeisterte seitdem unzählige Fans der traurigen Volksmusik mit ihrem Gesang. Wobei das Stehen eben in Dresden schon nicht mehr möglich war. Langsam, auf Stock und Raul Abreu gestützt, kam sie mit extrem geschwollenen Beinen auf die Bühne und ließ sich auf einen Stuhl sinken.

Dann aber war der zweite Teil des Abends, nach der Pause, sehr viel besser. Dona Rosas Stimme meisterte die Melodien, nahm Höhen und Tiefen mit, verfügte über deutlich mehr Facetten, ließ Nuancen hören. Also lag es doch am fehlenden Einsingen?

Schöner als das Dämmerlich ist dann auch die gleichzeitige Präsentation des Fotobuches „Lisboa Past & Present“ von Ulrich Balß. Die Fotos entstanden im Verlauf der vielen Jahre, in denen der Jaro-Chef Dona Rosa und Lissabonn besuchte und werden nun hinter dem Trio an den Vorhang geworfen. Sehr schön geben sie die melancholische Schönheit der Stadt am Tejo wieder, deren große Tage lange vorbei sind, deren ehemalige Bedeutung nach wie vor in Details wie den berühmten Kunst-Fliesen sichtbar ist. Häufig sind es solche Details, die die Fotos prägen, es ist der Blick eines Menschen, der die Stadt gut kennt und besondere Sichten findet. Schön ist das und es passt großartig zu Dona Rosas Musik.

Denn deren Traurigkeit und Tiefe kommt nun wirklich zur Geltung. Jetzt spürt man, was diese kleine, blinde Frau vermitteln will – auch ohne die fremde Sprache zu verstehen. Trotzdem schön, wenn auch mal ein Song in gebrochenem Englisch dabei ist, so dass man ein wenig besser folgen kann.

Zum letzten Stück sehen wir Lissabonn vom Wasser aus, und je länger das Stück geht, umso weiter fährt dieses Bild nach hinten, verlässt uns. Nette Idee, das. Tosender Applaus, Trampeln, Aufstehen – und natürlich gibt es danach noch eine Zugabe von Dona Rosa allein auf der großen Bühne, sich selbst mit ihrer Triangel begleitend, wie sie es einst auf den Gassen Lissabonns gemacht hat.

Von Beate Baum

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